Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1886)
- Date
- 1886-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXFH Jshrgaos. M V. Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Hcrausgegeben vou Dr. Lehma»« m Mainz. Montag, den SS. Januar 5646 (1886). Lerteu-e Artikel. Me göttliche Morausöestimmung und die Wlssensstelheit des Menschen. Mainz, 21. Januar. Als Elkanah, der Gemahl der Channah, nach der Geburt seines Sohnes Samuel, wieder hinaufzichcn wollte zum heiligen Tempel in Schiloh, um zu opfern dem Ewigen das jährliche Opfer und sein Gelübde, da zog Channah nicht mit hinauf, denn sie sprach zu ihrem Manne: Bis daß der Knabe entwöhnt wird, dann will ich ihn bringen, daß rr erscheine vor dem Antlitze des Ewigen, und dort bleibe bis in Ewigkeit. Und cs sprach zu ihr Elkanah, ihr Mann: Thue, was gut dünkt, in Deinen Augen; bleibe, bis Du ihn entwöhnt haben wirst; nur möge erfüllen der Ewige Seine Verheißung (1. Buch Samuel, C. 1. D. 21—-23). Die Worte Elkanahs: „Nur möge der Ewige Seine Verheißung erfüllen," erscheinen sehr dunkel; man hatte erwartet, daß Elkanah sagen würde: „Nur möge dem Ewigen das ihm geleistete Versprechen erfüllt werden.". Gott hatte ja schon die durch den Hohenpriester Eli der Channah gewordene Verheißung erfüllt, da die bis dahin Unfruchtbare einen Sohn geboren. Vergebens bemühen sich die Erklärer der heiligen Schrift, den. einfachen Wortsmn zu deuten. Rasch! führt einen Midrasch an, der hierüber und auch über die von uns gegenwärtig behandelte Frage ein helles Licht verbreitet. Der Midrasch lautet: „Rabbi Nechemja sagte im Namen Rabbi Samuels, des Sohnes von Raw Jizchak: Zu jener Zeit erscholl täglich eine Stimme vom Himmel, die Welt durchtönend und sprechend: In der Zukunft wird ein Frommer ausstehen, mib sein Name wird Samuel sein. — Jede Frau, die dann einen Sohn gebar, nannte den Namen des neugeborenen: Samuel. Und die Mtlebenden beobachteten das Thun und Lassen des Knaben und kamen bald. zu der Ueberzeugung, daß er nicht der verheißene Samuel sei. Als aber der Sohn der Channah geboren wurde und man das Thun und Lassen dieses Knaben sah, da sagten die Leute: Dies scheint der verheißene Samuel zu sein. — Hierauf beziehen sich die Worte lhlkanah's: Nur möge erfüllen der Ewige Seine Verheißung, daß nämlich dieser Sa-, muel, der von der Himmelsstimme verkündete fromme Samuel werden möge, der Lehrer,. Führer, Beglücker seines Volkes, der 'Ke Hoheit Eigenschaften - Moscheh's und Aharons in sich vereinigt. Dieser Midrasch eröffnet uns die Lösung des großen Räthsels. Wohl bestimmte Gott vorher, daß; ein Mann von den hohen Eigenschaften, der großen Wirksamkeit eines Samuel seinem Volke erstehen sollte. Bettachten wir den damaligen Zustand der israelittschen Nation. Seit beinahe vier Jahrhunderten bewohnte Israel das heilige Land. Die Geschichte der Richter erzählt uns, wie das Volk fortwährend von dem Götzendienste der umwohnenden Völkerstämme angezogen und verführt wurde. Der Sünde folgte stets die Strafe, und die Israeliten wurden von ihren Feinden geknechtet, bis ein. Befreier erschien, der die Feinde demüthigte und das Volk auf kurze Zeit zu seinem Vater im Himmel zurückführte. Bei solchen Zuständen lösten. sich die staatlichen wie die religiösen Bande. „Und es war in den Tagen, da man die Richter richtete." (Nach Baba Bathra 15 a.). Ein Jeder that, was ihm beliebte; die eingesetzten Behörden waren machtlos. An der Spitze des Volkes stand ein frommer, heiliger, aber schwacher Hoherpricster, der die eigenen Söhne nicht zu zügeln vermochte. Uebcr Israel herrschten die Philister, die dem Volke nicht einmal