Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1886)
- Date
- 1886-01-21
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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—* 72 — Es macht den betrübeadstenEindruck, wenn maa zur Dehzrit am Ende des Miethsjahres die acnsea Umdehendea betrachtet Der Schaden, "welcher durch diesen häufigen Umzug für die Betreffenden entsteht, lässt sich kaum ermessen, ja kaum tot* stellen. Schon zwei Monate vor Ablauf des Miethsjahres beginnen die Leiden der Miether, welche aus verschiedenen Gründen gezwungen sind, allährlich die miethweise innegehabten Räume zu wechseln. Wie beschäftigungslose Lehrer sich Schüler suchen, um nicht von eifrigeren Genossen überflügelt zu werden, begeben sich unsere armen Miether auf die Wohnungssuche. Tagtäglich sieht man sie mit ihren Frauen die Stadt durchwandern, um sich nach einer passenden Wohnung umzusehen, des Abends aber kehren sie zumeist unverrichteter Dinge wieder zurück. Hier ist ihnen das Haus zu weit vom Harkte entfernt, dort birgt der Hof eine viel zu kleine Cisterne, welche unmöglich allen Hausbewohnern während des ganzen Sommers Wasser liefern kann, kurz, an jedem Hause giebt es etwas Anderes auszusetzen. Und wenn die Suchenden dann nach vielen vergeblich aufgewendeten Mühen zu dem Entschlüsse gelangen, |n ihrer bisherigen Wohnung verbleiben zü wollen, ist diese bereits anderweitig vermiethet, oder der Hausbesitzer will sie selbst beziehen. Das Ende des Miethsjahres drängt den Armen, sich eine Wohnung zu verschaffen; da er nun zumeist trotz tagelangem Umherlaufen keine passende Räumlichkeit zu finden vermag, giebt er endlich das weitere Suchen auf und verpfändet mit seinem Worte zugleich sein bestes Besitzstück auf die "leider noch nicht erhört worden. Gott möge sich unser erbarmen! Die Preise von Mehl und anderen. Lebensmitr teln sind um (36*/,% gestiegen; mein wöchentlicher Bedarf für Mehl ist dadurch auf 3 Rubel 50 Kopeken erhöht, und 12 Kopeken muss ich täglich zur Erlangung des nöthigsten "Wassers verwenden, Euer Ehrwürden vermögen aus diesen Angaben eine Vorstellung von meiner traurigen Lage za erlangen. Bis jetzt habe ich Anstand genommen, Sie zu belästigen, allein zu meinem grössten Schmerze weiss ich nicht, an wen ich mich sonst wenden, bei wem ich Zuflucht suchen soll. Durch längeres Schweigen würde ich mich und die Memigen in Lebensgefahr bringen und die schwerste Verantwortung aut mein Haupt laden, darum erlaubte ich mir, Ihuen mein Elend zu schildern. Erbarmen Sie sich meiner und meiner armen fünf Familienglieder, die in Hunger schmachten I Der Allgütige möge Sie dafür mit langem Leben beglücken, 8!v die Tröstung Zions und Jerusalems erschauen lassen, und die Segnungen Derer, deren Hunger Sie gestillt, mögen über Sie kommen. Mit demüthi'gem Danke für das Erhaltene mul mit der innigen Bitte, auch ferner meiner au gedenken, zeichnet in Hochaehtußg N. W»“. schlechteste Wohnung. Id dum derifeg desAuJ* zages herangelangt, zwingt ihn sein tjizuacischer Hmnswirth sofort, die Wohnung zu räumen, ganz ohne Rücksicht darauf, dass der bisherige Inhaber sein« neuen Wohnung diese noch nicht verlassen* hat So wird der arme Umziehende off gezwungen, in dem Hofe des Gebäudes, in welchem seine neugemiethete Wohnung sieh befindet, mitsemer Familie und seinen Mobilien unter freiem Hümmel zu übernachten, bis es dem bisherigen Inhaber seiner neuen Wohnung auszuziehen gefällt So ist der Umziehende denn — je nach seiner Ziehzeit — im Winter der Kälte und dem Regen, im Sommer der Hitze und den Insecien ausgesetzt, dabei noch in steter Angst vor drohenden Gewaltthätigkeiten von Verbrechern. — Der Umzug selbst Ist mit den grössten Schwierigkeiten verbunden, da alle Mobilien und Wirthschaftsgegenstände durch Lastträger fortgebracht zu werden pflegen, die aber gerade während der Umzugszeit am schwersten zu haben sind. Viele vergebliche Wege muss der arme Umzügler oder seine Frau machen,bis sie endlich gegen Abend einen übermüden Lastträger aufzutreiben vermögen. Dieser ladet dann auf rieh so viel er nur irgend tragen kann,, denn, wenn er auch ermattet unter seiner Last zusammenbricht und die Glas- und Töpferwaaren einer armen Familie dabei in Scherben gehen, — er muss trotzdem ungekürzt den bedungenen Lohn, erhalten» Häufig-brichtauch die Nacht während des Umzuges an, die Hausgeräthe des Umziehenden bleiben dann zur Hälfte in der alten und zur Hälfte in der neuen Wohnung, was bei dem um Seine geringe Habe besorgten Armen zu quälender Unruhe und grosser Verwirrung führt. Wir haben nur einen verschwindend kleinen Theil der Mühseligkeiten und Leiden der armen Miether in Jerusalem geschildert; wir sind wahrlich nicht im Stande, das traurige Loos derselben dem Leser vollständig aaszumalen. Was die Armen Jerusalems von der „Chalukah“ erhalten, wird vom Mietbzins und den Umzugskosten vollständig verschlungen. Wenn die vermögenden Spender ihre Spenden zum Häuser bau in Jerusalem verwenden würden, dann würde sich die Lage unserer dortigen Brüder allerdings viel günstiger gestalten. Wir wollen im folgenden Theile unserer Abhandlung zu zeigen versuchen, wie rieh dieser Gedanke verwirklichen Hesse und hoffen zuversichtlich, dass unsere Worte auf unsere für'», heil. Land warm fühlenden Leser Ihren Eindruck nicht verfehlen werden. (Schluss folgt! . ^£~z&X.:.rt.£&S£aSib'