Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1886)
- Date
- 1886-01-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449608--23659-2513335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
und Rabbiuen unter ihrer Leitung, Tendenzen zur Grundlage haben wird, denen jeder seinem Glauben ergebene Jehudi mit ganzem Herzen zustimmcn kann. Möge das neue Werk rctbt bald Boden fasten. So viel steht heute schon fest, Dr. Wise wird bei dieser Institution, wenn sie in's Leben tritt, keine Gelegenheit haben Vorlesungen zu halten. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß sich die Unzufriedenheit gegen die Hochschule in Eincinatti immer weiter ausbreiter. Zwei hiesige Gemeinden haben sich bereits zurückgezogen und andere dürsten bald dem Beispiele folgen. Das ist eigentlich die beste Antwort. Der Weise von Westen ist übrigens wieder in voller Aufregung; seinen Artikel von Nr. 2« der Debora, der in der Journalistik der gebildeten Welt sicher nicht seines Gleichen findet, ist so wutbschnanbend, daß die beste Antwort Schweigen ist. Die Hiebe der Schreiber von der Wiukelprcste, der Kimstschnorrer, der Menschen die ihre Lebensaufgabe (ganz wie der Herr Doktor) verfehlt und dergl. (wie er feine Gegner nennt) scheinen doch ihre Wirkung gehabt zu haben. Ein Kind, dem die Schläge wehe thun, wird weinen; ganz so ist es hier. Der Schluß dieses Wise'schen Artikels möge hier erscheinen; er trägt dazu bei, den Herrn bei seinen Eollegen in Europa in recht nettem Lichte erscheinen zu lasten; er schreibt: (die bisherige N.-?). jüdische Presse und die Eollegen in Europa meint er) „sie ist nicht bloS „ungezogen", „frech" und „geschmacklos", sondern auch „sittenlos", sie „lügt" wie gedruckt, wechselt ihre Farbe wie der Wind sich dreht, verläumdet oder lobhudelt wie der Pudel einen Menschen anbellt oder ihm die Stiefel ableckt, je nach „Freßnmständen" u. s. w. So schreibt der Direktor eines Nabbinerfeminars, ein Rabbi u. s. w. Nun nrtheile der Leser! — Am letzten Sabbat wurde in allen Tempeln und Synagogen dem Andenken Mendelssohns hoher Tribut gezollt. Am Effektvollsten sprach im Tempel „Ahawat Ehesed" Dr. Kohut; in trefflichen Worten zeichnete er den großen Philosophen wie und was er war. Dr. Kohnt betonte, daß das Volk Mendelssohn Gefolgschaft leistete, weil es sah, daß er kein Reformer sein wollte, der das mosaische Gesetz durch eine Revolution untergraben wolle. Denken und Handeln die heutigen Reformer (wie sie vorgeben) in dieser Weiset schloß Kohut seine Predigt, in der sich seine scharfen Angriffe gegen die Herren vom „Reformer" nicht allzu selten zeigten. — Zn den nächsten Wochen lasse ich wieder ausführlichere Berichte folgen. Zeitungsnachrichten «nd Correfpondenze». De u t f ch k a « d. Eschwege, 10. Januar. Am 2. ras? starb dahier plötzlich nach kurzem Krankenlager in seinem 73. Lebensjahre der frühere Kreisvorsteher und Mohel Herr I. G. Kahn. Die schon während feiner Krankheit bekundete Theilnahm legte beredtes Zeugniß davon ab, wie sehr der Entschlafene bei Allen, welche ihn kannten, beliebt und geachtet war; er war ein p-w rx im wahren Sinne des Wortes. Kein Gelegenheit ließ er vorüber gehe», bei welcher er nicht mit Rath und That zur Seite stand. 44 Jahre bekleidete er das Amt eines rrns und hat in dieser Zeit, nahe an 600 Kindern snp rro vollzogen. Kein Opfer scheute er, wenn es galt, eine Mohlschaft zu übernehmen, er inachte die weiteste» Reisen und opferte seine -Gesundheit. Die größten Geschenke, welche ihm geboten wurden, wies er zurück; denn nur ras wollte er es thun; bei Bedürftigen kannte seine Ausopferstngssähigkeit keine Grenzen, und bei einer solchen ras starb er. Seit einem Vierteljahre konnte er Krankheitshalber sein Haus nicht verlassen, und am 2. sollte hier eine rra rfr’s üattfinden; alles Abrathen dahinzugehen hals nichts; er fuhr hin. Nachdem das Kind znrechtgclcgt war, und der Akt vor sich gehen sollte, fühlte er sich plötzlich unwohl und wenige Augenblicke später machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende. Möge er im Jenseits den reichen Lohn finden, den der allgütige Gott seinen Frommen verheißen. Cschweiler. Eine erhebende schöne Feier vereinigte am verflossenen Sonntag, den 17 er., die Mitglieder unserer Gemeinde. Es galt das Jubiläum der 25 jährigen Amtsthätigkeit unseres ersten Vorstehers, des Herrn Ledersabrikanten Philip Stiel, festlich zu begehen. Bon einer Gemeinde, konnte man vor wenigen Jahrzehnten kaum sprechen, da nur einige Familien in unserer alten Industriestadt ansässig waren. Heute jedoch können wir mit Stolz aus ein stattliches Gemeinwesen blicken, und ist diese verhältnißmäßig rasche Entwickelung der Gemeinde nicht zum Wenigsten der trefflichen Leitung und umsichtigen Organisation, deren sich dieselbe stets erfreute, zuzufchreiben. Den Mann, der vor nunmehr 25 Jahren an die Spitze der Gemeinde berufen wurde, und der es verstand sich als Führer und Leiter zu bewähren, den Mann zu ehren, und ihm den wohlverdienten Dank zu zollen»