Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1886)
- Date
- 1886-01-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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aus besonderer Vorliebe Kr den gediegenen Redner (*Tn *r$r) in solch' beträchtlicher Anzahl rechtzeitig einfauden. — Zn der That führte Dr. Adler mit eminenter Beredtsamkeit alle Momente des geistigen Wirkens wtb Schaffens Mendelssohn's vor die Seele der Zuhörer, entwarf ein getreues Bild seines edlen Charakters und seiner unerschütterlichen Anhänglichkeit für die heilige Gottcslehre und das traditionelle Judenthum und beleuchtete die Tendenz seiner ° Schriften in höchst interenauter und wistenschastlicher Weise. Trefflich schilderte der Redner die schriftstellerische Thätigkcit, die Mendelssohn unserem Herzen so theuer macht, und als er u. Ä. erzählte, daß sich der eifrige Student Moses. Dessau in Moses Maimonides Moreh vertiefte, und ihm derselbe als Impuls zum Hauptführer seines Jdeenganges diente, — zeigte Herr Dr. Adler zum nicht geringen Verwunden! der Anwesenden das Original-Exemplar des Eira miD vor, welches Moses Mendelssohn zu seinem Studium benutzt hatte. Ferner ließ der Redner nicht unerwähnt, das; die alten Rabdinen Englands — R. Hirsch und R. Saul Berlin, und R. Salomon Herschcl — (nach der Vorrede der ältesten Hcidenhcimer'schen Machsor-Ausgabe: mjnssm nv) zu den getreuen Freunden Mendelssohn's zählten. — Herr Dr. Neubauer aus Oxford sandte eine Abschrift eines-nur im Manuskript vorhandenen trefflichen Sonnettes, von Reggio zu Ehren Mendelssohn's verfaßt, welches Herr Dr. Adler übersetzte. Nach dem Schluffe der Rede, welche unbeschreiblichen Beifall erntete, trug Herr Dr. Fricdländer, Director des Jewisli College, in deutscher und englischer Sprache ein Gebet vor, welches Mendelssohn verfaßt haben soll. Tie allgemein geschätzte (nichtjüdische) Madanie Boole bemerkte hinsichtlich der „Judenhetze", daß sich die Bekenner der jüdischen Religion in unserer Zeit nur dann derselben aussetzten, wenn sie nicht im Eiutlangc mit ihren Religionsvorschristen lebten und für Nichtjudcn gelten wollten. Nachdem noch Rev. Dr. Löwe, Nev. H. Gollancz und Dr. Ehotzner gesprochen hatten, hielt der Präsident eine sehr würdevolle Schlußrede , worin er u. A. erzählte, daß er vor 12 Jahren mit seinem seligen Großonkel Sir Moses Montefiore eine Tiscuffion über Mcndelsfohn's Lebcnsgeschichtc gcpsiogcn hatte, und als Sir Moses die hingebttttgsvollc Liebe, mit welcher sein Neffe für den „gemüthlichen Philosophen" beseelt war, hochschävend anerkannte, verehrte er demselben sofort des darauffolgenden Tages die sämnltlichcn Mendtlssohn'schen Werke. Es wurde auch bcvlerkt, daß sich iu der Bibliothek unseres msn rva werchvolle, auf Mendelssohn's Werke bezügliche Handschriften befinden. Die Feier hinterließ den Eindruck, daß fiir ein solches Lebens- und Charakterbild, vom Scelenadel und der Geistesgröße umstrahlt, ein jeder Jsraelite, gleichviel ob Deutscher oder Engländer,-innerlich sich begeistert fühlt. As3 e u. ' 'gf Bokhara. Bis diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, wird der elektrische Draht Ihnen schon längst gemeldet haben, daß unser Emir Muzafar Eddin im Alter von vierundsicbzig Jahren auS dem Leben geschieden ist und daß denen Zweitältester Sohn, Prinz . Abdul-Ahad, ein noch junger Mann von zwanzig Jahren, der aber in Folge seines zügellosen Lebens schon heute den Todeskeim in-sich tragt, den Thron bestiegen hat. Ich bin nun keineswegs gesonnen, im „Israelit" die politischen Folgen dieses Thronwechsels zu erörtern, denn dazu ist ja dieses Organ nicht geschaffen; ich will blos in demselben schildern, wie sich unsere Glaubensbrüder hier während der Krankheit und nach dem Absterben dieses Fürsten, der bekanntlich ftüher, bevor ihn die Russen gedemüthigt und ihn so auch entfanatisirt hatten, für die Juden seines Landes ein wahrer Tyrann war und nur zu oft deren Blut Unschuld digcr Weise vergossen hatte, benommen, um so -zu zeigen , daß auch einem mittelasiatischen Nero gegenüber, die jüdische Nation keine Rache kennt, und immer bereit ist, ihre unschuldig hingcschlachteten Kinder und deren Blut zu^ vergessen und Alles zu vergeben. Die Krankheit Muzzasar Eddin's hatte sich gleich von allem Anfänge an, als unheilbar erwiesen. — Der Emir war im vergangenen Sominer während eines Spazierrittes außerhalb der Stadt vom Pferde gestürzt und hatte sich eine schwere innere Verletzung zugezogen — so daß ihm sein Hofastrolog, den er darum befragte, mit Leichtigkeit Voraussagen konnte, er werde keine siebzig Wochen mehr leben. Mit dem Einttitte der kälteren Jahreszeit, begann min das Leiden deS hohen Patienten sich zu verschlimmern und bald darauf verkündeten auch schon amtliche Ausrufer in den Bazars und Straßen der Stadt, daß die Tage Mnzzafar Eddin's gezählt seien und mögen daher die Gläubigen für ihn beten. Als mm unser Mulen (Rabbiner), Eacham Barnch »%■ von diesem schlimmen Zustande des Emirs hörte, so berief er die Vorsteher und Chachamim aller hier bestehenden Synagogen zu einer Berathung zusammen, in der dann beschlossen wurde, daß Früh und Abends in alten Synagogen für das erkrankte Staatsoberhaupt einundzwanzig Psaltnen reeitirt werden sollen und