Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1886)
- Date
- 1886-01-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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zu unter-allen und zwar so, daß er es versteht, die Leute oft abgehalten werden, ihre Zeit im Wirths- oder Spiclhause zu vergeuden. Der Mann besucht mit seiner Frau die Vorstellung, freut sich des EcnuncS und hat hier eine Erholung von den Strapavcn seiner täglichen schweren Arbeit. Natürlich gibt es im Zuschauerraum Zuweilen recht ergötzliche humoristische Scenen; ein wackeres Ehepaar entnimmt der Tasche das frugale Äbenddrod und während die Potiphar sich Mühe gibt Joseph zu verführen, knallt der Stöpsel einer Flasche Sodawasser, die dem Ehepaar das Mahl würzen soll. Die Töne des Beifalls sind nicht minder unterhaltend und die Beifallsbezeigungen gehen oft so weil, daß eine beliebte Soubrette eine Orange zu ihren Füßen fallen sieht. Im Großen und Ganzen ist das Publikum aber recht nett und dankbar. Was die Leistungen bctnfft, so sind bei der Gesellschaft recht gute Kräfte. Der jüdisch-deutsche oder jüdisch-russische Dialekt ist vorherrschend, wenngleich auch ziemlich viel hochdeutsch gesprochen wird. Die Melodien in den einzelnen Stücken sind lieblich und werden in den Sttaßen vielfach nachgepfiffen und getrillert. Wenn die Gesellschaft weiter so vrosperirt, dürfte bald New-Mrk ein großes „russischjüdisches" Theater besitzen; ein weiterer Fortschritt der internationalen Großstadt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a u d. - München, ll. Januar. Oft genug kann man in allen Blättern Berichte aus unserer frohen und kunstreichen Stadt finden, doch wer etwas über „die Frommen" in München erfahren wollte, der dürste wohl lange Zeit, vergeblich gesucht haben. Die Gemeindcverhältnisse der orthodoxen Israeliten dahier, wenn ich überhaupt von Gemcindeverhältniffen reden darf, sind äußerst verwickelt; dieselben anseinanderzusetzcn will ich mir auf eine andere Gelegenheit verspüren, und diesmal nur erwähnen, daß sich hier vor vielen Jahren die orthodoxen Israeliten zu einem „Frommen-Bereine" zusammengethan, der auch sehr erfreulich wirkte. Nun aber ist dieser Verein mit einem Löohllhäligkeits-Verein verbunden, und diesen Umstand nahmen viele Ncologen wahr und traten ein; wie man meint, ans keinem anderen Grunde, als nm die Frommen bei jeder Gelegenheit zn überstimmen und in ihrem Handeln zn hemmen. Dies schien ihnen anch nnr zu wohl zn gelingen; denn als vor vier Jahren 'Mior Fischer, der frühere hiesige Vereins-An llinter anderen Verhältnissen würde man I ,* fromme Rad- Inner" sagen) aus feiner Stelle schied, sahen sich die ursprünglichen Gründer einer vierfachen Majorität gegenüber. Aus dem Vereine auszuscheiden nnd einen neuen Verein zn begründen, hieße von vorn beginnen, hieße Alles ausgeben, was eine jahrzehntelange Mühe nnd Arbeit errungen. Die Lage war eine kritische. In ihrer Machtlosigkeit gelang es wenigstens den guten Elementen des Vereins durchzusetzen, daß kein Mann berufen wurde, der ihren Intentionen nicht entsprach. Doch so konnte es nicht weiter gehen. Der Mangel war ein allseitig zu fühlbarer geworden, als daß man länger nnthätig hätte verharren dürfen. Und so schritt man denn mit frischem Muthe zum Kampfe. Einige höchst stürmische Generalversammlungen wurden abgehalten; zu einem definitiven Resultate sind sie nicht gekommen. In dieser Noth schlossen sich einige tüchtige, thatkräftige Männer — sie zn nenne» verbietet mir ihre Bescheidenheit — aneinander und einigten sich dahin, aus eigenen Mitteln einen frommen Mann zu berufen. Die Wahl fiel auf den, Ihren geschätzten Lesern durch viele vortreffliche Artikel wohlbekannten H e r nt Doktor Heinrich Ehre nt reu, Schwiegersohn des Herrn Hirsch, Oberrabbiner zu Prag.. Herr Dr. Ehrentreu nahm in guter Hoffnung die dargebotene Stelle, in welchem sich ihm ein 'so reiches Feld der Wirksamkeit bietet, an; und er sollte sich nicht getäuscht haben. Ein solch ernstenergisches Vorgehen verblüffte die Gegner auf das Aeußerste,. und in der jüngst abgehaltenen, abermaligen Generalversammlung wurde, allerdings auch erst nach heftigem Kampfe, Herr Dr. Ehrentren, der sich in der kurzen Zeit seines Hierseins, durch sein tiefes Wiffcn, als auch durch die angenehme Art, dasselbe Anderen mitzutheilen, die allgemeine Sympathie in hohem Grade errungen hatte, gewählt. Es ist dies ein Sieg der Orthodoxie, dessen Bedeutung weit über das Weichbild Münchens hinausgeht, indem nicht allein Bayern das Vorbild der Hauptstadt stets vor Augen hat, sondern auch Württemberg sich vielfach nach dem Beispiele Münchens zu richten pflegt. Jenen Männern aber, die Solches vollbracht, sagen wir im Namen der ganzen Orthodoxie unseren herzlichsten Dank. Der Lohn für solche Thaten, die der innersten tteberzeugung entsprangen, wird nicht ansbleiben; doch vufcit wir ihnen auch zu, nicht bei dem Errungenen zn beharren, sondern kühn voraiistlschreiten zu neuen Kämpfen und, so Gott will, zn netten Stegen. i WÜrzburg, 4. Januar. Roch ist die Wunde nicht pmiiilbt, die der Tod des Burgpreppachcr