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Der Israelit · 1886-02-04 · Heft 10 (4.2.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 10 (4.2.1886)
Date
1886-02-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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164 iftcn Gesetzesvorlagen erweisen. Lange wogte der Kampf, heftig platzren die Geister aufeinander, und Fürst Bismarck wie sein Vetter, der Minister des Innern v. Putt! am wer, ergriffen wiederholt das Wort. Der Reichkanzler drZeichnete die Ausweisungsmaßregcln als einen „Akt der Nochwchr" und Herr v. Puttkammer äußerte sichsogar über die Strenge, mit welcher man gegen die ausländischen Israeliten verfuhr. Ter Mnister sagte nach dem Berichte der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" Folgendes: „Nach Herrn Möller soll man ferner hart verfahren sein bei der Naturalinrung ausländischer Israeliten. Wer die Verhältnisse des Ostens kennt, weiß, daß ein großer Theil jener Leute weder social noch wirthschastlich für uns ein Gewinn ist (lebhafte Zustimmung rechts), und es ist allerdings auf Beschluß des Staatsministeriums angeordnet, daß die Naturalisation dieser Leute auf's peinlichste vor sich gehe (sehr gut, rechts), damit wir nicht Elemente bekommen, die durch Ausbeutung der Unkunde und Geschäftsunerfahrenhekt gewisser Bevölkcrungsklaffen viel mehr Schaden stiften als nützen. Es kamen auch z. B. ausländische Israeliten, die, wenn sie ihre Naturalisation nachsuchten, ihre Heranwachsenden Söhne ausdrücklich von dem Gesuch ausschlossen. Der Grund ist klar; sie wollten ihre Söhne der Militärpflicht entziehen, alle Vortheile der deutschen Staatsangehörigkeit aber für sich einheimsen und nur um Gotteswillcn dem Vaterlande keinen Dienst leisten." Wir glauben diese Ansicht über die ausländischen Juden in den östlichen Provinzen schon einmal gehört zu haben; wenn wir nicht irren, war cs in einer Rede des Hofpredigers Stöcker, welcher der preußische Minister des Innern, Freiherr v. Puttkammer, beiwohnte. Leider hat es der Herr Minister auch nicht entfernt versucht, für seine Behauptung von der „Gefährlichkeit" der ausländischen Juden irgendwelchen Beweis anzutreten. „Daß einzelne Väter bei der Naturalisation ihre Söhne ausgeschlossen haben," mag vielleicht vorgekommen sein; wir wollen ein solches Verfahren nicht vertheidigen und hätte ja die Negierung in. solchen vereinzelten Fällen das Recht gehabt, die Naturalisation zu versagen. Gehören aber in aller Welt auch die zahllosen, ausgewiesenen Eautore n und Schächter zu den reichsfeindlichen Elementen, die den Bauer aussaugen, die ihre Söhne nicht naturalisircn lassen, um sic vom Militärdienste zu befreien, deren Ausweisung nur ein „Akt der Rothwebr" ist? Haben auch jene Unglücklichen die Sicherheit Deutschlands, den Frieden des Reiches untergraben, sic, die froh find, wen» sie « Ruhe getanen werden? Nur ein Beispiel mag mm w& anführeo, und wir werden der Regierung laut zusiimmeo. Ganze Gemeinden find ihrer Eultusbeomteu beraubt, deutschen Ersatz gibt es nicht. Und weiter, gehören die vielen in Berlin und anderswo wohnenden Prediger und Gelehrte auch zu den ftaalsumftürzendcn Revolutionären, daß man ihnen consequem die Naturalisation verweigert? Es ist tief zu beklagen, daß im Abgeordneteuhause diese Darlegung des Ministers schweigend entgegeogenommen wurde. Löwe, welcher Keuntmß von diesen Thatsachen harre, schwieg und sand kern Wort der Rechtfertigung für seine Glaubensgenossen: zum ersten Male suhlte man so recht den Verlust Eduard Laster», der hier seinen Manu tapfer gestanden hätte. Berlin, 2. Februar. Herr Dr. Wilhelm Eahn, ein geborener Mainzer, Beamter im K. Preußischen Ministerium der Auswärtigen, ist zum Kaiserlichen Legationsrath ernannt worden. Ravensburg, 27. Jan. Wie dem „Oberfchw. Anz." gemeldet wird, gelang es der Besonnenheit und dem raschen Eingreifen eines Reifenden, M. Goldschmidt aus Aschasienburg, gestern Abend auf der Eisenbahnstrecke Meckenbeuren-Oberzell ein Unglück zu verhüten. Ein Mann, der in der Gegend von Riedlingen zu Hause sein ssoll, war in Meckenbeuren in den Unrechten Wagen. eingestiegen und wollte, als der Zug bereits in Bewegung war, in den Rauch-Wagen übergehen» dabei fiel er vom Trittbrett. Dies wurde von einigen im Wagen Sitzenden bemerkt. Der genannte Reisende, welcher zuerst die Nothleine ziehen wollte, aber das Fenster nicht zu ösinen vermochte, eilte heraus und sah, wie der Gefallene sich an den die Wagen verbindenden Ketten und an den Puffern krampfhaft festhielt. Mit großer Vorsicht und Aufbietung aller Kräfte gelang es ihm, den in so großer Gefahr Schwebenden glücklich aus der mißlichen Lage zu befreien und in den Wagen herein in Sicherheit zu bringen. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Krakau, 22. Januar. Der Proceß Ritter (Mord in Lutcza) wird Ende Februar vor dem Cafsationshofe verhandelt werden. Pefth, 28. Januar. In Neupesth stürzte heute um 4 Uhr Nachmittags eine Ziegelmauer im Schulzimmer der zweiten Elasse der jüdischen Volksschule ein. Einige Minuten früher war der Unterricht beendigt, und die Kinder schickten sich eben an, das Elaffenzimmer zu verlassen. Die herabstürzenden

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