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Der Israelit · 1886-01-14 · Heft 4 (14.1.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 4 (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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J JUJ; -v J^ipujj^iMLWw« * 1 »*—Wg_ "'%8TiTltfmWWMWMBB—B———BBMi 'WL;-Jb~ g»l»VU 54 doch uosere Weisen auch den Wortlaut derselben nicht ohne Grund so gewählt, wie er vor uns steht, und wir sind daher zu der Frage berechtigt: Warum mußte Rabba bar Nachmeni vorher sterben, ehe er seine Entscheidung abgeben durste? Man hätte ja während seines Lebens zu ihm schicken und ihn fragen lassen dürfen. Gleich Rabbi Iosua den Lcvi hätte er lebend die Stätte der Seligen betteten können, oder, mau hätte den Propheten Gijahu zu ihm geschickt, um ihn fragen zu lassen. Warum mußte er zuvor sterben, um Groben sein Nrtheil über eine Halachah abzugeben? — Eine andere, sich an diese Talmudstelle knüpfende, höchst auffallend erscheinende Thatfache ist die folgende. Maimonides (Hilchoth Tumath Zoraath C. 2, § 9) erklärt den in Rede stehenden Fall für unrein, Wie durfte Maimonides es wagen, gegen die in unsrer Talmudstelle angeführte Ansicht des Heiligen, gelobt sei Er, und gegen das Urtheil des in dieser Beziehung vom Talmud als höchste Autorität bezeichnten Rabba bar Nachmeni zu entscheiden? In dem Eommentare n:ro werden die gewichtigen Gründe angeführt, die Maimonides zu dieser Entscheidung veranlaßt haben. Er stützt sich dabei auf zwei Mischnoth, aus denen er nach allgemein giltigen Regeln folgert, daß der in Rede stehende Fall als unrein zu bettachten sei. Aber nicht wird dadurch die Schwierigkeit des Verständnisses gehoben; im Gegentheile, sic wird dadurch nur noch größer. Angenommen, Maimonides sei im Rechte; wie dürfen die Weisen (in Baba Mezia) behaupten, daß der Heilige, gelobt sei Er, eine Ansicht ausgesprochen, die, trotz Rabba's Zustimmung, als der Halachah nicht entsprechend sich heraussteUt? Alle diese Fragen müssen beantwortet werden; aber zu diesem Zwecke müssen wir wiederum eine andere Talmudstelle in Lcttacht ziehen, die sich, weit entfernt von der in Rede stehenden, im Traktat Ehagigah k. 15 b. vorfindet. Unsre Weisen lehren d'te'j; 'n aw;y 'k crpn3 min nai „manchmal wird durch die Vergleichung verschiedener Talmudstellen das Licht gefunden, das uns bei der Betrachtung eines vereinzelten Ausspruches oft fehlt, und wodurch derselbe dunkel erscheint." — Im Traktat Ehagigah wird uns am angeführten Orte von Elischa den Abujah erzählt, der einst ein großer Lehrer in Israel war, aber durch allerlei Umstände dazu gebracht wurde, ein Leugner der göttlichen Wahrheit, ein llebertreter des göttlichen (Gesetzes zu werden. Seit, vorzüglichster Schüler war der edle, große, höchster ühmlt Rabbi Mir, der auch dann nicht davon ablicß, bei Elischa Belehrung zn suchen, als dieser schon ein Sünder geworden und von der Mitwelt mit dem Name» „Acher," ei» Anderer, bezeichnet wurde, weil er ein Anderer geworde» als er früher gewesen. Und in Bezug darauf erzählt der Talmud: Einst ttaf Rabba bar Schila de» Propheten Elijahu, und er fragte ihn: Was thut der Heilige, gelobt sei Er? Und er sprach: Er sagt Halachoth im Namen aller unsrer Lehrer, mit Ausnahme des Rabbi Melr. — Weßhalb? fragte Rabba bar Schila. — Weil er, antwortete Elijahu, Halachoth von Acher gelernt hat. — Hat doch, entgegnete Rabba bar Schila, Rabbi Mett mit Acher's Lehre verfahren, wie man eine» Granatapfel genießt. Die süße Frucht hat er gegeffe» und die Schale weggeworfen! — Fürwahr, sagte der Prophet, jetzt hat Gott deine Sümme gehört und spricht: Mein Sohn Melr sagt: Gott hat Mitleid mit den Leiden der Menschen, sogar der Bösewichrer; um wie vielmehr schmerzt es unfern erbarmungsvollen Vater, wenn die Frommen leiden müssen oder gar ihr Blut vergossen wird! —* Zur Beleuchtung dieser höchst sonderbar erscheinenden Erzählung wollen wir. so Gott will, im nächsten Kapitel schreiten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. De» t s ch l a n d. Berlin, 6. Januar. Heute Morgen hat hkersclbst ein Säbel-Duell stattgcfunden zwischen einem Offizier und einem Chemiker; Veranlassung war eine Beleidigung, die der Offizier dem Chemiker am Sylvcsterabend in einem Unter den Linden gelegenen Cafü in Bezug aus seine jüdische Konfession zngefügt hatte. Das Duell endete mit einer ziemlich schweren Verletzung des Offiziers. Berlin, 7. Januar. Inder Sylvesternacht nm die mitternächtliche Stunde war es, als ein Menschcnstrom in das „Cafe zur Oper" unter den Linden hincinfluthcte, um dort den Beginn des neuen Jahres zu begrüßen. An einem Tische saß ein Offizier, am benachbarte» Tische der jüdische Chemiker und Reserveossizier Wolfs aus Frankfurt a. M. mit seiner Braut. Da plötzlich rief ersterer laut zum .Kellner: „Bringen Sie .Kaffee, aber in einer Tasse, ans der noch kein Jude getrunken." Ein hestiger Wortwechsel führte zur Forderung ans Säbel. Gestern früh fand das Duell statt. Herr Wolss hieb fetuem Beleidiger die Rase ab, und dieser mußte schwerverletzt ärztlicher Hilfe über- Qfbcii werden.

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