Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1886)
- Date
- 1886-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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T3n=Xitd[ Ltthrre tmb aoordnete, daß &r Jubilar zm» crftenmolc am gestrigen Sabbat mit diesem Titel zur Thora gmiftu werde. — Möge dem Kbilar ciu glücklicher Lebensabend beschicdea svu. S. W. H o Hand. Nrasterdsm. Der kürzlich verstorbene Herr I. E. Texeira de Mattos hat für die Annen von Amsterdam 3000 fl-, für die nachstehende» Institutionen je 1000 fl. hinterlassen: Den Armen in Baarc; in Amsterdam: der Armenkaffe der portug. Gemeinde, der Armenverwaltung der hochdeutschen Gemeinde, dem Port. Knaben-Waisenhause, dem Port. Mädchen-Waisenhause, der Port. Männer-Alter- Versorgungsanstalt, der Port. Fraucn-Alter-Versorgungsanstalt, dem hochdeutschen Knaben-Waisenhause, dem hochdeutschen Mädchen-Waisenhause, derKran- . kenverpfleguug, dem Krnder-Krankenhause, dem Taubstummen-Justitute in Groningen, derTanbstnmmcn- Austalt in Rotterdam. Wir erfahren aus guter Quelle, daß Frau Texeira, Herr und Frau Dr. Mendes de Bon (Schwiegersohn und Tochter des Lerstorbeneu) zum Andenken an ihren theueren Gatten und Vater rin neues Armenhaus und eine ueue Frauen-Altervcrsorgungsauftalt erbauen lassen wollen und zu diesem Zwecke bereits lO0,v00fi. an den Vorstand der Port. Gemeinde gegeben haben. Frankreich. Paris. Der berühmte Schriftsteller Louis Mbach dahier steht mit deur rumänischen Königspaare, ebenso mit dem rumänischen Ministerpräsidenten Braüano auf sehr freundschaftlichem Fuße. Kurz nach den jüngsten Ausweisungen jüdischer Journalisten aus Rumänien wandte sich dieser Menschenfreund an Braüano und an die Königin und ließ durch den Sohn Bratianos an den Vater schreiben; aber alle diese Schreiben blieben unbeantwortet. Zudirekt ist ihm mttgetheilt worden, daß er warten sollte; als wenn die, die ausgewiesen, ruinirt worden, so leicht warten könnten. Paris. Vierzig Familien russischer Juden z haben Paris verlassen, um sich in Mexiko niederzulassen. DK Reise- und ersten Ansiedlungskosten hat die All. Jör. ^übernommen. Für ihre Unterbringung in diesem Lande sind die nöthigen Anordnungen getroffen. Süd-Amerika. Grrerws- AyrrS, tm November. Ihrer an mich jüngsthin ergangenen ebenso srenndlichen wie ehrenvollen Aufforderung, Ihnen von Zeit zu Zeit Nachrichten über die politische, sociale uud religiöse Stellung unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Staaten Südamerikas zukommeu zu lasses leiste ich um desto bereitwilliger Folge, da ich selbst schon einmal die Absicht hatte, mich an ein speciell deutsch - jüdisches Blatt mit dem Anerbieten p wenden, daß ich demselben zeitweilig kleine Correspondenzen über die wenigen jüdischen Ansiedelungen auf der südliche» Halbinsel der Neuen Wett, die im Osten von den Portugiesen, im Westen aber von den Spaniern bewohnt und beherrscht wird, eiuscnden möchte. Erwarten Sie jedoch nicht von mir die Zusage, daß ich Ihnen wenigstens zweimal monatlich einen Brief mit interessanten Schilderungen von dem politischen, materiellen, geistigen und religiösen Ringen und Streben der Juden Südamerikas zusenden werde, denn dies hieße soviel als Ihnen Correspondenzen aus dem Monde zu versprechen. In Südamerika? gibt es leider, insoweit mir wenigstens die Verhältnisse hier bekannt sind, mit Ausnahme von Rio-de- Ianeiro und dem Städtchen Paramaribo in der holländischen Eolome Surinam (Guayana), in welchen beiden Ortschaften größere jüdische Ansiedelungen — dieselben Gemeinden zu nennen, das wäre doch ein wenig zu euphemistisch — existiren, kein jüdisches Gemeindewescn oder Leben, und wo dieses fehlt, da kann man doch wahrlich von keinem gemeinsamen Fühlen, Denken oder Handeln der Juden sprechen, um wieviel weniger noch darüber schreiben. Ich beginne mit der Geschichte der Ansiedelung der Juden in Südamerika. Dieselben find mit Ausnahme der in der Stadt Paramariba, die schon im vorigen Jahrhundert exiftirtc, nicht alt, und die ersten derselben entstanden erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts. Solange nämlich Südamerika zur Hälfte dem Könige von Spanien und zur Hälfte dem Könige von Portugal gehörte, durste kein Jude dieses Land betreten. Betrat er es dennoch, dann wurde er, wo möglich auf seine eigenen Kosten, mit dem nächsten nach Europa absegelnden- Sklaven- oder Verbrccherschiffe, wieder in die alte Welt zurückexpcdirt. Selbst noch zur Zeit Napoleon's I. durste kein Jude in einem südamerikanischen Hafen landen, uud als einst ein holländisches Schiff, das^von Rotterdam nach dem Eap der guten Hoffnung segelte, unterwegs vom Sturme erfaßt und so gezwungen ward, im Hafen von Bahia Schutz zu suchen, da verbot der portugiesische Gouverneur der Stadt, daß zwet jüdische Kaustente ans Hartem, die sich zufällig auf diesenl Schiffe befanden, das Land betreten sollen, damit die ausschließlich katholische Bevötkernng der Stadt nicht durch die Anwesenheit zweier Juden aufs