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Der Israelit · 1886-01-21 · Heft 6 (21.1.1886) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 6 (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
– (sequence 26)
Language
German
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— 70 ♦ 4IC» Zar Kolonisationsfrage. - - - I - Trauernachrichten an» allen Kreisen des jüdischen Volkes gelangen täglich zu unseren Ohren. In vielen (regenden, in denen unsere Glaubens« brüder sich niedergelassen, sind diese von inneren und äusseren Leiden und Drangsalen umgeben, so dass sie, ermattet von der Schicksalslast, fast zusammensinken. Die "Wohnungen Israels werden — .in den ganz und halb .barbarischen Landern — von seinen Machthabern immer mehr eingeengt Ist es ja nichts Ungewöhnliches in den Gerichtshöfen jener Länder, auf einer und derselben Anklagebank neben dein blutbefleckten eingeborenen Mörder einen Israeliten zu sehen,; welcher das schreckliche Verbrechen begangen, seinen Wohnsitz jenseits des den Juden angewiesenen „Besetzungsrayons* aufzuschlagen. , Selbst die diesem Volke in hohem Masse verliehene Zähigkeit reicht nicht aus, ihm die Kraft zu verleihen, die auferlegte Last schweigend zu tragen; selbst die Hoffnung, welche betrübte und erbitterte Gemöther aufrecht zu erhalten pflegt, auch sie droht unser Herz zu verlassen, obwohl wir stets mit vollem Hechte als ein in hervorragender Weise Gott vertrauendes Volk galten. Sehnsüchtig blickten die russischen und rumänischen Juden nach einer sicheren Zufluchtsstätte aus, nach einem Lande, wo sie ihre irdischen Güter ruhig bergen, ihre Geistesschätze ungestört pflegen und entwickeln könnten, die beide dem Untergange geweiht scheinen, wenn die Zukunft sich nicht bald günstiger für sie gestalten möchte. Wo aber könnten diese Bedauernswertlien eine sichere Zuflucht Anden? Schrecken, Schlingen und Fallen von allen Seiten. Wer den einen entrinnet, wird von den anderen umgarnt. „Als wie Jemand vor dem Löwen entflieht, und ein Bär ihn erreicht!* Aus der liebgewonnenen Heimnth vertrieben, stellen sich in der ausgesuchten Fremde Land und Leute ihnen feindlich entgegen. Ueberull nls Ausländer und Eindringlinge betrachtet, werden ihnen Netze und Fallen jeder Art gestellt; eine erfreuliche Ausnahme macht in dieser Beziehung das heilige Land. Im Lande sein« Väter findet der Israelit eine milde und gerecht denkende Verwaltung, und diejenigen Glaubensbrüder, die sich bereits dort niedergelassen, gemessen eines ungestörten Friedens. Von _ jedem Drucke befreit, vernimmt ihr Ohr keinerlei Schmach und Beschimpfung, und ihre Stammverwandtschaft mit den nichtjüdischen Bewohnern des Landes bewahrt sie vor fortwährenden höhnischen Hinweisen auf ihre „semitische* Abstammung. Gemessen aber die Bewohner des heil. Landes in Wahrheit Hube und Frieden? Wir können diese Frage aus eigener Anschauung mit gutem Gewissen bejahen. Friede und Eintracht herrschen im Lande. Trotz der aus den verschiedenen Nationalitäten und Glaubensbekenntnissen zusammenge- . setzten Bewohnerschaft herrscht gl ei ches Recht für. Alle. - ... - _ Nur eine sehr bedeutsame Schattenseite haben wir hervorzuheben: Die Arm nt h und der Mangel haben sich seit undenklicher ZelirrnTüTesem Lande eingebürgert und üben eine lähmende und erachlaffendeWirkungauf die Schaffens- und Strebenskraft unserer Bruder daselbst aus. — Es wird diesen vielfach der schwere Vorwurf gemacht, dass sie träge die Hände in den Schoos legen, sich dem Genüsse der ihnen reichlich zur fliessenden Almosen hingeben und keinen Versuch machen, sich aus ihrem armseligenZu3tandezu erheben. Wir müssen diesen Vorwurf als durchaus nicht zutreffend energisch zurückweisen. Zahlreiche Mittel haben die Israeliten Jerusalems bereite in Anwendung gebracht, um sich aus ihrer Armuth emporzuwinden. Abgesehen davon, dass der Trieb der Selbsterhaltung jeden Einzelnen mächtig dazu drängt» alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den schreklichen Hunger seiner Familienangehörigen zu stillen» haben sich im Interesse der Gesammtheit auch bereits zahlreiche, überaus wirksam eingreifende llilfs- und Unterstützungs-Vereine in Jerusalem sowohl, als in den anderen heil. Städten gebildet. Man gründete Handwerkers ob ulen» suchte den Handel zu beleben, um der Immer stärker um sich greifenden Armuth Einhalt zu thun und den ny.p II l l-r lll J I irr 1 , I .....

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