Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1886)
- Date
- 1886-02-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449611--23714-2513393- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
auch gering an Zahl, find noch heute berühmt ob ihres großen Willens und alle Gemeinden im Euphrotthole und im nördlichen n-ru arw (Mesopotamien) holen noch heute in religiösen Angelegenheiten deren Rath und Gutachten ein. Hier versehen sich auch diese Gemeinden mit ehvtp ,cntma ,bron r^sn TriüB £nmn neo und mit allem dem, was der Jude zur Erfüllung seiner religiösen Pflichten bedarf. Kommt doch dieses Alles aus Babel, aus jener Stadt, welche voraussichtlich die erste außerhalb Palästinas, in der noch dazu (ran tvprrp und nrran sra buert (Daniel, der bei Gott beliebte Mann,) gelebt, gelehrt, ihre Bücher geschrieben und auch ihre Ruhestätte gefunden haben, ir «rai cnn T.Tt» (Möge ihr Bedienst uns für . ewige Zeiten beistehen!). Die Luft Babels macht also Alles dem Juden heilig und ehrfurchtsvoll. Wo gibt cs daher noch ein Volk, das mit solcher Pietät an sein einstiges Vaterland und an . die historischen Erinnerungen, die sich an dasselbe knüpfen, hängt, wie das jüdische? Nie hat der Grieche so Athen und der Römer so Rom geliebt, wie der Jude sein Jerusalem und dessen große Männer geliebt hat und noch heute liebt! Gerne würde ich so einen europäischen oder amerikanischen Reform-Rabbiner, der mit allen Kräften danach strebt, um nur jede . Erinnerung an Jerusalem und Zion aus dem Herzen seiner Gemeinde zu verwischen, für einige Stunden hierher, nach Babel versetzen, damit er mit eigenen Augen schaue, wie wehmüthig und thränenden Auges unsere Frommen hier, vor dem Tischgebete den Psalm 134 ko nnru by absingen. Mit welch einem Wehklagen werden nicht anr ayvn (9. Ab) hier die Klagelieder Jeremias abgelesen. Noch heute ist es hier üblich, daß der Bräutigam an seinem Hochzeitstage den erwähnten Psalm vorsingt und wie perlen ihm dann die Thraneu aus dem Auge, wenn er zu dem Verse kommt: „Wenn ich dich Jerusalem vergessen sollte, dann will ich auch meine rechte Hand vergessen wenn ich dein nicht mehr gedenken und Dich nicht an die Spitze meiner Freuden stellen sollte." Die Umgangssprache der Juden hier ist das Arabische: einige von ihnen verstehen iudeß auch das Nestorianische tAltchaldäische,) in welcher Spra-. che noch heute Nestorianer (syrische Christen) in Mesopotamien ihren Gottesdienst abhalten und in der auch ihre Glaubensbücher geschrieben sind. In dieser Sprache reden noch heute einige Kurdenstämme Mcsopotannens und schreiben sie cs anch mit besonderen Buchstaben (Eftrangela,) die von den Schristzeichen der alten Ehaldäer herstanrmkn. Der in unseren zwei Synagogen herrschende Ritus ist der sephardische, während die Predigten selbftZerftäudkch m arabischer Sprache tzattfluden. Die Tracht der Inden hier ist nicht, wie im benachbarten Anah, die arabische, sondern die rein türkisch:, wie überhaupt in HNch, das die Hauptstadt eims Paschaliks ist. ein schon feineres Leben herrscht. Hier trägt Alles den Fez, den sich auch unsere Mädchen recht hübsch oufts Haupt zu setzen wissen. Dieselben tragen auch besonders geformte Armbänder, deren Fa^on vielleicht sogar noch aus Jerusalem herftammr. An der Spitze der hiesigen Gemeinde stcht der Rösch Hakahal, der oft such vnn reM (der Fürst von Babylon) genannt wird. Sieben Ausschußmitglieder sind ihm an die Seite gegeben. Die Gemeinde besitzt nur einen Rabbiner, der abwechselnd in beiden Synagogen fungirt. Auch besitzen wir einige uralte Badehauser für Männer und Frauen, welche noch aus den Zeiten der tot tos (Gelehrten Babels) herstammen Men. Schr gerne hätte ich diesen Zeilen zugleich auch eine Beschreibung des schon erwähnten babylonischen Thurmes, der noch heute von den abendländischen Alterthumsforschern ausgesucht und bewundert wird, beigefügt, aber ich hebe mir diese Arbeit für eine spätere Zeit auf und werde Ihnen lieber dafür heute eine Wallfahrt zu dem Grabe des Propheten Ezechiel im Dorfe Tschistik schildern, damit Ihr geehrtes Lesepublikum daraus entnehmen soll, wie theuer unseren Glaubensbrüdern in Mesopotamien noch heute die Erinnerung an die Propheten und gottbegnadeten Männer Israels ist. (Schluß folgt.) SenUletoo. Der Waler. L Ein mehr als gewöhnliches Treiben herrschte in den Elysäifchen Feldern: es wurde nämlich der Salon, so nennt man in Paris die Gemäldeausstellung, eröffnet. Alles, was Interesse für die Kunst hat, strömt' heute dahin, um die herrlichen Schöpfungen der größten Meister zu bewundern. Viele, auch, die an der Kunst gerade keine Freude finden und kein Verständniß dafür besitzen, suchten aus verschiedenen Gründen die Ausstellung auf. Die Einen wollten mitreden können, wenn irgend ein Kunstwerk das Tagesgespräch bilden würde; die Andern wollten so angenehm als möglich ihre Zeit zubringen, mit der sie sonst nichts anzufangen wußten. Eine große Schaar vornehmer und eleganter Damen kam mehr, um gesehen zu werden