Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1886)
- Date
- 1886-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXV1L Zahrgaug. ' - Ei»; - AenLrat - Hrgan für das orthodoxe Judentum. Herausgcgebeu von Vr. Lehman« m Mainz. Donnerstag, den 14. Januar 5646 (1886). geittttbet $lrtiteL I . ... -— Aie göttliche Worausbestimmung und die Willensfreiheit des Wenschen. 4 .:y: .. / II. 1 Mainz, II. Januar. ' Um den im vorigen Kapitel von uns mitgetheilten dunklen Ausspruch des Midrasch Tanchuma verstchen zu lernen, müssen wir zuvor eine Stählung des Talmud (Baba Mezia «6».) in Betracht ziehen. Daselbst lesen wir: Raw Kahana sagte: Mn: hat erzählt Raw Chama, der Schwestersohn von Chassa (nach einer andern Lesart Chama), ' Rabba bar Nachmeni sei bei Gelegenheit einer Verfolgung ums Leben gekommen. Der Genannte war bekanntlich der Lehrer von ganz Israel. Zweimal im Jahre, einen Monat , im Sommer und einen Monat im Winter, versammelten sich bei ihm alle wißbegierigen Männer und Jünglinge, uni seinen Vorträgen anzuwohnen. Während dieser Zeit konnte die Regierung von den von ihrer Hcimath Abwesenden die Kopfsteuer nicht erheben, und Rabba bar Nachmeni sollte dafür verantwortlich gemacht und verhaftet werden. Sr entfloh und wurde von den Beamten der Regierung verfolgt, von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort. Als er in einen Gast- Hof einkehrte, traf er mit den Verfolgern zusannnen. Der Wirth verhalf ihm abermals zur Flucht. Rabba eilte hinweg. Müde und matt ließ er sich auf dem Stumpft eines abgehauenen Baumes nieder. — Gerade um diese Zeit wurde im Himmel ln Bezug ans eine religiöse Vorschrift, ob rein oder unrein, verhandelt. Der Heilige, gelobt sei Sr, erklärte den Fall für rein, während die Engel ihn für unrein erklärten. Wer sollte da riitfdjcibcnY * Rabba bar Nachmeni! riesen die Engel, der einzig ist in der Kunde dieser Vorschrift. — Und - der Todesengel kam, um Rabba bar Nachmeni m das himmlische Lehrhaus zu entführen; allem, erkannte ihm nicht nahen, da Rabba selbst jetzt, halb zu Tode gehetzt, müde und matt, nicht aufhörte, Thora zu lernen, und die Thora ist ein Baum des . Lebens für Alle, die fest an ihr halten. Da strich ' der Wind durch das Röhricht, und das Rauschen der Wipfel ertönte dem Verfolgten gleich Pferdegetrappel. Und er sprach: Lieber will ich sterben als in die Hand der Verfolger fallen. . Während er seine Seeke^mrShauchte^rief.-rrr'Rtd^WedrLMÄ-. -«r eine Stimme erscholl vom Himmel und rief: Heil dir Rabba bar Nachmeni, wie dein Leben stets rein gewesen, so ist mit dem Rufe „rein" deine Seele von-hinnen gegangen! Schon Rabbi Samuel Jdeles (r«"e^".iv) macht die Bemerkung, daß diese Erzählung des Talmuds nicht dem Wortlaute nach aufzufaffen sei, da es vor dem Heiligen, gelobt sei Er, keinen Zweifel gibt. Wie könnte auch der Allweise der Entscheidung eines Menschen bedürfen! Es ist daher die hier mitgetheilte Erzählung in mannigfacher Beziehung symbolisch zu nehmen. Es soll damit die unendliche Wichtigkeit der Gotteslehre angedeutet werden, selbst in dem Falle, daß das Studium mancher Vorschriften derselben gar keinen praktischen Zweck hat. Die Lehre von den Negaim konnte nur zu der Zeit praktisch ausgeführt werden, da die Kohanim auch in dieser Beziehung noch ln Funktion waren. Wiewohl nun Rabba bar Nachment mehrere Jahrhunderte nach der Zerstörung des heiligen Tempels lebte, studirte er auch diesen Theil der Gotteölehre mit größter Sorgfalt «nd ward darin zur größten Autorität, so daß gleichsam Gott nud die Engel ihn zum Schiedsrichter verlangten. —. Wenn nun auch in dieser Erzählung manches symbolisch anfgesaßt werden muß, so haben