Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1886)
- Date
- 1886-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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\JX- 43 rasch weichen, wie der Atzt es gehofft hatte. Frau Kohn und ihre Herrin theilten sich in der Krankenpflege, während Erftere ausschließlich die Nacht, verbrachte Letztere den größten Thell des Tages im Krankenzimmer. Wer hätte auch darin Anstößiges finden tövneu? um sie zu schützen, war er verwundet worden, konnte sie weniger thun als eigenhändig für seine Pflege sorgen? Und diese Stunden, die sie an seinem Bette verbrachte, so bang sie auch oft verflossen, erfüllten sie deunoch mit unsagbarer Wonne. Gewährten sie ihr doch einen Blick in das Hetz des jungen . Mannes,' der bei vollem Bewußtsein seine Gefühle schwerlich so bald vcrratherr haben würde, während im Delirium des Fiebers Mrs. Trefolls Name beständig über seine Lippen kam und die immer wiederkehrende Angst um sie nur zu deutlich verrieth, was er fill sie empfand. Endlich besserte sich das Befinden des Kranken, das Fieber ließ nach. Mrs. Trefoil glaubte nun seine Pflege ihren Leuten überlassen zu müssen^ doch verbrachte sie täglich einige Stunden in seiner Gesellschaft und lernte täglich sein reines, edles Gemüth, so wie auch seine seltene Geistesbildung mehr kennen und höher schätzen. Sobald der Atzt es gestattete, versorgte sie ihn mit Lektüre. Eduard staunte in den meisten Werken, die sie ihm als ihre Lieblingsbücher bezeichnet hatte, den Stempel seines alten Freundes und Lehrers, Jacob Steinhart, zu finden. Mehr * noch aber staunte er über Mrs. Trefolls Belesenhell in diesen Werken, sie mußte dieselben nicht nur gelesen, sie mußte sie geradezu studirt haben. Jetzt «st wußte er sich zu erklären, was ihn ehedem oftmals ftappirt, namentlich wenn das Gespräch religiöse Fragen berührt hatte. Mrs. Trefoil hatte sich in gewisser Beziehung, vermuthlich, ohne daß sie selbst es wußte, die Ausdrucksweise jener Werke zu eigen gemacht. Seltene Erscheinung, diese vielumworbene Frau! So jung, so schön, so lebensfroh und doch so ernstreligiös, so streng gewissenhaft in jeder Beziehung. Er zahlte die Stunden bis zu derjenigen, die sie in seinem Zimmer zu verbringen Pflegte, und wenn sie hin und wieder durch irgend einen Besuch zurückgehalten, etwas später kam, dann fand sie ihn jedes Mal in heftiger Erregung, so sehr er auch diese Erregung zu verbergen strebte. Wiederholt hatte er den Arzt gefragt, ob er sich nicht in seine eigene Wohnnng begeben dürfe, doch so lang noch Pflege nothwendig war, hatte Th....bv seine Erlaubnis; entschieden verweigert. Nach einiger »Zeit jedoch erklärte er den Patienten für genesen und verabschiedete sich von ihm mll den besten Wuschen für sein ferneres Wohlergehen. . Eduard war es nun anheim gegeben, sein eigenes Logis wieder zu beziehen. Er hatte dieses während seiner Krankheit wiederholl als Wunsch geäußert und jetzt zog sich ihm das Hetz zusammen, Äs er daran dachte, dieses traute, gastliche Heim zu verlassen. - - Zwar konnte er, wie ehedem, seine Abendstunden in Mrs. Trefolls Gesellschaft verbringen, aber alle diese Wochen hindurch hatte er beständig unter demselben Dache mll ihr gearhmet — diese schöne, glückliche Zeit war nun zu Ende — ihm selber unbewußt stahl sich ein tiefer Seufzer über seine Lippen. . „Guten Morgen, Mister Steinhart , wie geht es Ihnen?" rief eine wohlbekannte Stimme, Eduard wandte sich hastig um, Mr. Jamesson stand vor ihm mll ausgestreckter Hand. Der junge Mann ergriff sie und drückte.sie hetzlich und zwang sich seine trübe Stimmung tzu überwinden. - „Danke Ihnen, Mr. Jamesson, mll geht tö Gottlob recht gut, Doctor Th....by hat mich endlich geheilt crklÄt, ich werde noch heute meine Wohnung wieder beziehen und morgen komme ich in's Bureau." „Wird mich hetzlich freuen, wir haben uns Alle nach Ihnen gesehnt." „Wie viel Uhr haben Sie? Glauben Sie, daß ich Mrs. Trefoll schon aufsuchen könnte? Bevor ich die Billa verlasse, muß ich ihr danken für die überaus fteundliche Pflege, die ich in ihrem Hause genossen." > „Ihr danken müssen Sie nicht, Mr. Stemhart, haben Sie denn vergessen, daß Sie nur, um sie zu schützen, die Wunde erhalten haben?" „Ach, das ist ja nicht der Rede werth." „So denken Sie, Mrs. Trefoll ist jedoch entschieden anderer Ansicht und komme ich in ihrem Aufträge, mit Ihnen hierüber zu sprechen. Setzen wir uns, und wollen Sic mir aufmerksam zuhören." Er drückte den jungen Mann in elnen.Seffel nieder und nahm ihm gegenüber Platz. ' *•- „Also, wie gesagt, Mister Steinhart, ich komme int Aufträge unserer Herrin, der Sie das Leben gerettet haben. — Nein, nein, widersprechen Sie mir nicht, sondern hören Sie mich gefälligst ruhig an. — Mrs. Trefoil fühlt sich dem Manne, der, um sie zn schützen, das eigene Leben anf's Spie! gesetzt, in dem Maße verpflichtet, daß sie das Leben, das er gerettet, ihm weihen möchte." „Mrs. Trefoil ist mir keinen Dank schuldig," fiel Eduard hastig ein, „denn "