Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1886)
- Date
- 1886-01-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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gestatteten, Waffen M tragen. Schlimmer als Alles war der Verfall der religiösen Zustände. DieTdvra war in Gefahr, vergessen zu werden, weil keine Schulen eriftirten. in welchen die Jugend für sie dcrangcbNdet wurde. Da trat Samuel auf, eia Retter, Befreier, Bildner seines Volkes. Er zerbrach das Joch der Plattster und gab seinem Volke die polirische Selbstständigkeit^ zurück. Er reiste umher im ganzen Laude von Stadt zu Stadt, von Ort zu Orr und sühne die Herzen der Israelireu zu ihrem Vater im Himmel. Er errichtete Schulen allüberall und sorgte für die Heranbildung der Jugend zur göttlichen Lehre. Er sammelte die begabten Jünglinge um sich, die künftigen Propheten und Dolkslcbrer. Wie Moscheh und Aharon zusammen, wirkte Samuel allein. Er wurde der Neudegründer seiner Nation. Was wäre aus Jsrael geworden, wenn ihm nicht ein Samuel erstanden wäre? Wir sagen „rin Samuel'" denn es wäre glcichgilng gewesen, ob dieser für'den Fortbestand Israels nothwcndige große Mann ein Sohn des Elkanah und der Channah oder ein anderer war. Israel ist für den Bestand der Welt, für die Erziehung des Menschengeschlechts notwendig. Für den Bestand Israel« wiederum war das Auftreten eines Samuel uothwendig. Hätte der Sohn der Channah durch eigene, freie Selbstbestimmung sich nicht dazu quattficjrt, so wäre ein anderer Sanruel gekommen, der diese wichtige und nothwendige Wirksamkeit entfaltet hätte. — So eint sich die göttliche Vorausbcsnmmung mit der Selbstbcstimmung, mit der eigenen, freien Wahl des Menschen. Gott bestimmt voraus, das; diese oder jene Persönlichkeit auftreren und eingreisen soll in den Gang der Welt; das einzelne Individuum hat aber die Wahl, die freie Wahl, ob cs sich zu der vorausbcstimmtcn Persönlichkeit entwickeln wird oder nicht. Wäre der Sohn Elkanah's auf Abwege gerathcn, hätte er sich nicht zu dem frommen und heiligen Manne herausgebildet, der er in der That geworden, so hätte man gesagt: „das ist nicht der verheißene Samuel," und ein Anderer hätte die Jenem zugcdachte Mission übernommen. Durch diese Erwägungen wird auch eine andere schwierige Bibclstclle klargclegt. Es heißt l. B. Sam. E. l. B. 20: Und 'sie gebar einen Sohn und nannte seinen Namen Samuel, denn (sie sprach): vom Ewigen habe ich ihn erbeten, irrfrssr ^2 *2 2ni22 *22 rx jr-pni p ~£ro Nach der Analogie der Worte hätte sie den . neugeborenen Sohn Schau! von vrtjeO nennen sollen. *— Nach beut Gesagten jedoch bezieht sich drr Natne nicht ans das Wort, sondern ans eine andre, damals allbekannte Thatsache. „Weil ich," spricht Channah. „in edelster, reinster Absicht dieses Kind von Gott erbeten, deshalb habe ich die beste , Hoffnung, daß mein Sohn der Retter und Neubegründer Israels, der verheißene Samuel sein wird, und deshalb wage ich es, ihn Samuel zu nennen." Tenn bei aller fteicn Selbstbestimmung des Mensche» münen doch auch die Vorbedingungeu gegeben sei», welche die günstige Entwickelung ermöglichen. So erzählen uns die Weisen vou dem heißömige» Gebete der frommen Eltern Ahabah's. des Vaters von Raw Ada bar Ahabah, vor dessen Zeugung. Gott erhörte dieses Gebet, und Ahabah ward so beanlagt, daß er sich zu einem großen Chaßid entwickeln konnte, so daß man auf ihn sagte: rrrt» Tren» eit? „mit ewiger Liebe (schon vor deiner Geburt) habe Ich (Gott) dich geliebt." (Schluß folgt) Literarischer Bericht. Seitdem Moses Mendelssohn in de» deutsche» Juden den Sinn und das Verständniß für ihre Muttersprache wachgerufen, erfteuen sich unter uns, die wir stets bestrebt sind, von Allem den Kern zu suchen und die Schale bei Seite zu lassen, die deutschen Classiker einer besonderen Beliebtheit und selten findet man heute eine jüdische Frau oder Tochter, die nicht neben der Bibel und den Gebeten, auch ihren Schiller, Göthe, Lessing u. s. w. gründlich studirt hat. Daher gilt es in Israels gesellige» Kreisen als gut wirkendes Unterhaltungsmittel, jüdische Parodien auf deutsche Dichter zum Vorttag zu bringen. Als Hauptprodnctionsfeld dieser eigenartigen literarischen Species war von jeher Hamburg bekannt, wie uns Allen ja durch „Die Glocke" erinnerlich, ist und auch heute liegt uns wieder ein Büchlein aus Hamburg vor, das einige recht gelungene der genannten Scherze enthält. Es ist dies der bereits in zweiter Sammlung erscheinende Purim-Alm an ach, herausgegeben und verlegt von A. G old sch mi dt, Hamburg 1886. Vor allen Dingen begegnen wir in demselben einem sehr gelungenen Scherz nach Schillers Räubern, Scene I, welcher namentlich durch seinen Schluß ftappirend wirkt; die Purirn-Predigt nach Schillers Kapuziner- Predigt wird, vorgctragen, auch nicht verfehlen, das Zwerchfell und die Lachmuskeln in Betrieb zu setzen; das Lustspiel: „Purim-Abend" muß man aufführen sehen, um sich einen richtigen Begriff davon zu machen. Das Lustigste aus dem Büchlein ist die Purim-Ballade itach Göthe's Erlkönig, die, wenn —1—,0 -