Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449609--23672-2513349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von 6 Mitgliedern ein Kapital von 3000 Kronen übergeben, mit dem Ersuchen, dieses Geld als ein Legat zu verwenden, daS seinen Namen führen soll und denen Verwendung er nach seinem Belieben bestimmen möge. Vom Znlande wie auch vom AuSlande liefen viele Glückwünsche ein, darunter vom britischen Lberrabbiner. Gebe Gott ihm noch ein langes Leben, jc^r-npn moers bp tcj&. Bulgarien. Die „Kölnische Zeitung" erklärte unlängst die auch vom Israeli t" gebrachte Mittheilung über eine den Juden im Bulgarischen Heere zu Theil gewordene Auszeichnung für erfunden. Etwas Wahres war aber doch an der Sache. Die Alliance Isr. Universelle veröffentlicht die nachfolgende zuverlässige Mittheilung: „Die bulgarischen Israeliten haben in diesem Kriege tapfer ihre Schuldigkeit gethan, die Zahl der in den Lazarethen befindlichen Verwundeten ist verbältnißmäßig sehr groß. Die israelitische Gemeinde von Schumla hat einige 20 Soldaten geliefert, die zu der activen Armee gehören und an allen Gefechten der Bulgaren Theil genommen haben. Der Bürgermeister von Schumla hat vor einer Versammlung jüdischer Notablen, die er auf der Mairiezusammeuberufen, den Patriotismus aller Bulgarischen Jsraelitn anerkannt und die Beisteuer der Israeliten von Schumla zu der nationalen Subscription erbeten, damit die armen Freiwilligen und die Verwundeten unterstützt werden. Die Anwesenden haben augenblicklich 2000 Frcs. gezeichnet. Die isr. Gemeinde zu Sofia hat auf eigene Kosten eine Ambulanz eingerichtet, die seit dem Anfang der Feindseligkeiten bis Ende des Krieges große Dienste geleistet. Sie hat 132 Verwundete und Kranke ausgenommen und verpflegt. Man hat das Werk überall gelobt. Die isr. Ambulanz hat den Besuch hochgestellter Personen empfangen, so den Herrn' Karavelof, Präsidenten des Staatsraths und seiner Gattin. Derselbe beglückwünschte die isr. Gemeinde zu Sofia wegen der großherzigen und patriotischen Gefühle, die sie bei Gelegenheit des Krieges an den Tag' gelegt, und versprach S. H. den Fürsten Alexander hiervon in Kenntniß zu setzen. Auch Herr Kennet Barrington vom Athenäum zu London, der sich in Sofia befand, hat die isr. Ambulanz besucht, und die gute Organisation derselben, sowie die von ihr geleisteten Dienste gelobt." BeyaöMNrl. Erzähümg vo» Friedrich Rott. Kornfelds Befinden besserte fich von Tag zu Tag. Die rechte Seite blieb Mar gelähmt, doch die Sprache erlangte er wieder und durste schon nach wenigen Tagen das Bett verlassen. Von Eduard und Clementine war wiederhott Nachricht cingelangr, die vierte Woche ging zu Ende, sie sollten in wenigen Tagen eintreffen. Es war in den Nachmittagsstunden eines Octobertages. Trotz der vorgerückten Jahreszeit war der Himmel sonnig und heiter. In dem Familienzimmer des Kornfeld'schen Hauses, das den Ausblick auf die weithin sich erstreckende Sttaße gewährte, waren die Fenster geöffnet. In dem einen lehnte Kornfeld luib sein Hausarzt und Freund, in dem andern der Sprachlehrer Steinhart. Frau Kornfeld war mit ihren Kindern zum Bahnhof gefahren, den heimkehrenden Sohn und ihre Schwiegertochter zu empfangen. Kornfeld hatte fich am heutigen Tage übler als feit lange befunden; er hatte eine schlaflose Nacht verbracht, die bevorstehende Ankunft des Sohnes erregte ihn allzu mächtig. Seine Frau hatte ihn deshalb nicht verlassen wollen; doch er hatte so sehnlichst gewünscht, daß sie ihre Kinder am Bahnhof empfangen solle, und da sowohl Steinhart als auch der Arzt ihr zugeredet und versprochen hatten, während ihrer Abwesenheit bei ihrem Gatten zu verweilen, hatte sie sich überreden lassen, das zu thun, was ja auch sie sehnlichst wünschte; erschien ihr doch jede Minute, wn die sie den Sohn früher umarmen konnte, nicht mit Geld zu bezahlen. Kornfelds Auftegung steigerte fich von Minute zu Minute. Die Anwesenheit des arzttichen Freundes erwies sich durchaus nicht als überflüssig, dieser hatte dem Erregten schon wiederholt einige calmirende Tropfen gereicht, während er mit Steinhart ein indifferentes Gespräch angeknüpst hatte und beide sich vergeblich bemühten, den Leidenden in dasselbe zu ziehen; sie erhielten selten eine Antwort und wenn sie eine erhielten, war sie sicher so einsilbig als möglich. Endlich vernahm man das Rollen eines Wagens, der sich denr Hause zu nähern schien; unwillkürlich lauschten Alle, Kornfeld mit angehaltenem Athem, der jähe Farbeuwechsel seines zuckenden Angesichtes machte die Freunde ernstlich besorgt.