Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1886)
- Date
- 1886-01-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- : '■ - . - * 87 JettsagSsachnchte« tmb Correspovdeuze». Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Kinder sehen alles den alteren Leuten ad. So geht es auch mit dem Antisemitismus, der nun auch schon unter der Schuljugend in erschreckender Weise grassirt; vergiftend wirkt der Pesthauch des .Antisemitismus auf. das jugendliche Gemüth der Schulkinder. Gne Gerichtsverhandlung, welche neulich vor dem Wiener Erkenntnißgericht stattfand, lieferte davon einen traurigen Beweis. Mehrere Lehrbuben, welche die Gewerdschule in der Joscphsstadt besuchen, verfolgten seit einiger Zeit ihren schwächlichen jüdischen Mitschüler Michael Schapiro, wie sie bei der Verhandlung selbst eingestanden haben, nur aus dem einzigen Grunde, weil er Jude ist. Am 9. November v.J. erwarteten die jungen Antisemiten Schapiro im Schulhause und stürzten sich auf denselben, ihn mit Prügeln und Rippenstößen traktirend. Sch. zog das Taschenmesser und versetzte einem seiner Angreifer, dem Schusterlehrling Martin Pawolitsch einen Stich in die Brust. Glücklicherweise war die Wunde eine sehr leichte, so daß der Verwundete schon des andern Tags seiner gewöhnlichen Beschäftigung nachgehen konnte. Schapiro, der t 6 Jahre alt ist, wurde wegen des Verbrechens der schweren KörPerbefchädigung angcklagt. Er verantwortete sich dahin, daß er schon früher oft von seinen Mitschülern geschlagen, gestoßen und nrißhandelt worden sei. Diesmal seien jedoch 15—20 Jungen über ihn hergefallen, und in seiner Verwirrung habe er kein anderes Vertheidigungsunttel gefunden, als sich mit dem Messer zu wehren. Die Knaben hätten alle geschrien: „Der Jud muß hin werden." Zu bemerken ist, daß Sch. der einzige Jude in der Klaffe war. „Ich habe mich," erzählte der Angeklagte, »wegen der Mißhandlungen bei meinem Lehrer beklagt und dieser erlaubte mir, einige Minuten früher als die andern wegzugehen, bannt sie mir nichts thun können." Die Zeugen, darunter Pawolitsch, gaben an, daß sie Schapiro deßhalb beschimpften und prügelten, well er „der einzige Israelit in der Schule" Ist. Der Lehrmeister des Angeklagten, Goldarbeiter Leopold Singer, stellte Sch. das Zeng. niß ans,, daß er stets fleißig, ehrlich und gutmüthig gewesen sei. Auch erzählte er, daß der arme Knabe von seinen Mitschülern einmal so geschlagen wurde, daß er ohmächtig liegen geblieben ist. Der Gerichtsdos hat Michael Schapiro von der Anklage wegen schwerer Körperbeschädtgung srcigesprochen, dagegen wegen Ueberschreitung der Nothwehr zu einer Woche Arrest verurtheilt. Prag, im Januar. Wie alljährlich wurden auch Heuer an v2s n"i zur Erbauung und Belehrung der Kznp trcn statutengemäß zwei wem abgehalten. Mit der ersten, welche im Sitzung?- saalc des Vereines stattfand, wurde der Rabbiner und Religionslehrer, Herr Dr. Grün, betraut, die zweite hielt pvxp pp—i Herr Dr. Guggenheim '"2 in der Klaus-Synagoge. Beide Redner entledigten sich ihrer Aufgabe in vorzüglicher Welse. Nachdem Dr. Grün den Vortrag mit einem poetischen hebräischen Prolog eröffnet hatte, entwickelte er an der Hand des der narc 'do nhm entnommenen Textes: 121 ro’pn bv vdp tü2 gar herrliche und tiefsinnige Gedanken über die Art und Weise der Gottesverchrung und der Ausübung von n"2 in Israel. Den Glanzpunkt dieser geistvollen, mit zahlreichen Belegstellen ans Bibel und Talmud geschmückten Rede bildete jedoch die Erläuterung dör Stelle in kcv : '121 rcnyo bv twa new Dn2i necn. Die Glaubensflamme, meint der Redner, welche auf dem Altäre unseres Herzens lodern soll, müsse sein: nsar»; mit Löwcnmuth, der kein Wanken unb kein Schwanken, kein Aus- und Abbiegen kennt/ müsse der Israelit für den Glauben seiner Väter einstehen. Zweitens müsse die Glaubensflamme die Eigenschaft besitzen, daß sic sei: .im rra „lauter und lichtvoll wie die Sonne." Die Vorschriften unserer Religion können nur dann veredelnd und erhebend auf uns einwirken, wenn die richtige Erkenntniß der Gotteslehre unfern Geist erleuchtet und erhellet. Als drittes Erfordernitz für daS religiöse Feuer gilt: vco m vf, daß es Wirkliches und Greifbares an sich habe. Die Religion Israels ist eine Religion der Th at. Hier fand der Redner die Gelgenheit, die zwei groben Leuchten in mit Namen i^wzu sein, Moses Montefiore, der Ehrenmitglied unserer p"e» war, und Moses Mendelssohn. Jeder von ihnen war ein, iv und sie betrachteten die pünktliche und gewissenhafte Ausübung des praktischen Jndcnthums als die heiligste Aufgabe ihres Lebens. Wenn wir im Geiste dieser großen Männer denke» und handeln, dann werden, schloß der Redner defl ersten Theil seines Vortrages, auch die zwei anderen Eigenschaften des Feuers am Altäre in unserem religiösen Leben sich bewähren: yrh rtew „es wird verzehren das Feuchte, d. h. die Thränen des Schmerzens und des schweren Leids, indem milder Friede in unser Herz cinzieht, aber auch das Trockene, VI, der Jndisserentismns wird aus unserem Herzen