Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1886)
- Date
- 1886-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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statt bst, sondern durch gesoffenen Pnvamvterrichr und durch eifriges Selbststudium sich du bedeutendes Wissen erwarb. Der Heimaegangkne war viLt nur cm tüchtiger Elemerriarlchrer, sondern er besaß auch hervorragende Kmntnrffe in der Matzemattk, in der Physik und m den Modernen Sprachen; er sprach, las und schrieb das Englische und das Französische wie seine Liuttersprache: er besaß ferner tüSLige Kenntnisse in der lateinischen Sprache und io der hebräischen Literatur. Nicht allein die Bibel und deren Commentare wußte er meisterhaft zum Verständnisse zu bringen, auch die mündliche Lehre ~ war ihm nicht verschlossen. Mehr noch als sein großes Wissen ist seine große Gewissenhaftigkeit, seine-treue Hingabe an den Lehrerberuf zu rühmen. Mit unermüdlichem gleiße lag er feinen Pflichten ob, und eine große Anzahl von tüchtigen, glanbenstrcuen Männern bezeugen durch ihr Leben und Wirken, daß die Saat, die er gesäet, zur herrlichen Frucht gediehen ist. So haben denn auch vor länger als ^Jahresfrist viele seiner ehemaligen Schüler es sich nicht nchmen lasscu, das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkcit an der obenerwähnten Anstatt festlich zu begehen und den gefeierten Lehrer mit Ehrengeschenken zu erftcuen. Der Redner wies auf die Bemerkung hin, welche die Weisen an den Ausspruch der heiligen Schrift knüpfen: - rao: OOTl ’P’TSDI JTp-,1 THID rrnr D^JCCm _ .ijn ch\yb „Die Erkenntnis lehren werden glanzen, wie der Glanz des Firmaments, und die, welche die Menge zur Tugend führen, wie die Sterne imnrer und ewig." Unsere Weisen bemerken hierzu, daß sich diese Verheißung auf die Jugendlehrer bezieht. Ihnen vor Allen ist es vergönnt, Erkenntnis Zu lehren; wer die Erwachsene belehren will, hat oft ein schweren Standpunkt; leicht aber ist es, das Gemüch der Kinder für die Wahrheit empfänglich zu machen. 'Nicht minder schwer ist es, die Erwachsenen auf den Pfad der Tugend zu führen, während die Erziehung der Kleinen zur Tugend und Gottesfurcht ein ergiebiges und fruchtbringendes Feld ist. Auch der heitere Himmel wird oft durch Wolken verfinstert; aber die Wolken werden hmweggeweht, und das heitere Blau des Firmaments erscheint stets wieder An ungetrübtem Glanze. Auch die Sterne leuchten nicht immer, aber sie kehren stets wieder, und erfreuen das' Herz des Beschauers in mancher dunklen Nacht. So ist das Leben das seinem Berufe treu ergebenen Jugendlchrers. Nicht bleibt cs verschont von heftigen Stürmen, trüben Wolken, von bitteren Erfahrungen; aber ans die Dauer kann sein Horiwnt nicht getrübt werden, und ihm leuchtet stets dcrHossnunZsstern, daß die Saat des Guten ansgchen wird. Anch der Lahingeschredene fand sein höchstes Glück in der treuen Erfüllung feines Berufes. So wird fern Angedenken seinen vielen Freunden und Schülers cm unvergeßliches bleiben, und unser Vater im Himmel wird der unsterblichen Seele des thenren Freundes in seinen lichten Höhen reichen Lohn zu Theil werden lassen. Herr Moritz Fuld wirkte eine Reihe von Jahren als Lehrer und Gememdebeamter in Bischofsheim an der Tauber. Dort fand er die treue Lebensgefährtin, die ihm fast 35 Jahre laug hilfreich zur Seite gestanden. Der in weiten Kreisen rühmiichst bekannte dortige Rabbiner Löwenftem schätzte ihn sehr hoch, und auf dessen Empfehlung hin wurde er im Jahre 1859 nach Mainz berufen, wo damals die Unterrichtsanftalt der israelitischen Religionsgescllschast gegründet wurde; hier wirkte er segensreich bis znm Ende seines Lebens. Sein Herzenswunsch, seine beiden Töchter zu vcrheirathen und die Erziehung seiner beiden Söhne zu vollenden, ist ihm erfüllt worden. Sein ältester Sohn ist der durch seine schriftstellerische Thätigkcit auf dem Gebiete der Jurisprudenz rühmiichst bekannte Rechtsanwalt, Herr Dr. Ludwig Fuld'; sein jüngster Sohn widmet sich seit 2 Jahren - dem Studium der Medici«. Im Namen der Schüler widmete Herr Siegmund Moritz von hier dem theuren Lehrer einen warm empfundenen Nachruf. Er habe, sagte der Redner, am Jubilänmsrage im Aufträge der Schüler die Ansprache gehalten und darin den Wunsch ausgesprochen, daß der Jubilar noch eine Reihe von Jahren segensreich wirken möge; im unerforschlichen Rathschlusse des Allweisen fei es anders beschlossen gewesen. Der Dahingeschiedene war ein treuer Gärtner im Garten des Ewigen Zebaoth. Die jungen Pflanzen, die er mit so großer Sorgfalt gepflegt, werden als starke Stämme den Sturmen des Lebens Widerstand zu' leisten vermögen. Die Dankbarkeit der Schüler folgt dem ihnen entrissenen Lehrer bis über das Grab hinaus. Berlin, 3l.Januar. Das preußische Abgeordnetenhaus hat nunmehr, und auch in dreitägiger Debatte, sich mit den Ausweisungen beschäftigt. Die conservativ-national-liberale Majorität des Landtages, ergrimmt über das die Regicnmgsmaßregeln vcrurtheilende Votum des Reichstags, wollte der Regierung ihr ergebungsvolles Vertrauen zu allen künftigen gegen die Polen gerich-