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Der Israelit · 1886-01-07 · Heft 2 (7.1.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 2 (7.1.1886)
Date
1886-01-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Tiefste beleidigt werde. Die beiden jüdischen Passagiere mußten so für die ganze Zeit, die das Schiff im Hafen lag, auf dem Verdeck desselben bleiben und konnten sie daher das gelobte Land Brasilien nur von der Feme sehen, aber betreten durften sie - es beileibe nicht. Erft nachdem Brasilien sich von Portugal losgcsagt, sich unabhängig erklärt und den Prinzen-Statthalter Dom Pedro zum Kaiser ausgcrnfen hatte, und erst nachdem auch das spanische Südamerika sich Stück für Stück von seinem Muttcrlande losgcttcnnt und sich in mehrere Replubliken aufgelöst hatte, da dursten es auch die Söhne Israels wagen, anfangs zwar etwas schüchtern, später aber schon etwas kühner und dreister, diese Länder zu betreten und sich in denselben auch anzusiedeln. Freilich gaben sie sich nicht, sogleich für Juden aus, sondern bezeichneten sich als Amerikaner, Engländer, Franzosen u. s. w. und so fanden sie Zutritt zur Bevölkerung und konnten sich in Mitte derselben häuslich niederlaffen. Sie fürchteten zwar nicht mehr die Regierungen der betreffenden Länder, wohl aber die äußerst fanatische Geistlichkeit daselbst, die am liebsten, um ganz Südamerika hemm einen Steindamm gezogen hätte, damit kein Ketzer dieses Läudcrgebiet betteten und entweihen sollte. (Schluß folgt.) v Algerien. Konstantine. Der einzige in Ain-Abid wohnende Israelit, Herr F. Ehönchana, wurde einstimmig zum Bürgermeister dieses Platzes erwählt. mm Yeyaöttillrt. rttzählttng von Friedrich Motl. XXIII. Die Männer hatten den Ohnmächtigen ans ein Ruhebett gelegt, Frau Kahn befahl den Dienerinnen, Wasser und Essig zn bringen nnd bald war das Verlangte Zllr Stelle. Mrs. Trefoil wusch ihm Stim und Schläfe bald mit Blasser, bald mit Essig nnd auch ihre Thränen sielen ans sein marmorbleiches Angesicht. Fra» Lohn, itm die Brust ihm freier zu machen, hatte seinen Lbcrrock zurückgeschlagen und war eben im Begriffe das Gilet auf» znknöpfen, als sie die Wasche au der rechte» Seite blutigroH erblickte. „Er ist verwundet," schluchzte Mrs. Trefoil. „Rasch einen Arzt!" schrie sie den Mädchen zu, „bringt den ersten besten — ich lohne es Euch reich! — rasch; rasch!" Die Mädchen stürzten fort, während die Kauen sich bemühten, die Oberkleider des Verwundeten zn zerschneiden, um, ohne ihn viel zu berühren, zur Wunde zu gelangen und bis zur Ankunst des Äitztes durch kalte Compressen die Blutung möglichst zurückzuhalten.; ' .. Mrs. Trefoil war geisterbleich, bleicher selbst als der Verwundete, um den sie sich bemühte» aber sie hatte ihre Bewegungen vollständig in ihrer Gewalt. Rasch und doch mit äußerster Vorsicht hatte sie den rechten Hemdärmel der Länge nach aufgeschnitten und nun lag die Wunde offen. Frau Kohn stieß einen halbunterdrückten Schrei aus und hielt einen Moment die Hand vor die Augen» Mr. Trefoil hätte die Lippen fcstaufeinander gepreßt, ihre weitgeöffneten Augen ans die Wunde gerichtet, aus der unablässig das Blut quoll, das sie durch in Essig getauchte Compressen zu Men suchte, während Frau Kohn Stirn und Schlafendes Verwundeten mit stärkenden Essenzen wusch. Endlich erschien der Arzt. Eduard hatte soeben die Augen aufgeschlagen und verwundert um sich geschaut. „Wo bin ich?" fragte er, nicht ohne Anstrengung. Airs. Trefoil wandte sich lächelnd ihm zu, aber'ihre farblosen Lippen bebten, sie brachte keine» Laut hervor. „Sie sind in Mrs. Trefoils Villa," sagte der Arzt, „doch jetzt muß ich die Damen bitten, sich zurückzuziehen; was wir hier vorzunehmen haben, taugt nicht für Damenaugen." Mrs. Trefoil zögerte; doch Frau Kohn wußte sie zu bewegen, das Zimmer zu verlassen; in einem anstoßenden Kabinet lauschte sie mit angehaltenem Athen; auf jede Bewegung im Nebenzimmer. Sie batte beide Hände fest auf die Brust gepreßt. „Gott, mein Gott, hilf!" flüsterte sie unaufhörlich, während Tßräne auf Thräne über ihre Wangen glitt. Sie hatte den Kopf an eine Thttrspalte ge» lehnt, um leichter horchen zu können, doch sie der» im!>m kein Aechzen, keinen Laut deö Verwundete», der bereits wiederum ohnmächtig geworden war, IHM vor Schmerz, den die Handthimmg des

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