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Der Israelit · 1886-01-25 · Heft 7 (25.1.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 7 (25.1.1886)
Date
1886-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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sie in richtiger PsrimMumwg zum Best« gegeben wird, m Vabwduvg mit des Weines FcuerLast, geeignet ist, die Gesellschaft vor Lachen unter den Tisch finken zu kaffen. Möge der Almavach als Würze vieler Purim-Feierlichkeiten dienen. O. L. Jettrmgsaachnchtea «ad Corresposdeuze». Deutsch! a»L. Biagea. Ihr amerikanischer Correspoudcnt hat in feinen jüngsten Briefen über die Pittsbnrgcr 'Rabbwcr-Confereuz recht intercffante Berichte gcgegeben. Zu den Veranstaltern dieser Confcrenz, . die das „positive Judenthnm" aufheben, die Miloh abschaffen wollen 2c.stehen Köhler und Wise und als Dritter im Bunde, Sonn erschein. Der Herr Corrcspondent spricht den Wunsch aus, daß die jüdische Presse in Deutschland einmal eingehend darstelle, wer die Herren (amerikanischdeutschen Rabbiner) sind, und welche Stellung in religiöser Beziehung sie früher e'mnahmcn. Eigentlich wäre das überflüssige Mühe, da man ja den Vogel an seinen Federn kennt. Zwar scheinen die amerikanischen Rabbiner ihre Farben zu wechseln, denn die drei Freunde Köhler-Wise- Sonuenschcin waren nicht immer einig. Da liegt mir zufällig eine Nummer der „Tcborah" (Redakteur Js. M. Wise, Cincinatti) vom 8. Mai 1874 vor, worin ein Herr S.' H. Sonnenschein, St. Louis, (wohl idcntisch mit dcm^cmgen Freunde des Herrn Köhler?) seinem Freunde K., der den Sabbat' auf den Sonntag verlegen wollte, recht derb den Text liest. Er nimmt Herrn ST. mehr von der komischen, possierlichen Seite und schließt seine Erwiderung mit folgendem Satze: _ „Im Namen des ehrwürdigen, historischen L-abbat mahne ich alle Sonntagsjäger an das heilige Prophetenwort: „Eine zweifache Schlechtigkeit begeht mein Volk; mich verlassen sic, den Quell des lebendigen Wassers, nm sich Brunnen zu graben, durchlöcherte Brunnen,. die das Wasser nicht fassen!". Und heute reichen sich diese Herren brüderlich die Hand, nm das „positive Judenthnm" aufzuhcben. sind doch hat ebenderselbe Herr Wise im Jahre 1872 einen merkwürdigen Artikel in seiner „Tcborah", überschriebcn: „Das Judenthum ist unzerstörbar", worin er fragt: Was kann und was soll die Reform im Judenthnm? Sie soll nicht unter dem Rufe „dem Zeitgeist Rechnung tragend" die herrschende und launische Mode nachäffen... Die Gemeinden und Rabbiner sind nicht berufe n, das Judenthnm abzuschafscn; es ist vielmehr ihre Aufgabe und ihre heilige Pflicht dasselbe zu «hatten, p heben und zu verhNrlichen... Der jüdische Gottesdienst muß charakteristisch jüdisch bleiben, dadurch daß die typischen Gebete in der Ursprache und das Vorlesen der Thora der Haup^ bestandtherl des Gottesdienstes ausmachea." — 2w ich nun einige der Herren Rabbiner in Amerika, die von Deutschland hinüber „geflüchtet" sind, sehr gut kenne, so will ich meinerseits nicht anstehen, dem Wunsche des Herrn Correspondcuteu zu willfahren, vielleicht folgen Andere meinem Beispiele.. Sache des Correspondenten ist es aber. drüben für < die Verbreitung dieser Mittheilungcu zu sorgen.; Köhler, ein Fürthcr Kind, von sehr braven, frommen Eltern erzogen, war bis zu. seinem 16. oder 17. Jahre ein fleißiger „Bachur", der sogar zum „Chassidismus" stark Hinneigte. Und daS war sein Fehler. Er wollte immer etwas Apartes, Großes sein. Nach fünf, sechs Jahre» traf ich Herrn K. in München. Er hatte feine Universitatsstudien vollendet und eine Dissertation über „d ie Mythologie im Judenthum" geschricbcu. In dieser Arbeit wollte er den Beweis liefern, daß das Judenthnm unmöglich zu jener Zeit, wo alle Völker Götzendiener waren, allem zu der reinen Einheitsidec sich emporgeschwnngen, ja daß es keinesfalls, von seinem Ursprung an die monotheistische Idee gehabt haben könne, sondern wie alle Völker Götzendienst getrieben, demnach auch eine Götterlehre haben müsse. Und richtig! „Was der Verstand der Verständigen nicht sicht, das sieht ein einfältig kindlich Gemüth." K. bewies, daß Jakob und seine Söhnet diese Götter der alten Juden gewesen scicn.-Zugleich ent- . wickelte er solche hohe Ideen, daß auf Grund dieser Arbeit des Herrn Rabbinats-Candidatcu die königl. 1 bayerische Regierung erklärte: Ein Atheist kö n ne in Bayern kein Rabbiner werden und ließ Hern K. nicht zur Rabbinerprufung zu. K. wendete dem undankbaren Vatcrlande den Nucken, dampfte in das gelobte Land aller Europamüden in der sicheren Erwartung, dort Drüben mit offenen Armen ausgenommen zu werden. Er sah sich auch darin nicht getauscht. In Amerika war noch ein großer Mangel an akademisch gebildeten ' Rabbincn . und die kühnen, gewagten Ideen des neuen Herrn Eandidatcn waren wieder etwas Neues, ein neuer Gewinn für das „Judenthum in Amerika". Das weitere Leben und Wirken K's. kennen ja die Inden Amcrika's besser, als wir im alten Lande. Von einem andern Rabbiner, der erst vor einem Jahre nach Amerika „geflüchtet" und dort, wie ich gehört, gleichfalls sofort eine Stellung als

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