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Der Israelit · 1886-02-04 · Heft 10 (4.2.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 10 (4.2.1886)
Date
1886-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ÄS um Za scheu, Llld ihr Erschauen lockte wiederum «ne Marge junger und attrr Elegants beröri. Ein junger Mann, dem Nusscheu auch ein LünstLer, stand m der Ecke eines der großen Säle und folgte sät bei Hegen, irr sichtlicher Aufregung, des Strom der Beschauer. Gruppm bilderen sich vor den Gemälden der berühmten Meister. Bald entwickelte sich eine lebhafte Conversation. Die Emm waren ganz hingeriffen vor Entzücken, wahrend Andere es wagten, Worte des Tadels ansznsprechm, dabei über auf Lebhaften Widerspruch .stießen. Der junge Beobachter in der Ecke des Saales ließ erneu tiefen Seufzer vernehmen. Auch er hatte ein Gemälde ausgestellt, auf das er alle ferne Hoffnungen vereinigt hatte. Es war ein großes Wandgemälde, eine schlafende Venus darstellend. Ein ganzes Jahr hatte er unter schmerzlichen Entbehrungen, niedergedrückt von Armnth und Noch, an diesem Bilde gearbeitet. Endlich war es fertig und für die Ausstellung angenommen worden. Er hatte gchofft, daß sein Bild sofort das größte Aufschen erregen und ihn mit einem Male zum berühmten Manne machen werde. Jetzt mußte er sehen, daß es nicht die geringste Beachtung fand; man streifte es kaum mit flüchtigem Blicke und ging vorüber. Alfred Mendel hatte für die Kunst die größten Opfer gebracht. Schon in der Schule war sein. Talent zum Zeichnen von allen seinen Mitschülern bewundert worden, und deßhalb faßte er den Entschluß, sich ganz der Malerei zu widmen. Das wollte jedoch sein Vater, ein wohlhabender Kaufmann m einer großen , norddeutschen Stadt, nicht zugeben. Abraham Mendel hatte, wie sein Sohn behauptete, weder Sinn noch Verständniß für die Kunst. Es war aber etwas Anderes, was ihn veranlaßte, sich dieser Berufswahl seines Sohnes hartnäckig zu widersetzen, die Ueberzeugung nämlich, daß die Künstler meistens ein leichtfertiges Völkchen seien, die in Bezug auf Religion und Sitte einen eignen Maßstab beanspruchen. Abraham Mendel war ein streng-ftommer Jude, und der Gedanke, seinen einzigen Sohn den Gefahren eines Künstlerlebens preiszugeben, war ihm unerträglich. Schon vor Jahren war Alfteds Mutter gestorben, und so war Niemand da, der zwischen dem Harten Sinne des Vaters und dem leidenschaftlichen Wunsche des Sohnes Hätte vermitteln können. Als Alfted die Schule verließ, mußte er in das Comptoir seines Vaters als Lehrling eintreten. 3hm war es unerträglich, die Copiermaschine zu handhaben, Summen zu addiren oder Waarenballen zu bezeichnen. Eines Tages nahm er seine wohlgefüllte SpMÜme Md «rtstsh. Erging nach Düffddorf auf dir MalerakÄmme, lebte die «sie Zeit von dem rmtg^rschLeu Gelde und ernährte sich später durch Unttrrrcht im Zeichnen. So verbrachte - er öide Jahre unter der größten Entbehrungen. Semem Vater gab er kein Lebenszeichen, und dieser' kümmerte sich nicht um ihn. Seit einem Jahre lebte Alfred in Baris und widmete seine ganze Kraft dem einen Gemälde, das ihn zum berühmteu Manne hatte machen soller. _; _ Die Ausstellung war geschlossen. Rüe Zeitungen hatten über dieselbe ausführlich berichtet, gelobt und getadett, gerühmt und verkleinert; aber das Gemälde Mendels war uicht einmal einer Erwähnung werth gehatteu worden. Verzweiflung erfaßte das Herz des jungen Künstlers, alle seine Hoffnungen auf Ruhm und Anerkennung waren vernichtet. Dazu gesellte sich die Sorge um das tägliche Brod. Wovon sollte er leben, wenn er sein Gemälde nicht verkaufen konnte!» Noch ein anderer Kuuimer nagte an Alfteds Herzen. In dem Hause, m welchem sich sein Atelier befand, wohnte eine jüdische Famllie, deren Tochter, Rosette, Alfted in sein Herz geschloffen hatte. Ihr wollte er die von ihm erttäumten Triumphe zu Füßen legen. Und jetzt.... Alfted hatte sein Bild einem Kunsthändler übergeben, mit dem Aufträge, es um einen geringen Preis zu verkaufen; allein, es fand sich kein Käufer dafür. Dumpf vor sich hinbrütend, saß der junge Künstler in seinem Atelier, nicht wissend, was er nun beginnen sollte. Da klopfte es an seine Thüre, und ein älterer Herr trat ein. „Habe ich die Ehre," fragte er, „den Künstler Alfted Mendel zu sehen?" „„Alfted Mendel heiße ich,"" antwortete der Angeredete, „„ob ich aber ein Künstler bin — das möchte ich schier bezweifeln."" „Nicht doch. Sie haben ja im jüngsten Salon ein großes Gemälde , ausgestellt." „„Das aber ganz unbeachtet geblieben."" „Nicht so ganz, wie Sie meinen. Sie sehen, ich weiß davon, und auch wohl noch viele Andere. Einer meiner Freunde hat das.Gemälde aufmerksam bewachtet und wäre nicht abgeneigt .... ." „„Es zu kaufen? Ich habe dasselbe dem Kunsthändler Allemand übergebend" ■ „Ihre Voraussetzung trifft nicht zu. Mein. Freund denkt nicht daran, das von Ihnen ausgestellt gewesene Gemälde zu kaufen. Das Sujet behagt ihm durchaus nicht. Mein Freund ist Jude, wie ich; ich darf wohl voranSsetzen, auch in Ihnen, mein Herr, einen Glaubensgenossen zu sehen?"

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