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Der Israelit · 1886-01-07 · Heft 2 (7.1.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 2 (7.1.1886)
Date
1886-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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mcinbc Adaß-Jisroel fand derFestgottesdienst Bormittag um 11 Uhr statt. Nach der Recitation verschiedener Psalmen bestieg Herr Rabbiner D r. Hildesheimer die Kanzel, um in Anknüpfung an den Bibelvers (Sprüche Salomonis 24. 21.): „Fürchte den Ewigen, mein Lohn, und den König, unter die Veränderlichen mische Dich nicht!" die Frage zu erörtern, wie weit die Königsverehrnng nach dem jüdischen Rcligionsgcscye reiche und wie fest ihre Begründung in demselben stehe. In der schwungvollen, soruwollcnderen Rede gedachte der Redner der unsterblichen Verdienste des steggekrönten Monarchen als Kriegs- und FricdenSfnrst, sowie seiner riefinncrften Religiosität, die ihm aus seiner glückumstrahlten Lebensbahn stets vorangcleuchtet. Aus die Festrede folgte der Vortrag des KönigSgcbetes durch Herrn Tr. A. Berliner, welcher in dasselbe ein herrliches, hebräisches Gedicht einsiocht. Mit der Recitation des Kaddisch schloß-die erhebende Feierlichkeit, an welcher auch die viele Hundert zählenden Zöglinge der Rcligionsschnle iheilnahmen. Um dieselbe Zeit sprach Herr Rabbiner Dr. Ungerleider in der Hcidercutersttaße und Dr. May bäum in der Orgelsynagoge. — Das Rabbiner-Seminar hatte bereits in der Frühe uach dem Morgcngcbetc den Festtag durch eine Feier begangen. Viele kleinere Synagogen hatten schon am Sabbatihren patriotischen Gefühlen durch Predigt und Königsgebet Ausdruck geliehen. So feierte die Berliner Iudenheit einmüthig den Festtag unseres erlauchten Monarchen, ein beredtes Zeugnis;, daß man ein treuer Sohn seines Glaubens' und zugleich ein glühender Verehrer feines Fürsten und Vaterlandes sein kann. Frankfurt a. M. Verschiedene Reformblätter haben in der jüngsten Zeit wiederum Gelegenheit genommen, die ganze Schale ihres Zornes über den „Israelit" auszuschüttcn, welcher sich untersangen hat, die Betheiligung von Juden an der Aufforderung zur Errichtung eines Mendelssohns- Denkmals als mit dem Gesetze collidircnd zn bezeichnen. Wir verzichten darauf, auf die Jnvektiven, welche die ultjüdisch.-jüdischen Zeitungen bei dieser Gelegenheit gegen die Orthodoxie schleuderten, einzngehen, aber die Angelegenheit hat in uns eine Reminisccnz wachgerilfen, die den geehrte« Lesern nicht uninteressant sein dürfte. In Rew-Orlcans tauchte niitnlich int Jahre iwm das Projekt ans, dem berühmten Philanthropen Inda T onro ein Denkmal zn errichirn. Der Reistmde Benjainin N., der danials zufällig in New Orleans verweilte, wies darauf hlit, daß dieses Vorhaben dein' indischen Rellgionsgcsetze widerspreche. Es entspann sich in Amerika hierüber eine lebhafte Polemik, in welcher sogar, wie BenjaminH. in „Drei Jahre in Amerika, 1859—1862, I. Theil". Seite 369 und 379, berichtet, Wise, Lilienthal und Einhorn sich gegen die Errichtung des Denkmals aussprcchen. Endlich wurde beschlossen, die Frage 4 europäischen Rabbineu zur Entscheidung zn unterbreiten, als welche Oberrabbiner Rappaport in Prag, Dr. Frankel in Breslau und srrtb itnr Rabbiner Hirsch in Frankfurt a. M. und Oberrabbiner Dr. Adler in London erwählt wurde». Die Entscheidungen des Herrn. Rabbiner Hirsch und des Oberrabbiner. Dr. Ädlcr, die sich natürlich in verneinendem Sinne aussprachcn, dürften mm für die Herren Reformer ohne Belang fein, vielleicht wird man auch die Entscheidung Rappovort'S, der in klassischem Hebräisch die Idee der Errichtung eines Denkmals zurückweift, nicht anerkennen. Aber was werden sie dazu sageil, daß Dr. Frankel, der Begründer und Führer der Breslauer Schule, der Mann, dessen Autorität von den in Rede stehenden Blättern so oft in emphatischer Weise hervorgehoben wird, sich nun auch ans die Seite der Gegner stellte? Und dies geschieht in seinem Gutachten, welches dort Seite 379—381 abgedruckt ist. Nachdem er zunächst historisch nachgewiesen, daß „Statuen, selbst als Zeichen der Ehre — also nicht allein zu götzendienerischen Zwecken — als außerordentlich verwerflich betrachtet und selbst nicht geduldet wurden, um die wichtigsten Ereignisse zn verewigen" erörtert er die gesetzlichen Bestimmungen auf Grund des Talmud und der Decisoren und gelangt sodann zu dem Schluffe, daß „die Israeliten von Rew-Orleans nach den religiösen Satzungen auf keine Weife dem verstorbenen Juda Touro eine Statue setzen können, weder selbst, noch in Verbindung mit Nichtisracliten." Wird man jetzt auch Frankel zu de» Fanatikern werfen? Paderborn, 1. Januar. Unsere Gemeinde nanientlich das Waisenhaus für Westphalen und Rheinland hat einen schwerer, Verlust erlitten. Herr H. Marks, Gatte unserer Waisenhaus-Vorsteherin, ein frommer und thatenrcicher Mann» ist heute km Alter von 65 Jahren gestorben. Selbstlos und unermüdlich widinete er der seiner Gattin nntcrstcll- Icit Anstalt die größte Sorgfalt und liest cs sich angelegen fein, daß der wahre «nd echte Geist des conservativen Jndenthnmv den Waifcnkindem etnaeprägt wurde. Für das Wohl der Auftakt war ihm teilte Mühe, keine Reife und sonstige Beschwerden zu grast. Wir beklagen ihn als Mitbrnder,

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