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Der Israelit · 1886-01-21 · Heft 6 (21.1.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 6 (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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leuchteten endlich -such dem Sultan ein, und er brachte dann diese Angelegenheit im Mimsterrathe zur Sprache. Hier wagte jedoch Niemand den Marhabuts entgegenzutrcten, und so wurde der erwähnte kaiserliche Fcrman wieder zurückgenommcn. Der Kronprinz, sowie dessen jüngerer Bruder, Prinz Muley - Edris, der erst vor vier Jahren gelegentlich seiner. Wallfahrt nach Mekka, Algerien, Tunis, Malta uud Egypten besucht und somit die Gelegenheit hatte, die geachtete Stellung der Juden in diesen Staaten durch den Augenschein kennen zu lernen, und auch Mohamed Vargasch hier, sollen zwar Muley Hassan davor gewarnt haben, den Unwillen des gebildeten Europa's hcrvorzurusen, ihre Stimmen wurden jedoch von dem fanatischen Geschrei der beiden oben erwähnten Marhabnts übertönt. Jndcß, ein Wort des deutschen Kaisers oder dessen großen Kanzlers, für welche Beide der Sultan große Achtung und Ehrfurcht hegt, nicht minder aber auch ein Wort der Königin Victoria, die in Marokko sehr gefürchtet ist, würden schon genügen, um den Sultan in Betreff der Juden seines Reiches eines Besseren zu belehren und ihn wieder günstig für dieselben zu stimmen. Zwar ist auch Frankreich sehr gefürchtet in Marokko, der Sultan weiß jedoch, daß dieses Land, das jetzt seine Hände voll zu thun hat in Tonkin, Anam und Madagaskar, und das noch dazu im Innern durch die vielen dort bestehenden politischen Parteien zerklüftet ist, es gewiß der Juden Marokkos wegen zu keinem Kampfe mit diesem Lande kommen lassen und daher auch schwerlich zu deren Gunsten diplomatisch iuterveniren werde, um nicht einen Refus wcgtragcn zu müssen, was ihm in den Augen der Mohamedauer Algeriens und Tunesiens sehr schaden würde. In Marokko können daher nur Deutschland und England mit Erfolg diplomatisch iuterveniren.. weil beide Staaten dort sehr gefürchtet sind uud ein Refus des Sultans ihnen politisch gar nicht schaden würde. — Die österreichische Regierung hat sich jetzt bemüssigt gesehen, ihren bisherigen Eonsul hier, Herrn Dr. Adolf Schmiedel, seines Postens zu entheben, und an dessen Stelle einen Gencral-Eonful in der Person des Herrn Reglia-Ohmuccvics, ihres bisherigen Eonsnls in Port-Said, der der arabischen Sprache vollkommen mächtig ist, hierher zn senden. Herr Dr. Schmiedel war bisher der einzige Jude hier, der einen Eorisnlsposten bekleidete, was die Inden unserer Stadt, bei denen derselbe sehr beliebt war, mit nicht geringem Stolze erfüllte. Wie ich jedoch vernehme, bat die österreichische Regierung nnr dcßbalb Dr. Schmiedel seines Postens enthöbe«», «veil sie die Vertretung ihrer llnlerlhanen im marokkanischen Reiche in die Hand eines Diplomaten vom Jache lege» wollte, da diefcrenergifcherund rücksichtsloser austreteu kann; weiß er doch, dass hinter ihm ein Paar Kanonenboote stehen^ die, wenn es Noch chut, sogleich ibre ehernen Schlünde öffnen und mit einer weithin donnernden Stimme sprechen Limen. Dr. Schmiedel dagegen, der von Beruf Arzt ist, und nur Honorär-Consul hier war, mußte sich daher vorerst mit seinen Patienten und dann erst mit den Interessen seiner Schutzbefohlenen beschäftigen. Sein Wort machte daher keinen solchen Eindruck am Hofe in Fez, wie es das eines österreichischen General- Eonsuls nun thun wird, der im Namen und Aufträge seines Souveräns spricht. Wir hoffen jedoch, das Herr Neglia-Ohmucevics, der doch weiß, wie wohlwollend Kaiser Franz Josef über die Juden seines Reiches denkt, es hier gewiß nicht unterlaßen wird, wenn es Noch thut, der Fürsprecher Israels bei unseren Behörden zu sein und cs so dem Doppeladler ermöglichen wird, seine schützendenFittige auch über die Juden Marokko's auszubreiten. e u t H e t o n. Kehabikilirt. Erzählung von Friedrich Statt. xxvm. Rosa eilte zum Bette und neigte sich über den Kranken. ' > - „Ich glaube nicht, daß Papa schläft," wandte sie sich im Flüsterton an den Arzt, „die Augenlider zucken. Wenn ich Papa den Inhalt von Eduards Brief mittheilen dürfte, ich glaube Papa würde sofort gesund." ' „Wenn Sie freudige Nachricht nützutheilen haben, so thun Sie es unbesorgt, nur reden Sie nicht zu rasch und recht laut." Rosa neigte sich wieder über ihren Vater und ergriff dessen Hände. „Papa!" rief sie, „lieber Papa, Brief von Eduard ist gekommen. — Denke Dir nur, es geht Eduard sehr, sehr gut, er schreibt so glücklich, der Bank hat er Alles gezahlt und er ist verlobt — das heißt jetzt wird-er schon verhetrathet sein — und er hat seine Frau sehr, sehr lieb — er schreibt. Du «uiisscst sie kennen, sie hat früher hier gewohnt, sic hieß Frau vor« Kleefeld." Der .Kranke fuhr zusammen nnd schlug die Augen ans, feilte Lippen bebten, als »volle er rede»», aber man vernahm keinen Laut» doch mit dem Ausdruck fragenden Erstaunens hastete feinen Blick an der Tochter.

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