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Der Israelit · 1886-02-01 · Heft 9 (1.2.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 9 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Instrukteure für die begonnenen wüüärjschcn Hebungen gebe, und was noch wichtiger ist, daß man uns nicht unter die verschiedenen Armeecorps vcrrhttle, sondern unserer Legion die Unabhängigkeit laste. Der Fürst: Ich verstehe. Sie wollen Ihre Tapferkeit zeigen, und Sie haben Recht. Ihre Bitte iß gewahrt. - Ttustlben Tag erhielten wir fremdeQfficiere zu Inftmcteuren, unter andern einen, der spanisch sprach und uns sehr lieb hatte. Die Fortschritte, die wir während der Hebungen machte,'entzückten alle diejenigen, welche uns die Waste» handhaben sahen. Nach fünf Wochen besichtigte uns der Fürst Alexander von Neuem. Er zeigte sich sehr erfreut, und nachdem er uns seinen Beifall ausgesprochen hatte, sagte er: Meine Kinder, die Serben haben uns den Krieg erklärt und sind bereits in das Vaterland eingefallen. Ihr müßt nach Sofia zuückkchren. Von dort wird man Euch sagen, wohin ihr Euch begeben sollt. Um Euch zu beweisen, wie viel Vertrauen ich zu Euch habe, verspreche ich Euch, immer bei Eurer Legion zu sein. Wir kehrten nach Sofia zurück. Dort hörten wir, daß der Feind den Dragoman-Paß überschritten hätte'Imd sich'.Slivonitza näherte, welches einige Kilometer von der Hauptstadt entfernt ist. Man führte uns gegen Slivonitza,^wo Dir zwei Tage vor der Schlacht ankamcn, welche wir gewannen, indem wir die Verwirrung, des bis dahin siegreichen Heeres des Königs von Milan vollendeten. In meinem nächsten Briefe werde ich Ihnen die Thaten der)jüdischen Legion bei der Einnahme von Slivonitza und was diese Schlacht uns an Menschen gekostet hat, erzählen. £;~ Kin Wenschenkeöeii. CN;;irt von J. „Zu traurig." meinst Du vielleicht, lieber Leser, wenn Du das Folgende geleseu hast; „auch zu wahr?" möchte ich dann fragen. Mcuu Du »ach Warschau kömmst, wohne im HotelNiewcM; deutsches Hotel, es sprichtJtt»er dort Deutsch." So sagte mau mir, und ich folge gern gutes Rathschlägeu. 9llm vertzeA man aber im „Deutsche» Hotel," wie mit großen Buchstabe» vor dem Hause prangt, zwar polnisch und auch russisch, doch zufällig gerade kein Deutsch, und ich mußte froh seiu, als man mir begreiflich machte» daß es einen „Dolmetsch" gebe. Dieser ward bald herbeigebracht; ein schmutziger, aller Mann im Kaftan, der sich mir als „d'r Jtschele" vorßellle. Da ich die Stadt zu sehen begehrte und „Jtschele" sich mm als Führer erbot, machten wir uns auf den Weg. Wir käme« bald an einem großen Gebäude vorbei, von dem ich willen wollte, zu was es dient. »Bor dem Kaiser sein Chajil,"*) erwiederte Jtschele. Ich trat dem Hause naher; es trug in russischen Buchstaben die Aufschrift: „Post- und Telegraph." Als ich „Jtschele" Vorwürfe wegen seines falsche» Berichtes machte, erwiederte er: „Lieber Herr, was ist Euch der Chilek,**) was macht der Kaiser mit sein Haus?" Derartige Austritte wiederhollen sich noch oft. Nachdem wir zwei Stunden gegangen, machte Jttchtte in einem engen, schmutzigen Stadttheil vor einem etwas schöner als die anderen aussehenden Häuschen Hall. „Hier werd der Herr hineingchen," sagte er, „d'Sunn is schon lang unter." „Warum, was gibt es dort?" fragte ich. „Hier werd sich der Herr amüsircn." Ich ersuchte ihn, deutlicher zu werden, als er sich mir aber erklärt hatte, stieg mein lang verhaltener Acrger über ihn zum hellen Zorne auf. Ich griff rasch in die Tasche, warf ihm ein Paar Münzen hin, mit dem Bedeuten, sich nie wieder vor mir blicken Zu lasten. Er bat» flehte, wMde zudringlich; ich schüttelte ihn ab und ging rasch von dannen; von Weitem hotte ich noch, wie er mir: „Gott soll Euch doch seg'nen" nachrief. So war ich allein in der großen, mir vollständig fremden Stadt, deren Sprache ich nicht einmal kannte, in finstrer Nacht allein. Ich schaute nach einem Miethwagen ans, doch m dieser Gegend schien cs keine zu geben; ich frug die wenigen mir begegnenden Leute nach dem Weg oder nach einem „Jswortschik" (so heißt ein Kutscher auf Russisch), sic verstanden mich nicht. *) Zur des Kaisers Heer, das ist eine Kaserne. *•) Unterschied. '•

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