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Der Israelit · 1886-01-18 · Heft 5 (18.1.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 5 (18.1.1886)
Date
1886-01-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Vorschrift sestgestellt. So wird bestimmt, welche Vorschriften nach der Zerstörung des heiligen Tempels noch in Kraft geblieben und welche nicht, welche Gesetze nur im heiligen Lande Giltigkeit haben und welche auch außerhalb desselben. Auch unsere Zeit ist reich an täglich neu auftrctcndeu Fragen. Durch die großen Erfindungen und Entdeckungen der Neuzeit Dampfkraft, Elcctricitat, Gaslicht rc. find neue Verhältnisse eingctretcn, die sobald sie unser religiöses Verhalten berühren, nach den feststehenden Normen der Thora zu regeln find. Aber die einzelne religiöse Vorschrift erscheint neu. Raw Aschi konnte z. B. unmöglich darüber entscheiden, ob eS erlaubt sei, am Sabbat durch das Telephon zu sprechen; das zu verbieten, ist den Lehrern Israels in unsrer Zeit Vorbehalten. — Unser Volk besitzt eine reiche Nesponsen-Literatur (rraiffn); in diesen sind von Geschlecht zu Geschlecht die rnVinnvrr rra^n or fea, die von Tag zu Tag neuerstehenden, den ncuerstchendcn Verhältnissen entsvrechenden Halachoth entschieden. Eine solche Entscheidung kann natürlich nur dann angenommen werden, wenn die Gottesfurcht des Entscheidenden über allem Zweifel erhaben istt Wenn die Entscheidung eines vollkommen Frommen den uns überlieferten Normen der Thora entspricht, dann nimmt nicht allein ganz Israel sie an, sondern gleichsam Gott selber. Und damit haben wir den Schlüssel zu all den oben angeführten schwierigen Talmud- und Midraschstellen. Das ist der Sinn des Ausspruches: : pm inkr» vrase enyettr nesp n"3"p"n „Der Heilige, gelobt sei Er, sagt Halacha im Namen aller unsrer Lehrer." Gott bestätigt gleichsam die religiöse Vorschrift, wie die einzelnen Lehrer sie getroffen. ynd ’3“n .ydiboi. „Da aber Rabbi Mcir ein Schüler Achers war, und die Welt glauben könnte, daß auch ein sündiger Lehrer befähigt sei, eine Halachah fcstznstellen, so bestätigt Gott eine solche nicht." Erst als Rabba bar Schila zeigt, daß das jüdische Volk wohl zu unterscheiden wisse zwischen Nabbi Mcir und seinem Lehrer, daß cs in's Volksbewnßtsein übcrgegaugen, daß Rabbi Mcir mit* das Gute und Rechte von Acher übernommen, da bestätigt Gott anch die Anssprüche des Rabbi Meir. Diese hohe Bestätigung kann aber während der Lebenszeit eines Weisen nicht rintrete»; denn mer bürgt dafür, daß derselbe aus dem rechten Wege beharret War doch auchEltscha den Abnjah einst ein geachteter Lehrer in Israel, war doch Jochanan viele Jahre lang ein frommer, heiliger Hoherpriester bis er zum Sünder, zum Saddnciier wurdet Deßhalb mußte Rabba bar Rachmeni vorher sterben, ehe er Mr Entscheidung in das himmlische Lehrhaus berufen wurde. Und nun wird es uns klar werden, weßhalb Maimonides gegen Rabba, wie wir oben angeführt haben, entscheiden durfte. Rabba gehörte, als er ire -nno rief, der Erde nicht mehr an tro trecQ *6, und die Halachah kann nur nach den uns überlieferten Normen festgestellt werden. Auch in dem Midrasch Tanchuma. mit dem wir im ersten Kapitel begonnen haben, wird uns jetzt Vieles klar werden, wie wir, f. G. im nächsten Kapitel nachweifen werden. (Fortsetzung folgt.) Amerikanische Briefe. □ New-Aork, 25. Dezember. Die Herren, die jüngst in Pittsburg tagten, haben eingesehcn, daß sie 'in dem größten Theil der jüdischen Presse Amerikas keine Unterstützung finden und deßhalb haben sie cs für gut gehalten vom l. Januar ab eine eigne Zeitung (ich glaube, dieselbe soll jüdischer Reformer heißen) herauszugeben. Wen» man nach der Abbonnementseinladung sich richten kann, dürfte das neue Organ jedenfalls in Bezug auf Vielschreibern sein Möglichstes leisten; 12 englische und 4 deutsche Seiten sollen unter Hülfe von Dr. Köhler hier, Dr. Hirsch in Chicago und Dr. Moses in Louisville allwöchentlich das Licht der Welt erblicken und uns die neuesten Offenbarungen der Leuchten der amerikanischen Reform kundthun. Nachdem eine Anzahl der College» Köhlers manche in Pittsburg lautgewordenen Aeußerungen vertuschen möchten, so ist es gut, einmal aus der Feder K.'s und seiner Freunde ihre Ansichten unvcrblüntt zu lesen und bei der Mitarbeiterschaft des Dr. Moses in Louisville ist schon manches Höhere zu erwarte». Die Speiscfrage ist ein beliebtes Thema des genannten Herrn und als genauer Kenner der Beschaffenheit des Magens und dessen Empfangsfähigkeit wird eS ihm leicht sein, in der neuen Zeitung auch für die ärztlicke Wissenschaft thätig sein zu können. WaS Dr. Wise zu dem neuen Blatt wohl sagen wird? Bisher waren seine beiden Blätter wohl die einzigen Banner der Pittslmrger Gesellschaft und jetzt die Eoncnrrenz im eignen Lager. Wenn die Herren glanden, cs stünde ihrer uenen Zeitung ein angenehmes Leben bevor, so täuschen sie sich gewaltig. Die hiesige jüdische Presse birgt bereits tüchtige Organe unter sich: welche die confervalive Seite des Inden» tlmms zn vertlreidigen im Stande ist und ganz be» sonders der „Hedrew Standard", der stets am Itu*

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