Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1886)
- Date
- 1886-02-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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162 dich die Krone erben lassen m dcr zukünftigen Welt. — Die Krone -vc, sagt Rabbi Herz Scheuer, hat inder Zahl 62«. und diese 620, gerade das Doppelte von 310, bezeichnen ebenfalls die „WcttmV die Gott den Frommen bestimmt hat für die zukünftige Welt. Und nun können wir gemäß der Erklärung des Rabbi Moscheh Heller sagen, daß jeder Fromme, auch der unvollkommene Fromme 310 Welten, der vollkommene Fromme aber das Doppelte, n"n"3, 620 erhält. Damit ist auch der ganze Vers erklärt: r"’ ’srra* v'wrv, für die, so Mich lieben, selbst, wenn sie nicht vollkommen sind 310, näs nrrnnjrw ober ihre Schätze werde ich (den Vollkommenen) ausfüllen, -»*n"3. 620. — Und nun gibt Rabbi Herz Scheuer eine wundervolle Erklärung dessen, was unter „Welten" hier zu verstehen sei. . Ein jedes Gottesgebot ist eine Welt, eine geistige Welt; wir haben 613 Mizwoth in der Thora und 7 rabbinische Gebote*), zusammen 620; das sind „die Welten", deren unermeßlichen Lohn Gott Seinen Frommen im ewigen Leben zu Theil werden läßt. Wir haben oben darauf hingewiesen, daß bei Erfüllung eines jeden Gottesgebotes Gedanke und Thal vereint sein müssen. Nun gibt es Fromme, die nur die Thaten thun, ohne sich von dem Gedanken. der Mizwah durchdringen zu lassen. Auch das ist wcrthvoll; denn die Hauptsache bleibt doch immer, daß die That geschieht. Wenn Jemand am Pcßach Mazzah und Maror ißt, ohne die Bedeutung dir Mizwoth zu kennen, so hat er immerhin die Mizwah erfüllt; wenn Jemand den Armen Gutes erweist, selbst' in nicht ganz lauterer Absicht, so haben doch immerhin die Armen durch ihn Hilfe und Beistand erhalten. Er aber hat seine Mizwah nur halb gcthan, die That ohne den Gedanken. — Andrerseits gibt es Fronime, die von dem Gedanken der Mizwah durchdrungen sind, sie aber nicht aussühren können. Jemand ist auf eitler Seereise, durch Stürme verhindert, am Peßachfcste, fern von bewohntem Laude, Mazzah und Maror zu essen. Nicht allein, daß Gott ihm verzeiht mss Niem dun, Gott rechnet ihm auch den Kummer, den er darob empfindet, als ross an. Oder Jemand bemüht sich, ein wohlrhätiges Werk zu Stande zu bringen, cs gelingt ihm aber nicht, so rechnet es ihm dennoch Gott als Mizwah an, rra/ye^ naiD iwnojpa n"3"p"n. *) 1) TaSVd'fU der Megillali am Purimfeste, 2) das Anzünder, der dichter am trhannkabfeste. r») das Anzünden der Labbatlichtrr, 4) ='v rVc: das lascher« der Hände, f>) ^n, bo5 Vefen dev HaUrlgebeio, 6» nrc die LeAriissprüche, 7) die r<örjchrislen über dir Sabbatgrenjr. Beide aber haben die Gottrsgebote nur halb vollbracht; der Eine die That, der Andere den Gckankeu; Beide sind cras erter trpns, unvollkommen in Bezug auf die ZusföHrnng der Mtzworh; sie haben also nur die Hälfte „der Welten" eröant; msbiy '"s p-si prs bmsrb n*3"p"n Tn? y’swirci^ "oxar daher wird Gott einem jeden Frommen, sowohl dem, der die Thareu gedankenlos vollbracht, als auch dem, bei welchem die Gedanken nicht zu Thatcu geworden, den Lohn für 620 von ihm nur HM erfüllte Mizwoth geben, also 310 Welten geben. Der vollkommen Fromme hingegen, der Gedanke« und Thaten zu vereinen verstanden, edc» mnr&txi dem wird Gott die Schätze füllen n"ny"t> ~»"n"3 srr, er wird den Lohn für. alle 620 ganz von ihm vollbrachte Gottesgebote erhalten. Und nun werden wir den im ersten Kapitel angefühten Midrasch verstehen, inpn n"3"p"n tcn td yerü rucyj nss«r nyeo .nsnn Da die Israeliten versprochen hatten, Thaten und Gedanken im Dienste Gottes'zu veremen, da beschloß Gott, Seine Majestät in ihrer Mitte thronen zu lassen. (Fortsetzung folgt). Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, 1. Februar. Am vorigen Sabbat," Paraschath Mischpatim, verschied nach kurzem Unwohlsein Herr Moritz Fuld y"j, Oberlehrer an der Unterrichrsanstalt der isr. Religionsgesellschaft dahier. Am Mittwoch war er noch in der Schule gewesen und hatte, wie gewöhnlich, den Unterricht erthcilt; am Donnerstag ließ er sich krank melden, und schon am enp rav wurde er seiner Familie und seinen zahlreichen Freunden und Schülern entrissen. Heute fand unter großer Betheiligung das Leichcnbcgängniß statt. Am Grabe widmete Herr Rabbiner D r. Lehmann dem theuren Freund und College«', mit dem er länger als 26 Jahre gemeinsam an der obenerwähnten Anstalt gewirkt hat, einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er zugleich eine kurze Lebensskizze des Dahingeschiedenen gab. Moritz Fuld wurde im Jahre 1817 in dem kleinen Orte HeinSheim an derGrenze zwischen Hessen und Baden geboren. Seine frommen Ettern widmeten ihn dem Lehrerberuf, und er besuchte das Lehrerseminar in Karlsruhe, wo der strebsame junge Manu sich nicht mit dem begnügte, was die An-