Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1886)
- Date
- 1886-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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len mib daselbst auch ihre Comptoirs errichteten Zu diesen Juden gesellten sich bald auch jüdische Eiuwandcrer aus New-Orleans, Lissabon, Marseille und Bordeaux und im vergangenen Jahrzehnt, nach der Einverleibung Elsaß-Lothringens in das deutsche Reich, »änderten auch aus diesen zwei Provinzen einige jüdische Familien nach Brasilien aus und siedelten sich in Rio an. Aus Dankbarkeit für die ihnen gewährte freundliche Aufnahme, haben nun alle diese eingewanderten Juden das Portugiesische zu ihrer Umgangs- und Verkehrssprache gemacht und sich zugleich auch in den brasilianischen Staatsverband äufnehmen lauen. Heute gibt es nun in Riode-Janeiro nur noch brasilianische Juden, obgleich deren Großväter aus den verschiedensten Staaten der alten Welt kamen und in den verschiedensten Sprachen redeten, und in der Synagoge dieser Stadt wird nebst in hebräischer auch in portugiesischerSprachc für Kaiser Dom Pedro II. und sein Reich gebetet. Außer in diesen zwei Städten wohnen auch in dem nördlich von Bahia gelegenen Hafenorte Peruambuco einige Juden, die sich aber, wie ich vernahm, leider schon so stark mit der dortigen Bevölkerung assimilirt haben, daß man sie nur sehr schwer als Abkömmlinge Jakob's erkennen kann. Hier in Buenos-Ayrcs wieder, der ersten Hafenstadt der La - Platastaaten, waren die ersten jüdischen Ansiedler, Emigranten aus Deutschland und Polen, zumal ans Galizien. Sehr zu beklagen ist, daß sich unter deu Jnduftrierittern und Abenteurern, für die Buenos- Ayres ein wahres Eldorado ist, auch einige Juden befinden. Unsere Stadt besitzt die wohlhabendste und auch leider die leichtlebigste Bevölkerung Südamerikas und wird sie daher auch das Paris Südamerikas genannt. Dagegen finden sich auch hier, recht solide jüdisch-deutsche Familien, die sich ihres streng ehrenhaften Charakters wegen der allgemeinen Achtung erfreuen. Im Ganzen leben jetzt hier ca. dreißig jüdische Familien, von denen einige auch italienischer oder amerikanischer Herkunft sind-. Leider jagen sie Alle das ganze Jahr hindurch nach dem gleisnerischem Golde und nur wenn die Herbsttage bcrrannahen, da erinnern sie sich noch, das; sie einem Volke angehören, welches, als noch die ganze Menschheit in der dichtesten GeisteSsinsterniß lebte und dem abscheulichsten und widersinnigsten Götzen-, oder Göttcrcnltnö huldigte» die Fahne des einzigen Gottes lrochgehattcn und für dieselbe oft anch ihr Leben hergegeben hat. Man thnt sich dann schnctt zusammen, Nliethet ein Local, nennt es Synagoge oder was noch schöner klingt, Tempel, und verrichtet daselbst aut Vcrsöhnnngstage die vmgeschriebenen Gebete. Am andern Tag hat mall dann schon längst lulcbcr vergessen, daß man doch gestern erst das „Schema Israel" lntt Alldacht itttb Bkisternng recitirt hat. 42 Gott sei Dank» daß indcß nicht alle Juden so denke» und handeln, denn auch in Buenos-Ayres finde» sich noch Israeliten, die auch da§ ganze Jahr nicht iwfbören es zu sein. Doch wir behalten uns nähere Mittheilungeu über das sociale und religiöse Lebe» der Juden hier für den nächsten Brief vor, denn wir müssen heute noch vor Abgang des europäisches Postdampfers einen Riesenfprung nach der chilenischen Küste hinüber machen, wo sich ln der Hafenstadt Valparaiso gleichfalls eine kleine jüdische Niederlassung deutscher oder nordamerikanifcher Herkunft, befindet und eilen dann mit Siebenmcilenstiefeln über die Republik Bolivia hinweg nach Callao, dem Hafenorte von Lima, der Hauptstadt der Republik Peru, in der sich vor einigen Jahren etliche polnifchjüdische Familien angesiedelt haben, worauf wir die beiden Republiken Ecuador und Columbia beiseite liegen lassend, nach der Stadt Panama eilen, in der obgleich sie noch zum Staate Columbia gehört, dennoch schon, in Erwartung, daß baldigst an ihren Mauern vorbei eine große See - und Weltverkehrsstraße — der eben in der Herstellung befindliche Panamakanal — führen wird, einer größeren Toleranz huldigt und einige Juden in ihrer Mitte duldet, die sich auch eines etwas religiöseren Lebenswandels als ihre Glaubensbrüder in Buenos-Ayrcs oder in Valparaiso befleißigen. Anch in Georgetown, dem Hauptorte des englischen Guayana, finden sich einige Juden. Wir haben daher in diesem Briefe folgende jüdische Ansiedelungen in Südamerika im Geiste besucht: Georgetown, Paramaribo, Pernambuco, Bahia » Rio - de- Janeiro, Buenos- Ayres, Valparaiso, Callao, und Panama. Diese elf jüdischen Niederlassungen in Südamerika werden vorläufig nun die Domäne Ihres Correspondenteu in Buenos-Ayres bilden. «tr c u i 1 1 t t 9 n. Ychavikittrl. Erzählung von Friedrich Rott. XXIV. Mrs. Trefoil hatte nur ungern sich überreden lassen in dem anstoßenden Kabine! auf das Ruhebett sich zu legen, doch sie fürchtete ihrer Umgebung ihre Gefühle zu verrathen, wenn sie darauf bestehen würde, die Nacht im Krankenzimmer zu verbringen. Mr. Jameffo» batte sich gleichfalls entfernt, Frau Kohn und ein Diener des Hanfes wachten bet dem Kranken. Die Nacht verging ziemlich nnnihlg, dennoch fand der Arzt am Morgen das Gksammtbcsinden des Patienten, den Umständen entsprechend, befriedigend. Aber es folgten noch eine Reihe banger, nnrnhiger Tage, denn das Fieber wollte nicht fo