Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. D c n t s ch l a n b. Wreschen, 2(>. Omi. Dem Dlobbiitcr Herrn Bloch fit Jarotschin ist bie Lvkal-Anfsicht über die jüdische Schule zu Zeikom, iiu ihiesige» Kreise, übertvfljjrii morde». Wie bekanntifnugiren int Negiernngs-Bezirke Pose» mir drei Mnbbmcr als Lokal- Schulinspektore» und zwar der/Obengeuannte, Herr Dr. Bäck i» Lissa und Herr 'Rabbiner Braun in Schneidemühl. Bur mehreren Jahren hatte auch die jüdische Schule zu Knrnik den damals dort amtirenden Herrn Rabbiner Dr. Jafsä zu ihrem Lukal-Schnlinspektur, welcher vor eä. fahren in Wöllstein verstarb. Ans Requisition der .Königliche» Staats-Anwallschaft zu' Gnefe» ist vor Kurzem die Reiche eines hier Bersturbenen ansgegraben und fccirf worden. Hs ist nämlich von der Mutter deS Verstorbene» die Anzeige gemacht wurden, das; ein hiesiges Gemeindemitglied ihren Sühn gesiosjeu.hnbe. Die Seeirnug der Reiche ergab durchaus leinen Anhalt zur Ilulersnchung. Die Machiuatiou l lägt denilich erblicken, wie gern einem Jndeü ein Unglück zndiltirt wird, aber der Hüter Israels lästt die Rathschläge unserer Feinde zunichte iverden. Lesterr.-Ungar. Monarchie. Koli«. Das i» Kntlenberg ersecheinende eze> chijche Vocalblait meldet ans dem benachbarten Kuli» folgende Geschichte: „Ein räthselhafter Bursall ereignete sich dieser Tage in Kuli» an der Elbe. Der bekannte Großkanfmann Kafka, dessen ausgedehnte Waaren-Niederlage sich bei der 1 alten Pust befindet, hielt in seinem Kelser einen.etwa dreizehn Jahren alten Knaben, das einzige Kind eines Bähnwächterö der Staatsbahn, eingesperrt. Als die Eltern dieses Knabe» vergeblich auf dessen Heimkehr warteten, ließen sie cs dreimal durch den städtischen Trompeter verkünden und forschten nach dem Knaben, jedoch ohne Erfolg. Am vorigen Mittwoch erschien auf einmal der Knabe ganz entsetzt zu Hause und erzählte, daß er in der» Keller eingesperrt geweseü, daß es ihm aber gelungen sei, durch eine Oeffniing herausznkriechen. Auf die Frage, wie er in dem Keller behandelt worden sei, erwiderte er, ■ er habe reichlich zu essen und zu trinken bekommen, lieber diese räthselhafte Geschichte ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden." Die Tendenz dieses läppischen Märchens ließt auf der Hand, wenn sie auch in der Notiz selbst nicht direct ausgesprochen ist. Man mag dayach den Bildungsgrad und Hnlturzustand der Leute-ermessen, deren politisches Organ sich mit der Verbreitung solcher Erfindungen des czechischen VolksgeisleS befaßt. Das Bezeichnendste bei der ganzen Aftaire besteht aber darin, daß dje Geschichte von dem eingesperrte» Baben gar nicht' so räthselhaft ist, tute das Kntlenberger Hetzblättchen behauptet. Zur Anfklärnng desselben wird »ns vielmehr anS Kolin geschrieben: Eine hiesige jüdische Hebamme, NamenS Eisner, hat als Die'nftbote eine Frau bei sich, deren dreizehnjähriger Sohn ' die ezechische Volksschule besucht. Dieser Knabe wurde vor etwa vierzehn Tagen von seiner Mutter mit Schläge» gezüchtigt, weßhalb er heimlich zu Verwandten in dem nahe gelegenen Dorfe Katzow entwich. Vor einigen Tage., kehrte er von dort wieder heim, und nun verbreitete sieh plötzlich in Kuli» das Gerücht, der Knabe sei von Inden in. einem Keller eingesperrt und ■ um einen recht fetten Bissen zu erhalten/ „,gemästet" wurden: doch sei eS ihm schließlich gelungen, durch ein Kellerloch zu entkommen. Cbtt)öol der Ursprung und Zusammenhang dieses abgeschmackten Gerüchtes deutlich genug.vorlag, wurde der allgemein geachtete Kaufmann Kafka duch vvn der städtischen Polizei vorgeladen. Als'abe/der Knabe selbst und dessen Mutter i»S Verhör genommen/ wurden, leugneten diese, daß daö Gm'icht überhaupt von ihnen ansgegange» sei. Trotzdem mar es aber in der ganzen Stadt verbreitet und . geglaubt. / Pefth, P>. Januar. TH bekannte Gelehrte Dr. Goldzieher, Privatdo/ent an der hiesige» llniversität und Sekretär der Pefther jüdischen Gemeinde, hat einen Nus als urdentlicher Piojefsor au die philosophische Fakchltät der Prager Universität erhalten, hiese hohe,Ehre aber ans Opporuinitälsrücksichlen - dankend chbgelehnt. Lemberg, 21/Januar. In der heutigen Abendsitzung des Lai/dtags beantragt, Abg. Merunoiviez bei der Post „Subventiou l von 6000fl. für die deutsch-israelitische Hauptschule in Brodp" Uebergang zur Tagesordnung. Er zählt unterschiedliche nationale Sünden auf, welche diese Lehranstalt sich zu Schulden kommen lasse. Der Leiter der Ansicht verstehe nach Versicherung des Redners kein'Wort Polnisch, und Herr v. Kallir begünstige dort die Anstellung solcher Lehrer, die der polnischen Sprache nur in geringem Maße mächtig seien. Dr. Zucker weist nach, daß fast alle vpn Merunowiez angeführten Daten unrichtig sind. Die Behauptung, daß der Landtag keinerlei Verpflichtungen gegen die Brodyer Schule habe, sei falsch, denn diesbezüglich wurde vor mehreren Jahren ein