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Der Israelit · 1886-01-14 · Heft 4 (14.1.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 4 (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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55 Berlin, 8. Januar. Der Redakteur der „Eberswalder Ztg", Herr Lemme, wurde gestern von der Strafkammer des Landgerichts zu Eberswalde zu einer Haststrafe von vier Wochen vcrurtheilt, wegen Beleidigung des Herrn Kommerzieuraths Schreiber, des Besitzers der bekannten Ederswalder Huftragelfadrik. Zn einem Bericht über einen früheren Beleidigungsprozeß hatte Herr Lemme die persönliche Bemerkung gemacht: „Ich bin heute verurtheilt worden, weil ich Sie mit dem Hctzpredigcr Stöcker verglichen habe. Aber mit dem „Zeugen" Stöcker darf ich Sie doch wohl auf eine Stufe stellen?" Der Angeklagte führte Im gestrigen Termin aus: „In dem bekannten Berliner Prozeß hat der Vorsitzende des betreffenden Gerichtshofes seine Ansicht dahin abgegeben, daß das Auftreten des Zeugen Stöcker vor Gericht cm unvorsichtiges und 'mindestens leichtfertiges gewesen fei. Genau denselben Begriff habe ich mit den Worten verbinden wollen." Der Gerichtshof nahm an, daß der Angeklagte das Verhalten des Klagers zwar wahrheitsgemäß geschildert habe: er habe aber nicht, nur den Vorwurf der Unvorsichtigkeit und Leichtfertigkeit erheben wollen, sondern er habe den, dem Hofprediger Stöcker gemachten Vorwurf des fahrlässigen Meineids auf den Zeugen Schreiber übertragen wollen. Er habe nicht beide Personen mit einander verglichen — das wäre ja straflos gewesen — sondern er habe sie beide auf dieselbe Stufe gestellt. Berlin, 9. Januar. Herr Geheimer Comme^ienrath Franz Mendelssohn hat aus Anlaß des heutigen Erinncrungstages an den Tod seines llrgroßvaters Moses Mendelssohns, der Königlichen Friedrichs-Wilhelms-Universität die Smnme von 250,000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß deren Zinsen zu jährlichen Stipendien für würdige und mittellose Studenten zu verwenden feien. Herr Ernst Mendelssohn-Bartholdy hat an den Oberbürgermeister der Stadt Berlin 30,000 Mark mit der Bestimmung übersandt, daß dieselbe an städtische Bedürftige in Summen von nicht unter l 00 Mark vertheilt werden sollen. — Die sensationelle, wenig gekannte Mitthcilung des „Israelit", daß Zacharias Frankel, der Leiter der Breslauer Schule, einst erklärte, ein Denkmal selbst als Zeichen der Ehre fei stets als außerordentlich verwerflich" betrachtet worden und wäre streng verboten, hat auch hier in zuständigen Kreisen ungrthciltcs Aufsehen erregt. Die nächste natürliche Folge wird eine absolut ablehnende Haltung der Schüler Frankels der Errichtung des Denkmals gegenüber sein. Das Frankelsche Gutachten gewinnt aber noch eine höhere und ernstere Bedeutung gegenüber der Thatsache, daß gerade ein Schüler Frankels cs gewagt, nicht nur ffx das religionsgesctzlich verbotene Denkmal cifngst zu agitiren, sondern auch alle Andersgesinnten mit den verachtungswürdigsten Schmähungen zu überschütten, Schmähungen, die aus selbstverständlichen Anstandsrücksichten keine Erwiderung gefunden haben. Werden die Schüler Frankels, wird die „Breslauer' Schule" hierzu schweigen? Wird man Wetter den seltenen „Muth" besitze», alle, die sich verpflichtet hielten, offen für ihre hclligste llcberzeugung einzutretcn und gegen die Errichtung eines Denkmals seitens der Jsraelttcn laut zu protcstiren, als „Fin- Iterlinge", als „kulturfeindliche Elemente", als „ungebildete, niedrige, hirnverbrannte Menschen" zu bezeichnen? Dieser Fall dürfte noch nicht seine Erledigung gefunden haben. Im Uebrigen sei hier-) mit constatirt, daß das eine Schimpfblättlei«.ausgenommen, nicht nur sämmtliche orthodoxen Blätter Deutschlands, sondern auch die reformistische „Allg. Zeit, des JudenthumS" gegen das Denkmal Front gemacht hat. W.w :v: Frankfurt a. M. In unserer an edlen Vereinen der verschiedensten Art überaus reichend Stadt ist abermals ein neuer höchst bedeutungsvoller Verein entstanden, indem durch die Bemühungen des Herrn Simmel aus Berlin sich ein Zweigverein der ursprünglich in Amerika in's Leben gerufenen und dort wett verbreiteten, neuerdings auch in mehreren Städten Deuschlands, namentlich in Berlin mit segensreichem Erfolge wirkenden B 'nL- Bris-Logcn conftitnirt hat. Indem ich mir Vorbehalte, Ihnen über das Wesen und die Bedeutung der B'ne-Bris-Logen überhaupt Näheres mitzutheilen, will ich heute nur bemerken, daß die Förderung aller Humanitären Bestrebungen in jüdischein Sinne die Hanpttendenz der hier gegründeten Loge sein wird. Was die Entstehung derselben, umso bedeutsamer erscheinen läßt, das ist die Thatsache, daß zu ihren Begründern eine Reihe von Männern gehört, die sich durch ihr gemeinnütziges Wirken auf dem Gebiete des Gemeinde», wie überhaupt des öffentlichen Lebens schon hervorragende Verdienste erworben haben, wie Herr Ferdinand Gamburg, Herr Selig Goldschmidt, Herr Charles Hallgarten, Herr Dr. Hetnemann, Herr Michel Mainz, Herr Philltpp Schiff, Herr Emanuel Schwarzschild, Herr Samuel Ilhlfeldcr, Herr Dr. Werner, u. a., und das gemeinsame Zusammenwirken dieser Männer berechtigt gewiß zn den schönsten Hoftnuti-

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