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Der Israelit · 1886-01-25 · Heft 7 (25.1.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 7 (25.1.1886)
Date
1886-01-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVll-Jahrgang. : . Krilagr zu Nr. 7 des Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Miefe. o Nrw-Aork, 7. Januar. Wie jeder andere Sterbliche so hat auch der Correspondent einer Zeitung das Bedürfnis der Ruhe und so möge mir der werthe Leser verzeihen, wenn ich eimge Wochen auf meinen Lorbeeren ausruhte. Stoff gab es zwar in den letzten Wochen gerade genug für meine Feder, allein da sich die Dinge, über welche ein Bericht wiffenswerth ist, allmählich entwickeln, so ist immer heute und in den nächsten Wochen noch Zeit, darauf einzugehen. Das Neueste auf dem Gebiete der jüdischen Presse, „der jüdische Reformer", von dessen Erscheinen ich jüngst kurz berichtete, hat am 1. Januar zum ersten Male seine Aufwartung gemacht. Es ist eigentlich gewöhnlich nicht gut möglich eine Zeitung nach ihrer ersten Nummer zu beurthetten, allein bei einem Organ, dessen Herausgeber so allgemein bekannt sind und dessen Erstlingsfrucht so vielen Lesestoff bietet, ist es eher möglich, eine Ansicht auszusprechen. Fast ein Dutzend englisch- und 6 deutsch bedruckte Seiten sollen allwöchentlich den Abonnenten des „jüdischen Reformer" die Reformideen der Herren, Pittsburger Confession, Kund thun und die Angriffe, die sich gegensie richten, abwehren. Wenn nian das Blatt zu seiner Collegin m Cincinatti vergleicht, ist es anständig zu nennen und wenn Dr. Köhler und Genossen in dieser Weise ihre Feder weiter zu beherrschen verstehen, so wird immerhin ein Kampf zwischen der conservativcn Presse und dem neuen Blatt sachlicher zu führen sein, wie mit dem im Schimpfen einzig dastehenden Organ des westämerikanischenWapstes. An der Spitze des . neuen Blattes stehen die Bilder von Mendelssohn, Geiger und Einhorn, und es läßt sich erklären, daß die Herren Mendelssohn, nachdem sie ihn für würdig erachtet haben, die Spitze ihres Organs mit seinen! Bilde zu verherrlichen, auch für sich in Anspruch nehmen. Es wäre verlorene Mühe, all die aufgestellten Behauptungen, . die Mendelssohn als Anhänger des Pittsburger Programms hinstcllen, die datthun, daß wenn M. heute lebte, er vollständig auf dem Standvnnkte der äußersten Reform seinen Platz suchen würde, zu widerlegen; die Werke und das Leben des großen Philosophen zeigen dein unparteiisch i Denkenden, daß er sicher der Letzte wäre, der seinen I Namen unter die Thesen schreiben würde, welche 1 die Inauguration der Untergrabung unserer heiligen Religion bilden. Mein nicht nur Mendelssohn wird von den Herren reklamirt; auch ein bedeutender Talmudist der ehemaligen Fürther Jeschibah, ein Lehrer Dr. Einhorns, wird in dieser Weife hinzustellen versucht und es wird Niemanden wundem, wenn in nächster Zeit noch andere leider zu früh verstorbenen Säulen des wahren Judenthums als Anhänger der neuen Richtung reklanrirt werden. Es ist nicht schwer, derartige Dinge zu behaupten, wenn nian sie s o beweist und es ist auch keine dankbare Aufgabe mit den Herren darüber zu rechten. Daß von den Talmudifteu der Fürther jüdischen Hochschule, der Prager Jeschiba u. s. w. keiner eine Idee hatte, daß sich Lehrer der jüdischen Religion so wett von dem Glauben ihrer Väter entfernen können, wissen die Herausgeber des „Reformer" sehr genau. Ich behalte mir vor, später einmal eingehender auf das Blatt zurückzukommen und bemerke für heute nur noch, daß der Enthusiasmus, mit dem die neue Sonne am Horizonte der jüdische» amerikanischen Journalistik begrüßt wurde, nicht sehr groß ist; in der lebte» Woche waren die Kolleginnen in New-Pork alle still. Vielleicht holen sie es bald nach und lassen ihre Ansicht über das neue Blatt hören. — '. Da ich gerade von den atnerikanischen Rabbinen sprecheso möge hier ein gutes Wort aus dem „Hcbrew Standard" Platz finden.* In früheren" Zeiten pflegte man die Frage zu stellen: „ist dieser Jude ein Rabbiner?" jetzt hört man die Frage, stellen: „ist dieser Rabbiner ein Jude?" Die Pittsburger Bewegung scheint auch die conservativen Kreise zum. Lebe» aufgerüttelt zu haben. Dr. Kohut von hier in Verbindung mit den orthodoxen Rabbinern Dr. Mendes von der hiesigen und Dr. Morais von . der.Philadelphia portugiesischen Genieinden planen die Errichtung eines jüdischen Seminars. Der Plan ist bis jetzt noch nicht viel über die Vorbesprechung hinausgediehen, allein die Energie, mit welcher die 3 Herren denselben betreiben, läßt hoffen, daß ein derarttges Institut, das nur auf conservativenl Boden gedeihen kann, recht bald das Licht der Welt erblicken möge. Die Namen Mendes und Morais bürgen dafür, daß ein Seminar zur Heranbildung von Lehrern

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