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Der Israelit · 1886-02-01 · Heft 9 (1.2.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 9 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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serer Leser zu hoch und die Arrgriffc jenes Blättchens viel zu niedrig. Bar wöchten wir im Ramm des Anstandes gegen geradezu schreckenrrregevdc Verrohung der Sprache und Ausdrucksweise protestiren, wie sie selbst das schmutzigste, giftgeträrcktestr AMemiteuorgan kaum ausznweisen hat. Der Nedakteor jenes Schmähblattes ist z. Z. noch Mitglied der B'ne Berith-Logen, die — nach ihren Statuten wenigstens — „ein Band humanitärer Liebe um alle Glandeosgevonen schlingen wollen; den Logen gehören auch zahlreiche gesetzestreue Elemente an. Wird die Großloge in Berlin zu dem "unerhörten „Betragen" ihres Herrn „Bruders" schweigen oder halt sie diese Hetzereien für ersprießlich für eine gedeihliche Fortentwickelung des Bundes? Als humoristisches Kuriosum sei noch erwähnt, daß der verehrte Herr in seiner Seelenpem u. a. der Besorgniß Ausdruck leiht, spätere gesetzestrcue Geschlechter könnten auch ihn einmal als rechtgläubig „verlästern"; wir wollen den Herrn von seiner verehrenden Sorge befreien, der Herr braucht durchaus vor der Nachwelt keine Angst zu haben, spatere gcsctzcstreuc Geschlechter werden besseres Zu thuu haben als an Rahmer und Evusorte» zu denken. Frankfurt a. M.» 28. Januar. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt gestern Abend Her Rabbiner Dr. Ehrenfeld ans Gnesen einen Bortrag über Rabbi Jchuda Hanaßi. In meisterhafter Weife, fchö-~ ner, fesselnder Sprache und mit liefern, religiösen Ernste zeichnete Redner die unvergleichliche Größe dieses Mannes, nach den drei Richtnngcn, als Lehrer, Patriarch und Mensch, welche den drei Benennungen: Rabbi, Hanaßi und Hakodansch entsprechen. Ter „Israelit" hat erst vor einiger Zeit gelegentlich der Abhandlungen über „die Spruche der Vater" eine treffliche Lebensbeschreibung des Rabbi Jehuda Hanaßi gebracht, daher muß ich mir cs versagen, auch nur in Kürze die Ausführungen des Redners wiedcrzugeben, und will nur einige Punkte besonders hcrvorhedcn. Gegenüber einem modernen Geschichtschreiber, der denr Rabbi Jehnda Hanaßi große Gnstesgaben absprechen zu müssen geglaubt hat, führt Redner zahlreiche Beispiele an, ans denen wir ersehen, daß wir in Rabbi nicht allein den Bienenfleiß bewundern müssen, mit dem er das ungeheure Material zu dem Riesenwerke der Mischna zusanunentmg, sondern mindestens ebensosehr seinen erstaunlichen Scharfsinn und seinen iiiimcnfcn Gcistcsreichrl.)»m, mit dessen Hilfe es ihm möglich gemacht wurde, die überwältigende Menge de« Stoffes zu beherrschen. zu sichten und zu ordnen. Sem Later selbst, der ÄüM Rabbi Simon III., sagte von ihm: „Mein Sohn überragt mich, wie ein Löwe erneu Schakal." Er hatte dru größten Lehrern Israels ihre Lehrwriscn abgelauscht, fie alle miteinander verglichen und ia sich zur höchsten Vollendung dargestellt, und so kam es, daß seine Zeit den Gipfel und den Höhepunkt des Thorastuvmms erlangte. Im Alter von 25 Jahren wurde er Naßi. Was ihn in dieser Würde besonders auszeichnete, das ist die uneingeschränkte Autorität, die ihm durch den freien Willen oes Synhedriums übertragen und die durch die allgemeine und spontane Unterordnung des ganzen Volkes befestigt wurde. Bei seinem Anttittc war jeder Widerstand, wie wir ihn bei einigen seiner Vor-, ganger treffen, gebrochen. Auch eine hohe allgemeine Bildung besaß Rabbi - er war der syrischen, lateinischen und griechischen Sprache mächtig und hatte bedeutende astronomische Kenntnisse. Der in seinem Hause herrschende Sinn für allgemeine Blldung erstreckte sich bis auf die Dienerschaft. Davon liefert uns eine» Beweis die im Talmud so oft genannte Magd, von der Redner nur den einen, sinnigen und poethischeu Ausspruch anführt, welchen sie den bei einem Festmahle dem Rebensaft allzusehr zusprechenden Schülern zurief: „Schon schlägt derWeinhcber auf den Boden; junge Adler regt eure Schwingen und fliehet in-eure Rester zurück.'" Was das Freund-, schaftsverhältniß Rabbi's mit dem Kaiser betrifft, sind die Gelehrten bekanntlich nicht einig, welcher Kaiser vics war, da ja verschiedene den Ramen Antonius neben ihrem eigentlichen Namen tragen. Redner neigt mit Rappoport mehr zu der Ansicht, daß es Marc Aurel war, der edle Philosoph, der große Liebe für Bildung und Wissenschaft mit Tugend und Sittenstrenge vereinigte. .Mit ergreifender, wahrhaft, dramatischer Lebendigkeit schildert Redner das Lebensende Rabbi's „um den sich Erde und Himmel stritten, bis es den Engeln des Himmels gelang, den Sieg davonzntragcn und die Bundcslade nach oben zu entführen." „Seit Rabbi", so ungefähr schloß Redner „in Beth Scheän in das stille Grab gesunken, sind I7l)0 Jahre dahin gegangen, aber das Lcrmächtniß, das er seinem Volke durch die Sammlung und Ordnung der , Mischnoch hintcrlaffcn, lebt heute, wie in den dahingtgangcncu Jahrhunderten, frisch bei uns fort. Die Regsamkeit des geistigen Lebens, das im Anschluß an diese Mischna erblühte, kann keines Menschen Zunge, keines Malers Pinsel ausreichend, schildern. In Wahrheit kann man sagen: „Die jüdische Literatur hat die jüdische Geschichte gerettet." Der wohldurchdachte mit treffendeu Erzählungen aus Talnmd und Midrasch und passende»

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