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Der Israelit · 1886-01-21 · Heft 6 (21.1.1886) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 6 (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
– (sequence 27)
Language
German
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V in Elend VeikSmi&eiBden za «new menscheawurd:gen Dasein za verhelfen. T<9 allen za Tag® getretenen Bestrebungen müssen wir die sät etwa zwölf-Jahren erwachte Bau thätigkeit als die erspriesslichste Beschäftig01^ bezeichnen, welcher sich die Israeliten Jerusalems hingegeben haben. Immer deutlich« wird In Jerusalem der Segen erkannt, welchen diese Thätigkeit zur Folge hat. Aach die nichtjüdischen Einwohner Jerusalems entwickeln nach dieser Seite Inn eine eifrige Thätigkeit Theils bauen sie auf eigene Bechnung, theils mit Unterstützung ihre Glaubensgenossen im Aaslande für ihre Armen grosse and werthvolle Hauser, wodurch in den letzten Jahren, -sowohl im Inneren der Stadt, als ausserhalb derselben, and selbst in den amliegenden Dörfern, viele neue Häuser und palastähnliche Gebäude erstanden. Ausser dem unmittelbar grossen Hatzen hat diese rege Bautätigkeit auch noch unmittelbar segensreiche Folgen. Die Armenwohnungen werden dadurch billiger und in Folge dessen leichter erreichbar; viele Arme finden dabei Gelegenheit zu reichlichem Verdienst, was In dieser schweren, an brodlosen Arbeitern überreichen Zeit nicht hoch genug a,zuschlagen ist; ferner widmen sich viele «Jünglinge dem sehr lohnenden Bauhandwerke, welchem die jüdischen Bewohner Jerusalems bis auf einen verschwindend kleinen Bruchteil bis jetzt ferne gestanden; ausserdem hat diese Thätigkeit noch andere gute Folgen, welche sich der öffentlichen Besprechung zur Zeit noch entziehen, so dass die öffentliche Meinung die rege Bautätigkeit als eine erspriessliche im vollen Sinne des Wortes anerkennt ' ' - DLT Zu den schwersten Vorwürfen gegen die Bewohner des heil Landes hat stets die „Chalukah* Anlass gegeben. „Die Chalukah“, so hiess es, „habe das Gefühl der Menschenwürde in den Herzen der Juden Jerusalems ertödtet; sie* sei die Ursache, dass dietelben massig die Hände in den Schooss legen, ihre Zuversicht auf die Almosen ihrer Brüder setzen, ohne dass das Beschämende eines solchen Schmarotzertums ihnen nur zum Bewusstsein kommt Die „Chalukah* ist und bleibt der Krebsschaden unserer Brüder im heiligen Lande.* Solche Worte sind die jüdischen Bewohner Jerusalems zu huren gewohnt Für jeden Fehler, jeden Unfall und jede Zwistigkeit wird die „Chalukah* verantwortlich gemacht Man setzt sich über diese Institution zu Gerichte, aber das vom Vorurteil eingegeben« Urtheil ist voy vomehetem fertig and lautet gemeinhin: dass jene mit Stumpf and Stiel auszarotten adT / . .' Von dieser radikalen Masaregel verspricht man , sich, dass urplötzlich das Gefühl der Menschenwürde in der Brost der Juden Jerusalems erwachen würde, Jeder von ihnen werde mit Eifer and Energie arbeiten, am sich and die Seinen würdig zu ernähren. Alle würden zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft werden. So^ ungefähr stellen sich gar Viele die Wirkung der Abrogation der „Chalukah“ vor, und auf diese falsche Prämisse hin wird für letztere eifrig pl&idirt Dem ist aber in Wahrheit nicht so l Hur ein verschwindend kleiner Theil der jüdischen Bevölkerung des heil. Landes erhält von der „Chalukah“ | soviel, dass sie -— wenn auch in dürftiger Weise — ihren Lebensunterhalt damit bestfeiten können; die überwiegende Mehrzahl ist dagegen herzensfroh, wenn der auf sie entfallende Theil den Miethsbetrag repräsentirt, der nach Landesgebrauch jährlich und pränumerandQ entrichtet werden muss. Wie gerne würden alle diese Chalukahempfanger auf ihren Antheil verzichten, wenn .; man ihnen Häuser bauen würde, wenn sie nicht alljährlich, wie ein aus ihren Nestern gejagter Schwarm Vögel, Ausziehen und wandern müssten, *) ■*) Anm.d.Red. 8. den Artikel: „Umzugstermin und Wohnungsnothiii Jerusalem“ in Nr* 132d.BL; dis Sache ist aber von so grosser Wichtigkeit, dass ich hier nochmals daraut zurückzukommen .durchaus nicht für überflüssig erachte. Von den zahllosen Schreiben, die ich jüngsthin aus Jerusalem erhalten und die unisono ein trauriges Lied von der Wohnungsnoth sei hier : nur eines in getreuer Uebertragung .wiedergegeben, das um deswillen besondere Beachtung verdient, weil es von einem wirklichen ITH herrührt. Dasselbe lautet; „Euer Ehrwürden waren so barmherzig, mir 24 Francs zu senden, welche mir via Amsterdam richtig zugekommen sind. Znr rechten Zeit hat mir Ihre Güte diesen Betrag zngedacht, um fünf Menschenleben vom Hungertode zu retten, denn meine Mittel sind vollständig erschöpft. Erst kürzlich habe ich für mich und meine Familie fünfundsechzig Anbei Wohnungsmiethe bezahlt; die Mietben sind hier ungemein hoch und müssen nach hiesiger Usance auf ein ganzes Jahr pränumerando entrichtet werden. Um dies zu , ermöglichen, musste ich meinen Antheil an der „Chalnkah* ~ auf ein ganzes Jahr voraus nehmen, so dass ich jetzt von dem Nothwendigsten entblösst bin. Dabei ist die Theuerung, des ausgebliebenen Bogens halber, sehr gross. Wir haben bereits drei Fasttage gehalten, die vorgeschris neben beim Schalle des Scholar gebetet, sind aber 1

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