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Der Israelit · 1886-01-14 · Heft 4 (14.1.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 4 (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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nicht so rasch zu fassen dieses unverhoffte, übergroße Much auf das er selbst iu seinen kühnsten Träumen nicht m hoffen gewagt. Wohl liebte er sie mit aller Gluth seines Herzens, mit allen Fibern seines Seins. Doch seine Wünsche zu ihr zu erheben, hätte er als Wahnsinn betrachtet.. Er der arme, namenlose Emigrant und sie die Unvergleichliche, Lielumworbeue. — „Ist es denn wahr?" stammelte er endlich, „ift es wücklich wahr?" „Ganz wirklich wahr," erwiderte der Alle lächelnd. „Doch am besten. Sie kommen mit hinüber zu Mrs. Trefoll und fragen sie selbst. — Kommen Sie —" „Lassen Sie mir Zell," murmelte der junge Manu, „lassen Sie mich mir selbst klar werden." Er hatte die eine Hand über die Stlln gelegt, wie eine Fata Morgana erschien es ihm plötzlich, dieses übergroße Glück. — War es denn wahr? konnte es wahr sein? er durste um sie werben? — um die edelste, herrlichste aller Frauen? — für die sein He^ schlug, seit er sie zum ersten Mal geschen. — Und plötzlich mußte er auch ihres Reichthums gedenken, und ganz in der Ferne war es ihm, als sähe er das Antlitz seiner Mutter austauchen, als hörte er ihre Stimme, als strecke sie die Arme nach ihm ans. — „Kommen Sie," wiederholte Mr. Jamesson, indem'er seinen. Arm nahm. . Eduard war im Begriffe sich zu erholen, plötzlich sank er krafttos zurück. „Ich kann nicht!" schrie er auf und barg das Antlitz in den Händen. „Sie können nicht?" fragte der Alte verwundert, „was können Sie nicht?" Eduard ließ die Hände sinken, sein farbloses Angesicht trug den Ausdruck trostloser Niedergeschlagenhell. „Ich kann Mrs. Tresoils hochherzigen Antrag nicht annehmcn — ich darf es nicht — wollen Sie ihr sagen —" „Sagen Sie's ihr selbst," ries der alte Mann ärgerlich. „Sie haben recht," erwiderte Eduard tonlos, „ich selbst muß es ihr sagen —" Sein Haupt sank tief auf seine Brust, der ein schmerzliches Aechzen sich entrang. Kopfschüttelnd betrachtete ihn der Alte, er wartete noch einige Minuten, doch als der Andere in seiner Stellung sowie in seiner Schweigsamkeit verharrte, tvandte er sich unwillig zum Fortgehen. „Ich werde MrS. Trefoll nnttheilen, daß Sie ihr persönlich Ihre Antwort «verbringen iverden." Eine Stunde mochte verstrichen seit!, Airs. Trefoll befand sich in ihrem Boudoir. Mll einer Art nervösen Unruhe bewegte sich die schöne Frau in dem überaus eleganten und doch trauten, anheimelnden Raume. Bald glitten ihre schlarckeu Finger durch die farbenprächtigen Blumen, die in kostbaren Basen das Zimmer schmückten, bald griff sie nach einem Buche, blätterte achtlos darin, ohne daß ihr Blick darauf wellte, denn dieser war unablässig auf die Thür gerichtet; bald Land sie mitten im Zimmer, lauschend auf jeden Tritt, der im Hause laut ward. Endlich vernahm sie Schritte auf der Sttege, sie kannte diese matten, langsamen Schritts die ehedem so leicht, so elastisch gewesen. Die Schritte kamen näher, zwar langsam, zögernd aber sie kamen näher. Vielleicht ohne zu wissen, was sie Hat. nahm sie eine Handarbell und ließ sich in ein Fauteuil nieder. Gleich darauf klopfte es leicht an ihre Thür, und auf ihr einladendes Herein, trat Eduard in das Zimmer. Er war noch bleicher als in den jüngsten Tagen, doch der Ausdruck seiner Züge war ein ruhiger. Mrs. Trefoll war aufgestanden, doch sie reichte ihm nicht wie sonst die Hand, mll leichtem Kopfnicken erwiderte sie seinen Gruß. ' „Setzen Sie sich, Mister Steinhart, Doctor Th.... by hat Sie zu stüh aus seiner Behandlung entlassen, Sie scheinen noch recht schwach zu sein." Der junge Mann, obgleich es ihn sichtliche Anstrengung kostete, sich austecht zu erhalten, nahm dennoch den dargebotenen Sitz nicht ein, sondern stützte sich nur auf die Lehne des Sessels. „Ich komme meinen Dank darzubringen," begann er leise. „Ihren Dank?" unterbrach sie ihn, „und für was? wenn ich bitten darf. — Etwa dafür, daß Sie die Kugel empfangen haben, die mir bestimmt war?" Er schien ihre Worte überhört zu haben.- „Ich wollte Mrs. Trefoll danken," fuhr er mit wachsender Anstrengung fort, „für den überaus hochherzigen Antrag — der mir durch Mr. Jamesson geworden. — Ich würde mich überglücklich schätzen — wenn ich ihn annehmen dürste — leider — leider — zwingen mich die BerMtniffe — auf das dankbar höchste Glück zu verzichten —" Mrs. Trefoll erblaßte, sie preßte die Lippen aufeinander und neigte sich Über ihre Arbeit, als müsse sie die Stiche zählen. Der junge Mann be« trachtete sie mit glühenden, letdenschastlichen Blicken. Sie schien diese Blicke zu fühlen, langsam hob sie das schöne Haupt.

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