Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1886)
- Date
- 1886-01-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449603--23541-2513212- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Arztes ihm verursachte, thells in Folge des bedeutenden Blutverlustes. Denn dadurch, daß Eduard mit dem bereits verwundeten Arm wahrend mehrerer Minuten noch mit übermäßiger Krastaustrengung mit dem Wahustunigen gerungen hatte, war die Verwundung ungleich schwerer, als sie cs unter andern Umständen geworden wäre. Während der Arzt, unterstützt von dem Diener des Hauses, mit der Wunde beschäftigt war,- hatte Frau Lohn auf sein Geheiß dem jungen Manne wiederhott einige Tropfen Cognac eingeflößt. Endlich war es gelungen, das Projectil zu entfernen, und nach einiger Zeit gelang es auch die Blutung zu stillen, doch vollständig kraftlos lag der sonst so kräftige, junge Mann jetzt da, und nur das Zucken seiner Augenlider, die er hin und wieder zu heben versuchte, bewies, daß die Ohnmacht bereits gewichen. Nachdem die Wunde verbunden und die blutige Wäsche entfernt war, benachrichtigte Frau Kohn ihre Herrin, und diese begab sich wieder in das Krankenzimmer. Auf ihre dringenden Fragen versicherte der Arzt wiederholt, daß die Heilung allerdings wohl einige Wochen in Anspruch nehmen dürfe, daß bei geeigneter Behandlung ernstliche Gefahr jedoch nicht vorhanden. Er traf noch einige Anordnungen für die Nacht, denn der Abend war schon ziemlich wett vorgerückt, und versprach am folgenden Morgen wieder zu kommen, dann empfahl er sich. Mrs. Trefoil ließ sich vollständig erschöpft in ein Fauteuil gleiten am Fußende.des Bettes, auf welchem der Verwundete mit geschloffenen Augen anscheinend schlafend, dalag. Ihre Augen waren starr auf fein blasses fetten schönes Angesicht gerichtet, während Frau. Kohn in stiller geräuschloser Weise die Vorkehrungen ttaf, die der Arzt angeordnet. Keine der Frauen sprach ein Wort, beide lauschten auf die leisen, kaum hörbaren Athemzüge des Kranken. Eine Stunde mochte versttichen sein, als die Thür sich lautlos in ihren Angeln drehte, Mr. Jameffon trat ein. Einer der Hansleute hatte ihn sofort von deni Ereignisse benachrichtigt und hatte er sich unverzüglich zur Polizei begeben, wohin, wie er erfahren, der Wahnsinnige vorläufig gebracht worden war. Der treue Alte hatte vor Allem dafür gesorgt, daß Moor unverzüglich der Anstalt wieder Übergeben werde, der er entflohen war. Nun faul er, Mrs. Trefoil mitzntheilen, daß sie von dem Irrsinnigen nichts weiter zu befürchten habe, und sich glrichzeltig nach dem Befinden des Berivundetk» zu elkundtgen. Lei seinem Eintritt hatte sich MrS. Trefoll erhoben uud war ihm einige Schritte entgegeugegangeu. : - „Empfangen Sie vor Allem meinen Glückwunsch ob der glücklich entgangenen Gefahr/ sprach Dir. Jameffon, die ihm dargebotene Hand herzlich drückend. Mrs. Trefoll erwiderte seinen Händckruck, doch sie konnte einen Seufzer nicht unterdrücken. „Wohl bin ich der Gefahr entgangen, aber um welchen Preis!—* „Es ist doch hoffentlich nicht gefährlich?" : „Wenn wir der Versicherung des Aytes Glauben schenken dürfen, mtt Gottes Hilfe nicht.". „Welchen Aitzt haben Sie?" i - < ^Doctor Th....by. „Doctor Th....by, wenn..der Ihnen sagt, daß keine Gefahr vorhanden, dann können Sie es unbedingt glauben. Th.... by ist ein tüchtiger Arzt, nur ist er nicht beliebt wegen seiner allzuderben Offenhett, mit der er selbst den nächsten Angehörigen es nicht verschweigt, wenn er seinen Patienten aufgibt." > > Mrs. Trefoll athmete sichtlich erleichtert auf, Mr. Jameffon fuhr fort: „Wenn Doctor Th....bh! erklärt, daß keine Gefahr vorhanden, dann gestehe ich Ihnen offen, habe ich nicht einmal besonderes Mitleiden mtt Mr. Steinhart, ich hatte mich sogar überzeugt, daß seine sämmtlichen College» ihn beneiden werden, daß es ihm gelungen ist, zu beweisen, daß er selbst sein Leben zu opfern bereit wäre, wenn es das Wohl unserer allverehrteü Principal!» gilt." . .. : - „Wie Sie spotten," unterbrach ihn Mrs. Trefoil unmuthig. „Ich spotten?. — Nein beim Himmel, nichts liegt mir ferner. Aber ich kenne die Stimmung unserer jungen Leute, u—" . .; Der Kranke begann unruhig zu werden, erst flüsterte er leise unverständliche Worte vor sich hin, dann ward er allmählich lauter und deutlicher.' Frau Kohn ttat zum Bette, während ihre Herrin und deren Geschäftsführer, die am gegeniiberlichenden Fenster weilten, gleichfalls dorthin blickten. Das Antlitz des Verwundeten, vorhin so bleich, war jetzt dunkelroth. „Er scheint Hitze zu haben," sprach Mr. JameSson leise, „es ist das Wundfieber, hat der Arzt nichts dagegen verordnet?" „Doch, doch, Frau Kohn legt ihm Elstücher ans den Kopf." Der Kranke ward von Minute zu Minute unruhiger.