Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1886)
- Date
- 1886-02-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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151 groß« W4derstaud, der aber durch die Energie, mir der Herr Oberrabbiner die Zügel der Gemeinde in Händen hielt, me zur Geltung gelangen konnte. Leider ist es aber in diesem Jahre den Neologen gelungen durch geheime, ungesetzliche Umtriebe sich eine Stimmenmajorttät zu verschaffen und so au das Ruder des Genieindefchims zu gelangen: die gute Lache schien verloren; denn schon an der Wahl ihrer Leiter, die theils aus unfähigen, cheils aus unjüdisch lebenden Menschen bestanden, waren ihre schlimmen Absichten erkenntlich. Und leider har sich die Bcrmuthung bestätigt; denn schon bei ihrer ersten Sitzung 'sollte bcschlonen werden, den Herrn Oberrabbiner abzusctzen, ihm bei der kurz darauffolgenden Wahl eines Matrikclführers auch dieses Amt zu entziehen, um es eurem neologen Mehlhändlcr zu übertragen. Denn durch den Mimsterialcrlaß vom 23. Novenrbcr 1885, wurden alle kleinere Matrikelbczirke aufgehoben, die sich dann einem größeren Bezirke anschließ'cn, dessen Matrikelführer nach stattgehabter Wahl definitiv angestellt wird. Die Wahl des Herrn Oberrabbiners zu verhindern, wollte man eiligst in einer «Sitzung diesen seines Radbinatcs entheben, um ihm Lärm auch jedes Anrecht auf die Matrikelfuhrung abzuschneiden. Doch die Ansführürg dieses diplomatischen Streiches scheiterte an der Begeisterung der gereizten Menge. Denn hier zeigte sich, welche Beliebtheit und welches Ansehen sich Herr Obcrrabbiner Dr. Breuer in seiner 10jährigen Thätigkeit beim Volke erworben; kaum war die Nachricht verbrettet, mit welchen Absichten man umgehe, als das Volk, erbittert über dieses maßlose Vorgehen, sich in ungeheurer Menge zusannnenschäarte und mit stürmischen Rufen „Eljen (Es lebe) Dr. Breuer" die Sttaßen erfüllte und das Sitzungshaus zu erstürmen drohte. In der Sitzung selbst gelang cs dem thatkrästigen Einschriten des Herrn Adolf Löwenstein an der Spitze seiner wenigen , aber begeisterten Gesinnungsgenossen der Commission eine Abstimmung unmöglich zu machen und die ganze Sitzung zu veretteln. Trotzdem zwei Tage spater eine zweite Sitzung und zwar diesmal mit starker Polizeibewachung stattfand, ttotzdem kannte die Wuth des Volkes keine Grenzen, Männer und Frauen, Alt und Jung, selbst viele, die seither der neologen Partei angchörten, umstürmtcn wiederum mit donnernden Rufen das Hans, warfen die Fenster ein und vereitelten eine zweite Sitzung, ohne daß die Polizei.im Stande war, die aufgeregte Menge zu hemmen. Am Sonntag fand vor dem Stuhlrichter die Wahl des Matrikclführers statt, die das Schicksal der orthodoxen Gemeinde in Päpa cndgiltig entscheiden sollte. Trotzdem die Reologen Alles aufdoten, die Wahl ihres ehrwürdigen Mehlhandlers durchzusetzen, trotzdem wurde Herr Oberrabbiner Dr. Breuer mir sehr großer Majorttat gewählt und vom Stuhlrichter als lebenslänglicher Matrikclfiihrer eingesetzt. Ans mehrmaligesFragen des Stuhlrichters, wer gegen diese Wahl Etwas einzuweuden habe, wagte es Keiner der Reologen angesichts einer solchen Majorität der Gegenpartei den Mund zu öffnen und beschämt verließen sie den Saal. Nute zahlreicher Betheiligung brachte die hiesige Gemeinde ihrem allverchrten Herrn Oberabbiner des Abends einen Fackclzug, der auch durch die Anwesenheit der obersten Stödtbehörde besonders beehrt wurde. Herr Ignatz Marion, der sich um den Sieg unbeschreibliche Verdienste erworben, hielt eine feierliche, zündende Rede, sowohl in ungarischer, als auch in deutscher Sprache, worin er die Verdienste unseres Herrn Obcrrabbincrs und sein wirkungsvolle Thätigkeit glänzend hervorhob , worauf Herr Oberrabbiner seinerseits in rührenden Worten ebenfalls in ungarischer und deutscher Sprache seinen Dank ausdrücktc. Der Fackelzug nahm einen Herr-' lichen Verlaus und legte ein schönes Zeugniß ab, daß das lOjähr. Wirken unseres Herrn Oberrabbiners nicht fruchttos blieb. Möge cs ihm vergönnt sein, noch viele Jahre als Führer der hiesigen Gemeinde voranzugehcn und möge dieser Sieg der orthodoxen Judenhett in Päpa, sowie in ganz Ungarn eine Ermunterung sein, nicht zu zagen und mit energischer Macht gegen alles Gemeine und Schlechte vorzuschreiten, denn die Wahrheit muß stets siegen. “ip i:cp uruNv 'jro non. ' EIl g l a n d. London, l7. Januar. Heute Nachmittags ■' 3 Uhr fand die Einweihungsfeier — -p:n der deutschen Synagoge statt. Das Gebäude befindet sich im Spital-Square und gewährt einen sehr würdigen Anblick. — Früher befand sich die Synagoge in der Broad-Street; da jedoch, die städtischen Behörden den Grundbesitz der Gemeinde nicht länger überließen, so war letztere genöthiget, einen Neubau aufzuführen, dessen Bollendung nun zur gottesdienstlichen Weihe gelangte. Herr Samuel Montagu, (das ncucrwähltc Mitglied des Parlamentes) legte den Bollendungssiein, (crowning stone). der in Form einer Gedenktafel in die Synagogenmauer befestiget wurde. Die Feier war eine höchst erhebende und der Andrang der Mcnschcnmafse so bedeutend, daß sogar die Polizei nur mit Mühe die Ordnung herzustellen vermochte. Herr Dr. Hermann Adler,