Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1886)
- Date
- 1886-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ficf) wieder ausgenommen werden. Tank der lobenswcrthen Thätigkcit ihres Präsidenten, des ehrcnwerthen Herrn Fcrnandcz Diaz, der von dem Verwaltungsrathe und ebenso auch von seinem Sccrctär, dem unermüdlichen Herrn Piperno, dabei kräftigst unterstützt wird, ist es dieser Gemeinde gelungen, sich dauernd zu consttttiiren und sich die Tröstung der Leidenden zum Hauptziele zu machen. Eine große Zahl von Unglücklichen erhalten in der That durch die Fürsorge dieser Gemeinde Unterstützungen sowohl in Baargeld als auch in Medikamenten 2c. Man kann aber nicht genug fürsprechcn bei den Israeliten Allgemeinen, um sie zu veranlaffen, mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, diese so meuschenfreuudliche Wirksamkeit der <'ommuuaute israelite etrangere" (ausländischen israelitischen Gemeinde) zu unterstützen." Babylonien. Ana sPurnbcditha) am Euphrat. ^pnr:-: rvn rm'-tIL-r „Ana wird Pnmbcditha beigenannt." Die sä ’jaci *crn (Weisen und Gelehrten Babels) haben es sich gewiß nicht träumen laßen, fdaß die erste Zcitungs-Eorrcspondenz, die über Pnmbeditha bcrichrcn wird, für den „Israelit" in Mainz bestimmt sein wird. Wo liegt MainzV hätte Rab Asche (’trtt 2-.) gefragt, hätte man ihm den Namen dieser Stadt genannt. Wie groß wäre jedoch seine Freude oder die Raba's (jo-!), Abaja's (’on), Narv's (zn) und Samnel's gewesen, hätten dieselben zwei Mal in der Woche den „Israelit" zugeschickt erhalten, um aus demselben die neuesten Nachrichten über die Juden in allen fünf Wcltihcileu und in allen vier Wcltgcgcudcn entnehmen zu können. Null, die einstigen jüdischen Gcisteshcroen,' welche Pnmbeditha einen Weltruf verschafft und dasselbe in der Geschichte des jüdischen Volkes verewigt haben, sind schon längst dahingestorben und mit ihnen ist zugleich auch der Ruhm, der Glanz und die Herrlichkeit dieses Ortes für immer dahin geschwunden, n-nn nar, nn nar ,twi jammern jetzt die Bewohner Pumdeditha's, wenn sie von ihrer Baterüadt reden, und denken sie dabei mit Wcinnnth an jene ,'ieiten zurück, in denen dieses Städtchen neben Nahar Daah <wmna) ein Hanplsitz jüdischer Gelelnsamseil und Forschnng lvar, tvährcnd dessen.toasten von Tansenden von jüdischen Slndil enden belebt waren. Hrnte ist Ana ein kletnes, armseliges, todtes und stilles Städtchen , das kaum futiflcttifctib Einwohlnr, lau* irr Araber, zählt, nnter denen sich nnn achtzig bis lmndctl jüdische v'n3 *h’3 lFamilienoäler» besinben. f Diese haben nicht einmal ein betondercs Stadtvierß Irl, da ihnen schon wenige Härtser genngei«. Ana ist nämlich ein langgestrecktes Städtchen, das nur ans einer einzigen Galle besteht, die aber, da jedes Häuschen daselbst von einem großen Hofe umgeben ist, eine Ausdehnung von nahezu anderthalb Stunden hat. Das eine Ende dieser langen Gasse stößt an den Euphrat, während das andere Ende wieder den Bach oder Kanal Zaga, der sich hier in den Euphrat ergießt, berührt. Diese lange Gasse besitzt auch zwei Tbore, aber nur singirte, wovon das eine, das am Euphrat liegt, oder eigentlich liegen sollte, Bab Esch-Scherk (das östliche Thor), während das andere wieder, das am Zagabache liegen sollte, Bab El - Gharb (das westliche Thor) benannt wird. Bei dem östlichen Thore nun, wo auch die von Bagdad kommende Karawanenstraße mündet, liegen einige armselige Hänschen, die von Juden bewohnt sind. Dieselben haben nur eine Synagoge, die ebenfalls sehr armselig ausschaut und sich nicht einmal den Luxus kleiner Glasfensterchen gönnen kann. Das Tageslicht dringt durch einige in der Mauer befindliche Löcher in da» Innere des Gotteshauses, und gestattet cs so den Anwesenden, daselbst beim Gebete ihre zumeist in Livorno gedruckten Gebetbücher zu benützen. Ja, die Armuth der Gemeinde ist so groß, daß sie sich nicht einmal einen Chasan (Bor-- beter), geschweige denn einen Ehacham (Rabbiner) halten kann. Pnmbeditha ohne Rabbiner! Eher könnte man sich Babel ohne Thurm und Bagdad ohne Tigris denken. Beide Functionen, die eines Rabbiners und die eines Vorbeters, werden zur Heit vom Rosch-Hakahal (Vorsteher), Ehacham Jechcskel, und zwar gänzlich ohne eine Entlohnung, nur mse 22*5 (der religiösen Pflicht halber), versehen. Nun, sein Lohn wird ihm im Jenseits gewiß nicht ansbleibcu. Dabei hat dieser Fromme auch noch für eine zahlreiche Familie zu sorgen und eine ausgedehnte Oekonomic zn pflegen. Bald hätte ich zu erwähnen vergessen, daß Ehacham Iccheskel auch mit .Kleiderstoffen für Frauen handelt, und hat er daher eine seiner zwei Wohnstuben als Verlansüladen löstentliche Läden gibt cs hier leine) adaptirt. Aber lveder ein enropäisciicr noch sogar Bagduder Jude würde in den Inden Piimbeditha's Glalrbensgtiiossttt cifcmicii. Denn während die Bagdader Inden mit Ausnahme eines geringen Vrnchtheils, der sich schon enropäisch .ragt, insgejammt der türkischen Tracht httldigen, tragen die Inden Pnmbrditha's ohne Anv. nähme die arabische Kteidnng, die noch stellte dieselbe ist, wie vor tausend mx zweitausend Jahren. Bon einem Fez daher keilte Cpnr. Dafür tragen Männer imb Flauen, Knaben und Mädchell glls dem Kopse clu vielt,ubigtX' Tuch lIaschmck oder Tschiltai grualllltt, das mttteis ciller Schnur tAgal) seflgebulldell wird.