Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1886)
- Date
- 1886-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Indiens, in welchem Lande nebst den einheimischen auch die beiden semitischen sprachen, dasArabische und das Persische ungemein verbreitet find, nicht heraus und Calcutta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüdische Gemeinde Süd- und Ostasiens. Die jüdischen Gemeinden, die sich heute in Hongkong, Schanghai und Hokohema finden, datiren nämlich erst aus der ncucsren Zeit und wurden sie von dorthin eingewanderten. englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Juden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zen einzelne Juden gekommen, um dort zeitweilig zu bleiben und sich, wenn möglich, ein Vermögen zu erwerben; aber dauernd wollte sich keiner derselben dort niedcrlaffcn. So starb erst vor drei Jahren in London ein gallischer Jude, Namens Goldmann, der auf seinen abenteuerlichen Wanderungen durch das östliche Asien auch nach Siam kam, wo er etliche Jahre verblieb und dasselbe dann mit großen Reichthümcrn wieder verliest. Diese Scheu der Juden vor Siam und seinen Bewohnern konnte indest den europäisch erzogenen und Hochgebildeten König dieses Landes, Chnlulonkoran, nicht abhalten, zu seinem Konsul in Wien, einen jüdischen Kaufmann daselbst, Herrn Schönberger, zu ernennen und lieferte er so den Beweis, daß Bildung und Wisieu von allen confcssionellttt Vorurthcilcn frei macht. Heute haben wir wieder von einem Juden zu erzählen, der die Gunst dieses Fürsten sich in einem so hohen Grade erworben hat, das dieser ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malacca, die noch zu Siam gebärt, auszuberilen und ihm zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei züsagtc. Dieser Jude heißt Angelo Luzzatti, stammt aus der oberitalienischen Stadt Asti und ist seinem Berufe nach Ingenieur. Im vergangenen Februar kam nun Herr Luzzatti, der bisher in Indien gelebt und gewirkt hatte, mit einem Empfehlungsschreiben des Vicckönigs dieses Reiches, Lord Tufferin, an den englischen Gesandten in Bangkok, der Hauptstadt Siams, nach dieser Stadt, nm dieses Land, besonders aber die schon genannte Halbinsel Malacca. die man ihres ungeheuren Goldrcichthums wegen, gemeiniglich die goldene Halbinsel nennt, geologisch zu durchforschen. In Bangkok angekommen, gelang es nun Her-rn Luzzati sich bald die Sympathien der dortigen europäischen Eolouie, besonders des dortigen englischen Gesandten, zu erwerben, so dast er schon nach kurzem Aufenthalte daselbst Zutritt in die besten Häuser und Kreise fand. Bald darauf wurde er auch vom Könige Ehnlulonkorau zur Audienz besohlen, und die Gunst des Läudesfürstcu öffnete ihm die Pforten zu den Ministern und Großen des Reiches. Ern« besonder« Freund fand er mm an dem dortige« Minister des Auswärtige«. Prinz Chrom Mo« Teva Wongye, der gleich semem Souverän eine gründliche, abendländische Bildung besitzt. Unser Glaubensgenosse verstand es, sich in kurzer Zeit so beliebt und geachtet bei diesem Staatsmanne zu machen, daß dieser ihn im vergangenen Mai in Begleitung eines hohen fiamefischea Kmctionärs und auf einem eigens dazu ausgerüsteten Kriegsdampfer nach der Halbinsel Malacca schickte, damit er die dortigen Lrarischen Bergwerke durchforsche und gab er ihm auch die nöthigea Empfehlungsschreiben an die dortigen Statthalter mit. Nach seiner Rückkehr nach Bangkok überreichte er dann seinem Gönner, dem Minister des Auswärtigen, ein Memorandum über die Ergebnisse seiner Forschungsreise, das dieser dem Könige unterbreitete. Dieser befahl nun, das Schriftstück in's Siamesische zu übertragen, es auch auf Staatskosten drucken zu lassen und es dann im ganze» Lande zu vercheilen. Als Lohn für seine Arbeit erhielt der Autor des Memorandums von der Krone ein Stück Land in der Provinz Bangtaphen, das zehn Meilen lang und vier Meilen breit ist, Übewiesen, um auf demselben Nachgrabungen nach Gold anstellen zu lassen. Auch eine pecuniare Unterstützung zur Durchführung seines Unternehmens wurde ihm von der Krone in Aussicht gestellt. Dem Beispiele des Königs folgend, beeilten sich die Minister, ebenso auch die Großen des Landes und Biele in Bangkok refidirende einheimische und fremde Capitalisten Herrn Luzzatti beträchtliche Summen zur Verfügung zu stellen, so daß bis zum 1. October schon 50,000 Livres Sterling (eine Million Mark) beisammen waren. Herr Luzzatti ist jetzt wieder in Italien cingettoffen, um rinn auch italienische Capitalisten für sein Unternehmen zu gewinnen und zugleich auch hier die nüthigen Ingenieure und BergwerMeute in seine Dienste zu nehmen, mit denen er im Frühlinge nach Siam zurückkehren wird, um dort an die Arbeit zu gehen. Viele Europäer in Bangkok, die sich schon seit Jahren vergeblich bei der siamesischen Regierung bemüht haben, von ihr die Concession zur Ausbeutung einiger Bergwerke zu erlangen, sahen es daher nur mit Neid, daß Herrn LuMtti binnen kurzer Zeit das gelungen ist, wonach sie schon seit Jahren gestrebt. Der „Siam Weekly Advcrtisor," der in Bangkok erscheint, nennt diese Eoncessionsertheilung an Herrn Luzatti „eines der wichtigsten Ereignisse im Königreiche Siam im Jahre 1885." Die italienischen Blätter sind daher jetzt nicht wenig stolz auf ihren wackern und tüchtigen Landsmann.