Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1886)
- Date
- 1886-01-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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als Dcrather, als echten Jchudi, nnd das Waisenhaus trauert um seinen fürsorglichen Beschützer- Sein Andenken wird nicht aus unserer Mitte weichen; denn wir leben der festen Hoffnung, daß in seiner Familie sowohl als auch im Waisenhause sein Geist, di. der Geist des echten Iudeuthmns fortlebcn wird. Dessau, 4. Januar. Ans den verschiedensten Gegenden Deutschlands, besonders zahlreich aus Berlin, - sind die Freunde Mendelssohns zur Feier seines Gedenktages hcrbeigceilt. Bereits geftcrn Abend wies die Präsenzliste über hundert Namen auf. Die Familie Mcndclssons und Mendelssohu-Bartholdy ist durch sechzehn Mitglieder vertrete», die aus Berlin und. Leipzig hier cingetroffen sind. Den Reigen der Festlichkeiten eröffnete heute früh nur 10 llhr eine volksthümliche Feier vor dem Geburtshause Mendelssohns. Das kleine, ärmliche Hintcrhäuschcn in der askanischen Straße, in dem der große Weise das Licht der Welt erblickte, ist mit pietätvoller Treue möglichst im alten Zustande erhalten. Nur das Vorderhaus ist. l 880 neu hergestellt und mit. einer Gedenktafel geschmückt worden. Dieses Bordergcbäudc bildet jetzt ein Asyl für einige alte würdige Gelehrte, die hier auf Grund einer Stiftung untergebracht sind. Bon der Armuth und Dürftigkeit, in der der große Philosoph ausgewachsen, zeugt in drastischer Anschaulichkeit das schwüle Hintcrstübchen mit der niedrig herabhängendcn Decke, das dem Vater von Moses, dem Lehrer Mendel, als Wohnung diente. Eine alte, wohlgetryffene Büste, ein alter Kupfeiltich, einige Blumen und Blattpflanzen bildeten die ganze Zierde des Raumes. Auch der Blumennnd Guirlandenschmnck am Vorderhause war, dem Wesen des Gefeierten entsprechend, so einfach wie möglich gehalten. Ein Sängerchor, gebildet aus Mitgliedern hiesiger Gesangvereine, hatte sich vor dem Hause ausgestellt, um den Manen Mendelssohns ein Morgcnständchcn zu bringen. Die vorgctragencn Lieder,, darunter einige von Felix Mcndclssohn-Barthotdy, machten einen erhebenden nnd ergreifenden Eindruck ans die andächtig lauschende Menge. Der Festgottesdienst in der Synagoge verlief in würdigster Weife nnd erhielt eine besondere Weihe durch die Anwesenheit des Herzogs und feiner Familie. Punkt n> */„ llljr fuhr vor dem Golteshatise der herzogliche Wagen vor, den» verzog Friedrich Leopold mit seiner Gemahlin entstieg. Es folgten in weiteren Wagen Prinz Friedrich mit Gemahlin, sowie fast der gesammte Hof und Hofstaat, Minister von Krosigk mit den Mitgliedern des Regierungs-Kollegiums, und Oberbürgermeister Dr. Funk, der zugleich Vorsitzender des Fcstkomites ist; auch eine Deputation des Magistrats erschien.. / Unter den Klangen eines einleitenden Chorals, der vom Theater-Chor (!) unter Begleitung der Hofkapelle ausgeführt wurde, betrat der Herzog, der die . Gencralsnniform angelegt hatte, mit seiner Familie den kleinen, aber sehr schmucken und freundlichen Tempel, in welchem er mit dem Hofe in einer improvisirten Loge zur Rechten des Altars Platz nahm, während zur Linken die Vertreter der Regierung und der Stadt, die von auswärts herbeigecitten Delegirtcn und Rabbiner, ihre Sitze einnahmen. . Als Vertreter der Berliner Gemeinde war Jufrizrath Meyer erschienen, als Vertreter der Grmeindebundcs Geheimrath Kristeller. Der Dessauer Rabbiner D r. W e i ß e _ feierte von der Kanzel herab die Verdienste Mendelssohn's. / Der Kern zu seiner glücklichen Entwicklung wurde - gelegt in dem Dessauer Ländchen, unter dem müden Einflüsse eines liebreichen und duldsamen Fürsten, des Herzogs Franz, dessen Tugenden sich in seiner Familie erhalten haben. Sei doch der regierende Herzog mit den Seinen heute in diesem Hause erschienen, um den großen Sohn Dessaus mit zu feiern und Zeugniß abzulegen für den Geist -wahrer Liebe, die keine Unterschiede des Stammes und Glaubens kennt. Mit einem kurzen, warmherzigen Segensspmch schloß die Predigt, der sich Gesang und ein Todtenamt (?) vor offener Bundeslade anreihte. Vor dem Verlassen des Gotteshauses nahm der Herzog Gelegenheit, dem Feftkomits und dem Prediger seine lebhafte- Befriedigung über den Verlauf der Feier auszusprechen. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Pefth. Dem „Neuen Pesther Journal" wird ausNir.-Mada berichtet: Am 14.Dezember traf hier eine slavakische Bettlerin ein, die einen vier, bis fünf Jahren alten Knaben, angeblich ihren Sohn, mit sich hatte, von welchem es sich aber herausstellte, daß er ein geraubtes Kind ist. Sie ließ nämlich den Knaben, bis sic sich durch das Dorf bettelte, bei einer Bäuerin, die zum Zeitvertreib mit ihm plauderte und bei dieser Gelegenheit erfuhr, daß die Bettlerin ihn voni Hanse seiner Großmutter gestohlen hatte. Der Knabe ist jüdischer Confession und weiß von seinen Ellern mir so viel, daß sein Vater Wolf mtb seine Mutter Marie heiße. Der Orts- Vorstand ticst nuf Grund der. Aussagen des Knaben x f