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Der Israelit · 1886-01-18 · Heft 5 (18.1.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 5 (18.1.1886)
Date
1886-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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75! i Losen gewonnen hatte. Er war darauf in feine Heimath nach Europa zurückgekehrt, hatte in Saus und Braus gelebt und bei einer nicht näher zu erörternden Gelegenheit hatte er einem deutschen Potentaten eineu Dienst von hoher Wichtigkeit erwiesen und war zum Dank in den Adclstand erhoben worden. Arthur Trefoil hatte hierauf seinen Namen germanisirt und demselben die Endsilbe.selb ange- Hangt. In Europa nannte er sich seitdem Herr von Kleefeld, doch in Amerika, wo er, wie bereits erwähnt, ein bedeutendes Handlungshaus besaß, führte er seinen früher» Namen, den Namen seiner Mrma. Nachdem Frau von Kleefeld den Entschluß gefaßt hatte, ein religiöses Leben zu. führen, hatte sie, wie gleichfalls bereits erwähnt, Frau Leah Kohn als Haushälterin und Gesellschafterin zu sich genommen, und als diese einst im Laufe des Gespräches des Zungen Mannes erwähnte, den sie vor seiner Ueberfahrt nach Ncw-Uork in der norddeutschen Hafenstadt gepflegt, hatte Frau von Kleefeld sofort den Geliebten in ihm vermuthet. Sie hatte darauf ihren Geschäftsführer beauftragt, jene Annonce in die meist gelesenen Blätter New-Iorks einrücken zu lassen, und sobald sich ein junger Mann, Namens Eduard Kornfeld, um den ausgeschriebenen Posten bewerben würde, denselben sofort zu engagiren. Als treffliche Zeichnerin hatte sie eine Bleistift- Skizze des Betreffenden hinzugeftigt, um den; alten Jamesson das Auffinden des Gesuchten zu erleichtern. Das Uebrige ist bekannt. Mrs. Trefoils Bemühungen hatten raschen Erfolg, schon nach wenigen Minuten schlug Eduard die Augen auf und wollte, eine Entschuldigung stammelnd, sich erhebe». Doch -sie ließ es nicht zu, bis sie ihm auseinandergesetzt hatte, was wir so eben berichtet. Und was nun folgte? — unsere Leser werden es leicht errathen. In dem freien Amerika macht sich das rasch. Nach wenigen Wochen feierten die Liebenden ihre Vermählung. XXVII. Herr Kornfeld rwmvr befand sich im Eomptoir der. . . . Bank und arbeitete eifrig. Er war so vertieft in seine Rechnungen, das; er nicht gewahrte, daß der Bankdtrektor, ein offenes Schreiben in der Hand, auf ihn zugekommen war und ihn angeredet batte. Einer seiner Eollegen klopfte ihm auf die Schulter. „Herr Kornfeld, der Herr Direcior spricht zn Ihnen." Der Angeredete blickte ans. er schien in den letzten 'zwei Jahren um eben so viele Jahrzehnte gealtert. „Ich bitte um Entschuldigung," sprach er in müdem Ton, „ich habe nicht verstanden, frag Sie. sägten." „Haben Sie Nachricht erhalten von Ihrem Sohne?" ftagte der Direktor. Kornfeld verneinte seufzend. „So freut es mich um so mehr. Ihnen gute Nachricht von ihm geben zu können. Ich wünsche Ihnen Glück, Herr Kornfeld, Ihr Sohn ist rehabilitirt. Ich habe so eben die damals fehlende Summe nebst Zinsen und ZinseS-Zinsen von ihm erhalten, und werde ich sofort den Staatsanwalt veranlassen, die Untersuchung zurückzuziehen." Kornfeld stieß einen Schrei aus, er schien reden zu wollen, doch die Sprache versagte ihm, nur unarttkulirte Laute kamen über seine Lippen, während ein heftiges Zittern ihn erfaßt hatte.. „Um des Himmels willen, Herr Kornfeld! Beruhigen Sie sich. Wenn ich geahnt hätte, daß die freudige Nachricht Sie in dieser Weise erregen würde —" v Doch die Zuckungen des mächtig erschütterten Mannes nahmen in erschreckender Weise zu, er schien mit übergroßer Anstrengung einige Worte zum Ausdruck bringen zu wollen, doch umsonst,' man vernahm nur ein Lallen, dann brach er bewußtlos zusammen. Der schleunigst herdeigerufene Arzt constatirte einen Schlagansall. Frau Kornfeld war zu Tode erschreckt, als ihr Gatte in nahezu hoffnungslosem Zustande, ihr rn's Haus getragen wurde. .Sie war allein mit ihrem jüngsten Kinde, Rosa war ausgegangen, einige Einkäufe zu besorgend Der Arzt und ein Bankbeamter, die die Sänfte begleitet hatten, sprächen zwar von einen; hoffentlich rasch vorübergehenden Unwohlsein, das den sonst so kräftigen Mann befallen, doch er war noch immer bewußtlos; Frau Kornfeld ließ sich schwerlich über seinen Zustand täuschen. Mit zitternden Händen half sie der Magd, nach Anordnung des Arztes das Lager für den Kranken bereiten und die schwache Frau ließ sich nicht znrückhaltcn, selbst Hand anzulegen, ihn auf dasselbe zu betten. Leichenblaß, mit fest aufeinander gepreßten Lippen, denen sich noch, keine Frage, kein Laut entrungen hatte, bemühte sie sich, dem Leidenden Erleichterung zu verschaffen. Da ward die Thür hastig anfgerlssen; mit lautem Jubel stürzte Rosa in das Zimmer. „Brief von Eduard!" rief sie, indem sie auf die Mutter zueilte und ihre Arme um sie schlang, „Mama! Mama! sieh her. Brief'von Eduard — Ich kenne seine Schrift."

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