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Der Israelit · 1886-02-01 · Heft 9 (1.2.1886) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 9 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Vertreter und Lohn unseres ehrwürdigen Chics Rabbi hielt die Emweihuugsrcde in so meistcrüafter Weise der Beredsamkeit, daß dieselbe ihren Eindruck nicht verfehlte, indem über L. 300 gespendet wurden. — Der Redner wählte den Bidclvers TTwrr TS nt zum Texte, und nach herrlichen Berrachlungen über die Glaubensprinzivien desZudenthums, erklärte derselbe u. A. die Mischna (Ende von »daß ein jeder p-s zum Lohne, seines gortcsrürchügcn Lebenswandels 310 Welten erhalte-, in der Werse, daß der Goticsstirchtige die 3l0 Wochen- . rage des Jahres ebenso der Religion weihen solle, wie die Sabbate, welche die Würze des Jenseits in sich tragen, und daß mithin das ganze Leben des pns zum Abglanz des himmlischen Glückes sich gestalte. Tr. Adler ermunterte dis arbeitende Klane des Stadtviertels, strenge den Sabbat, zu beobachten, und sicherlich werden seine ernsten Ermahnungen gute Früchte im East of London tragen. Nach Beendigung der Feier wurde ein Banker veranstaltet und Mr. Momagn hielt eine treffende Ansprache, worin er n. A. den Wunsch ansdrückte, daß der Titel „deutsche Synagoge" aushören solle, indem die Deutschen hier in London englische Bürger seien, ebenso wie auch die Portugiesen. — In der Thar hat die deutsche Synagoge in allen Einrichtungen den hier eingesührten }'b'e :n;s und batte niemals den irus aboptirt, weshalb der Vorschlag des Herrn Montag«, der Synagoge den Titel „Spital Square-Synagoguc" zu verleihen, angenommen werden sollte. Ein Mitglied des Eoüiitö's toaftirte ans den Präsidenten,Herrn H. Berliner, welchen er mit Recht als das Herz der Gemeinde bczcichnrte, dem dieselbe ihre Forteristcnz verdankte. Herr Berliner opferte Zeit und Geld, um das Zustandekommen der Synagoge zu Wege zu bringen und dessen eifrige uninteresfirtc Bemühungen wurde mit herrlichen! Erfolge gekrönt nvTr7 imDirc Tim. — Herr Dr. Friedländcr, (früherer Prediger der deutschen Synagoge), toastirte ans das Wohl des bochgechrten Chief Rabi und der Gesammt-Geistlichkcit, richtig bemerkend, daß alle Israeliten eigentlich Geistliche — cr;ro rate seien. Tie Feier endigte init den üblichen ceremonicllcn Ansprachen. Auch die Damengallerie war überfüllt; und den Ladies Montagu und Adler wurden bei ihrem Eintritte zur Synagoge Dlumenbongnets überreicht. — Aehnl ich wie bei Errichtung des Stistszelies zeichneten sch manche Ladies (Berliner, Isaaes, Bookbinder re. rc.) durch Handarbeiten und Spenden für die Synagogcn-Einnchtung besonders ans. P e r f i e n. Teheran. Zu Persien hat bisher noch nie eine Volkszählung stattgefünden; cs ist dgher unmöglich » genau anzugeben, wieviel Juden in diesem Reiche oder wenigstens hier in der Hauptstadt leben. Nach den Angaben unseres Polizeidirckrors, Grasen MorUtforre (derselbe ist ein geborener Oefterreicher und trat 1379 in den persischen Staatsdienst) sollen hier in Teheran an 2000 Juden wohnen. Dieses ist aber jedenfalls zu niedrig gegriffen. Eher dürfte unser Muchtar (Zudenmerfter), Muley Mahdi, Recht haben, welcher versichert, daß unsere jüdische Gemeinde 3000 Seelen zähle. Das hiesige Zudenvftrtel (Machalet El-Zehud) hat nämlich drei lange Gagen mit ungefähr 200 Häusern. Rechnet man nun auf jedes Hans nur drei Familien (die Inden hier leben sehr zusammengepfercht und manche Familie begnügt sich mit einem einzigen Zimmer) und auf jede Familie nur fünf Köpfe, so bat man die rüude Zahl von 3000 beisammen. Zur Zeit destchrn hier sieben Synagogen, die aber alle ein ärmliches Einkommen haben. Wie in den Synagogen Mittelasiens und Afghanistans, so gibt cs auch in den persischen keine Bänke und sitzt hier Alles, vom Muley (Rabbiner) an bis znui Ehadim (Shnagogcndiener Schames) hinab, auf dem mir Teppichen bedeckten Boden. Am (9. Ab) werden auch diese Teppiche zum Zeichen der Trauer entfernt und die Gemeinde sitzt dann auf dem nackten Boden. In den Synagogen Persiens und Mittelasiens ist es auch verpönt, dieselben in Schuhen oder" Sandalen zu betreten. Die Synagogendcsucher entledigen sich daher in der Vorhalle ihrer Schuhe und betreten dann nackten Fußes das Gotteshaus. An der Thüre der Synagoge zu Balkh am Amu- Darja hängt sogar eine Tafel mit dem Bibelvers: nsns rbp nciy nns urs oipcn bxv ifiyi bvr sin imp. (Wirf deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Erdreich) und darunter gleich dcssm Ueöersetznng inpersischer Sprache, um so jeden Besucher der Synagoge gleich an der Thüre derselben daran zu erinnern, daß er seine Fußbekleidung hier abzulcgen habe. Dadurch mm, daß man die Synagoge ohne Fußbekleidung betritt, ist cs auch möglich, daß die Andächtigen in zwei oder drei Reihen nebeneinander auf dem Boden sitzen können, ohne befürchten zu müssen, daß die rückwärtigen Rachbarn sie mit ihren Schuhen beschmutzen werden. Der Ritus in den persischen Synagogen ist durchwegs der sephardische mit nur geringen Abweichungen. Die Predigten (in den mittelasiatischen Synagogen wird immer nur am Sabbat Nachmit-

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