Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1886)
- Date
- 1886-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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$9 reicherte, dabei aber schlechtes Bleigeld i» Cours brachte. Der frühere Polizeunspektor war aber ein edeldenkender fromm er Jude, dabei eine ideal angelegte Natur, denn als er am •res nr in Halberstadt bei einem Besuche seiner Schwester starb, hinterlicß er eine arme Wittwe mit unversorgten Kindern. Berlin, 4. Januar. Die Mendelssohns- Feierlichkeiten in Berliu nahmen einen erhebenden und würdevollen Verlauf. Die Hauprfcicrlichkeit fand in der Neue» Synagoge statt, welche bis auf den letzten Plätzen gefüllt war. Ein Lorbeerhain umgab die Kanzel, vor welcher sich ebenfalls ein grünes Parterre ausbrcitete. Herr Geheimerath Franz Mendelssohn und Frau Warschauer wohnten der Feier bei. Nachdem ein Psalm verklungen, trug der Chor folgenden Wcchselge- Iang vor: „Der einst in bufftet Stunde Durch'S Thor, ein Knabe, zog,' Und Hier mitdurstigem Munve Die Milch der Weisheit sog — Du Zögling hoher Meister, . Don Himmrlsrhau genetzt, Tu hast mit dem Manna der Geister Tie darbenden Brüder geletzt. :;Wir preisen in Dir den Ahnen, Der an die Zukunft geglaubt; ' , Wir grüßen Deine Manen Dem liebreich kluges Haupt. Die Müden sähest Du weinen ' An Babylons nächtiger Fluch: Ta kamst Du, ein Mose, den Deinen (<rin Führer weise und gut. Du brachtest ein Licht den Schwachen, Ten Tag nach Nacht und Noch: Du selbst «ne Sonne den Wachet», Du selbst — ein Morgenroch. Nunmehr hielt Herr Dr. Frankl die Festrede unter Zugrundelegung des Tcrtcs „Gott der Ewige suchte sich einen Mann nach seinem Herzen". Der Redner pries den lauteren Charakter, die Menschenliebe und Frömmigkeit Mendelssohns. „Der verschüchterte, mißgestaltete, stammelnde, einseitig in Bibel, im Talmud unterrichtete Jüngling, als welcher Moses aus Dcffau cillzog, das ist das Urbild der deutschen Jndcnhcit in den Jahrhunderten mederbeugender Knechtschaft und Rechtlosigkeit bis zu ihrer Erhebung. Der durch festes Ringen au sich und mit sich der Vollkommenheit zustrebende, der durch innere Erlbstbcfreinng, durch angeftreugte geistige Arbeit alle Spuren chemaligcu Kncchtthnms verwischende, durch den volltnlwickellen Scclcundel alle Mängel der körperlichen Entwickelung bannende oder verklärende, der selbstlos au alle Edlen der Menschheit hingegcbene, und in allen lauteren Bestrebungen der Menschheit liebreich sich versenkende Mendelssohn dagegen, — das ist das Urbild, daS bleibe das Vorbild der durch Mendelssohns Anstoß sich verjüngenden deutschen Judenheit. Auch im Mittelalter, dessen Dauer für die Juden Deutschlands fast über drei Jahrhunderte hinaus verlängert werden muß, fehlte cs unseren Ahnen nicht au Tugenden des Herzens, an Vorzügen des Geistes, an Tiefe des Gemüths. Zu rühmen ist ihre Frömmigkeit, ihr freundliches, liebreiches, mildthätiges Wesen, ihre unbegrenzte Opfcrfreudigkeit für die Religion ihrer Väter. Mendelssohn war fromm, er war von auserlesener Frömmigkeit. Er lehrt unS, an ' uns und unsere Vervollkommnung zu arbeiten, ohne jede Rücksicht auf äußere Anerkennung. Er lehrt uns, uns suchen zu lassen und nicht uns vorzudrängen. Er lehrt uns endlich, treu im väterlichen Glaubenwurzelnd, den lichten Höhen lauteren Menschenthums Zuzustreben. Ja ihn, den bescheidenen und anspruchslosen Mann, hat der Ewige zum Führer seines Volkes entboten. Nicht von einem Manuc von hervorragender Außcnstellung, sondern nur von einem Manne der Innerlichkeit mit tiefen- Gedanken und tteuer Gesinnung erwartete die deutsche Judenheit das Heil ihrer rechten Führung, von einem Manne, der sich die Anerkennung einer Wett erzwingt durch .stetige Arbeit an sich, durch unablässige Treue, durch heiligen Eifer für Vervollkommnung: Das ist die Lehre der Vorsehung, die sich in der Berufung Mendelsohn's uns offenbart. Nach abermaligem Chorgesange schloß die Feier. - > Die israelitische Synagogengemeinde Adaß- Js r a el verknüpfte ihre Feier mit der des Rabbiner- Seminars. Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer leitete die Feier mit sotgcnden Worten ein: „Die Veranlassung zur heurigen Feier geht nicht von unS aus, wäre cs geschehen, so hätten wir die Feier am 5. Schewat, dem Jahrzcitstagc Mendelssohns, begehen müssen. Wir folgen vielmehr den Wünschen eines ans den Koryphäen deutscher Wissenschaft zusammengesetzten Eomitäs, das theils einer anderen Eonfession angehört. Leider können wir, kann das gcsetzcsirene Jndcnthum nicht in allen Punkten demselben folgen, so in der Errichtung eines Denkmals, was jüdische Satzung und jüdische Sitte verbietet. Auch kann cö uns gleich sein, wann lvir das Andenkctl Mendelssohns ehren, da wir zwischen dem um. oder einem anderen Jahrzeitstage keinen Unterschied kennen. Co wollen wir denn in dieser Stunde des Mannes gedenken, wie ich ihn nicht zn beschreiben vermag, eines Mannes,