Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-01-18 · Heft 5 (18.1.1886) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 5 (18.1.1886)
Date
1886-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449606--23604-2513278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LXVL Jahrgang. M S. er Zsrr EL« KenLrat - Hrgan für das orthodoxe Judentum. Herausgegeben von Br. Lehman« in Mainz. Montag, de« 18. Jarrrrar SS46 (L88S>. Seite ob er Strittet Die göttliche Worausöestimmung und die Willensfreiheit des Wenfchen. m. Mainz, 14. Januar. Wir Haben int vorigen Kapitel die Talmudstelle, Chagiga Jod., unfern geehrten Lesern vorgeführt, in welcher berichtet wird, „daß Gott Halachoth sagt im Namen aller unsrer Lehrer mit Ausnahme des Rabbi Mett, weil dieser ein Schüler des sündigen Acher gewesen." Wir muffen zunächst verstehen, was es heißen' soll, daß erzählt wird, Gott sage Menschen Thora noch. Diese schwer verständliche Behauptung wird uns klar, wenn wir einen Vorgang in Bettacht ziehen, welcher uns Baba Mezia f. 59 a. berichtet wird. Dort wird uns von einer Meinungsverschiedenheit zwischen Rabbi Elieser und seinen Genossen erzählt in Bezug auf den sogenannten Achnai-Ofen. Vergeblich suchte Rabbi Elieser die Genoffen zur Annahme seiner Ansicht zu bewegen, bis sogar eine himmlische Sümme (vip ra) ertönte, welche bezeugte, daß die Halachah zu bestimmen sei nach Rabbi Eliescrs Urtheil. Da stand Rabbi Josua den Ehananja aus und sprach: nt, D’ora n*\ „Nicht im Himmel ist die Thora." Seitdem die Thora den Kindern Israel am Berge Sinai gegeben, haben wir nur die geschriebene und überlieferte Thora zu beachten und nach der in ihr bestimmten Normen die religiöse Vorschrift zu bestimmen. Daran kann auch eine Stimme vom Himmel nichts ändern. :b\p. N22 vn*iro «n ]*n m*.n ran ">27P Es ist das ein großer, hochwichtiger Grundsatz, welchen öiabbi Iosna bei dieser Gelegenheit ausgesprochen. Gr bezeugt die Bolllonnnenheil, die ewige Vollkommenheit und Unabänderlichkeit unsrer helligen Lehre, an deren Grundsätzen nichts geändert werden kann. — , ■narat noN3 aewp rh)jh rom; „Sie sind gestützt auf ewige Zeit, gemacht in Wahrheit und Geradheit." (Psalm 111. V. 8.) Selbst wenn Jemand käme und Wunder ver-: richtete vor unfern Augen, Wunder, die wir anstaunten und nicht zu erklären vermöchten, so wäre er dennoch nicht befugt, ein einziges Gebot der Gotteslehre außer Kraft zu setzen, ein einziges Ver-. bot auszuheben, eine einzige, religiöse Borfchrrst abzuändern. ~ Wie thöricht, thöricht sind daher die Reformrabbinen unsrer Tage, welche sich anmaßen, Vorschriften unsrer heiligen Religion nach ihrem Ermeffen oder Belieben abändern oder abschaffen zu wollen! Und wenn die Engel vom Himmel kämen und wollten am Sabbat zu arbeiten erlauben oder das Fleisch vom Schweine zu essen oder einen Ochsen zu betäuben und dann zu „schächtcn" — wir würden ihnen entgegnen: nti o’obo to, „nicht im Himmel ist die Thora," sie ist uns gegeben, und ihre Normen stehen fest für ewige Zeiten. Dieser ewigen llnveränderlichkeit der Thora gegenüber gibt es aber etwas anderes, sehr Veränderliches, und das sind die Verhältnisse des menschlischcn Lebens, veränderlich und verändert nach Maßgabe von Ort, Zeit, Nationalität, Klima rc. Nicht darf die Thora den menschlichen, überaus veränderlichen Verhältnissen armepaßt werden, wohl aber nrüffcn diese Verhältnisse entsprechend den Normen der Thora geregelt werden; daS sind rw ^72 nnnnns „Halachoth, die sich Tag für Tag erneuern." Es gibt in jeder Folgezeit Dirrge, welche die Vorzeit nicht gckamrt hat. Im Talmrrd werden gar viele solcher Verhällrrlsse besprochen» und cs wird in Bezug aus sie die religiöse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.