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Der Israelit · 1886-01-14 · Heft 4 (14.1.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 4 (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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58 TerMann trägt einen ausKameelhaareu angefertigten Rock, während ein Tuch seine Hüften, und Sandale» oder farbige arabische Schuhe seine Füße bedecken. In der Stadt gehen die Juden zwar unbewaffnet; müssen sie aber auf's oder über's Feld gehen, so legen sie sogleich ihre Waffen, Schwert und Flinte au, um sich so gegen Mensch und Thier, wenn eines von Beiden sie anfällt, gehörig vertheidigen zu können. Dabei sind aber die Juden Pumbetithas auch streng religiös und dauert ihr Morgengebet (Schaharith) an Wochentagen gewöhnlich drei, am Sabbat und Festtagen dagegen sogar vier Stunden. In Bagdad, wo es doch auch fromme Juden gibt, dauert das Morgengebet nie länger als anderthalb Stunden. Wir wollen rum (mit Andacht) beten, sagen dieJudenPumbeditha's. Ja,inPumbcditha hat man Zeit, sagen wieder die Bagdader Juden, wir aber müssen an unsere Geschäfte gehen. Und in derThat haben die Juden Pumbeditha's Zeit, recht viel Zeit. Ihre Beschäftigung besteht nämlich größtcnthcils darin, ihre Dattelbäume zu pflegen, ihren Gemüsegarten zu bestellen und ihr Vieh (Kamecle, Schafe und Ziegen) zu füttern. Ist diese dreifache Arbeit, die übrigens nicht viel Zeit in Anspruch nimmt, da die Söhne und Töchter des Hauses stets mithclfen müssen, besorgt, dann greift der Hausherr zum Zeitvertreibe nach der Spindel oder er treibt das Spinnrad und sorgt so für den nöthigen Kleiderbedarf seiner Familie. Eine Ausnahme von dieser Lebensordnung machen die wenigen Handwerker (Schmiede, Schlosser, Schuhmacher u. s. w.), die sich unter den Juden Pumbeditha's vorfinden, da sie gewöhnlich den ganzen Tag hindurch an der Arbeit sind. Die Bagdader Juden, die schon an das großstädtische Leben gewöhnt sind, sagen daher von ihren Glaubensbrüdern in Pumbeditha, daß sie das genügsamste Völkchen der Erde bilden. Aber auch die jüdischen Frauen Pumbeditha's schaffen sehr wacker für das Haus und treiben eifrig das Spinnrad, das in keinem jüdischen Hause dort fehlen darf, ebenso wenig wie die Nähmaschine in einer europäischen Familie. Von den jüdischen Frauen Pumbeditha's heißt es aber auch: r.&v lWo findet sich das biedere Weib?). Denn kaum haben dieselben für die Aetzung deS Hanfes gesorgt, so ziehen sic sich mit ihren Töchtern in das Haremlik (Fraueligtiuach) zurück, wo sie dann wieder waschen, nähen, flicken und spinnen. Die jüdischen Frauen in Deutschland werden es gewiß nur mit Neid vernehmen, daß auch ihre Schwestern am Euphrat nnd Tigris ein vortrcfflichts „Schalet" znznbereiten wissen, nur nennen diese cS: Hamin, ren, Gewärmtes: Als Schaletafen dient gewöhnlich ein Haufen glühender Kohlen. Daß man schon im Hause des Rosch-Galuth (Exilarckea) am .Baifiat Schotet gegessen hat. dürfte daher sehr leicht zu beweisen sein. Während der Mahlzeit fitzt der Mann mit seinen Söhnen allein bei Äsche (gewöhnlich aber fitzt man auf einem Teppiche), wahrend die Frau mit den Töchtern wieder auf der Flur bei der Thür sitzt und hier sorgsam auf die Wünsche des Familienoberhauptes achtet. Es ist dies einmal orientalische Sitte, der sich auch die jüdische Frau füge» muß. Die jungen Leute verheirathen sich in Pumbeditha sehr früh, und dreizehnjährige Bräute oder vierzehnjährige Ehemänner sind dort gar nicht selten, denn mit einem wöchentlichen Einkommen von nur 25 Piastern (etwa 5 Mark) kann man dort schon eine Familie anständig ernähren. Falls sich ein junger deutscher JsraeW um die Hand einer Tochter Pumbeditha's bewerben wollte, so bitte ich, dies schnell zu thun, so lange noch der Winter dauert, denn im Sommer existrrt keine Postverbindung mit diesem Städtchen (echte türkische Zustände!) und müssen dann die Punwedithaner ihre Briefe nach dem acht Tagereisen entfernten Bagdad senden, um sie von dort ans per Post weiter befördern lassen zu können. Der schon mehrmals unternommene Versuch, auf dem Euphrat einen Dampfschiffsverkehr herzustellen, mußte stets wieder aufgegeben werden, da die vielen Klippen in diesem Flusse die Ausführung eines solchen Vorhabens nicht gestatten. Der Verkehr mit Pumbeditha wird nur mittels Karawanen bewerkstelligt, und kann man daher sehr oft eine kleine jüdische Karawane längs des Euphrats nach Bagdad oder Aleppo ziehen sehen. ... F e u i I I t t o tt. HleyavMttrl. Erzählung von Friedrich Rott. XXV. Eduard murmelte einige ihm selber unverständliche Worte, Mr. Jamesson fuhr fort: „Also Sie wisse» mm, daß ich im Ernst rede und so wiederhole ich Ihnen nochmals, Mrs. Trefoi! läßt Ihnen ihre Hand anbieten." Wieder zuckte der junge Mann zusammen, während glühende Röthe sein anödrucksvolles Antliv überzog, um gleich darauf erdfahler Blässe zu weichtll. Der alte Jamesson schüttelte unnmthlg den Kopf, er begann für den kaum Genesenen ernstlich zu fürchten. Eduard drückte beide Hände gegen die Stirn, fein Athcm ging hastig, er vermochte es

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