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Der Israelit · 1886-01-07 · Heft 2 (7.1.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 2 (7.1.1886)
Date
1886-01-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Pose«, 31. Dezember. Der vor Jahresfrist hier vemorbenc Stadt- und Kommerzienrath Herr Samuel Jaffe hat laut Testament die Summe von 100,000 Mark zu einer Stiftung bestimmt, deren Zinsen alljährlich am Todestage des Testators (13. Januar) an fünfzig achtbare christliche und jüdische Bürger aus Stadt und Provinz gezahlt werden sollen. Es kommt diese reiche Spende darum am 13. Zanuar zum ersten Male zurVerthcilung. — Auch Herr Stadtrath Louis Jaffö, der vor wenigen Jahren verstarb, hat eine.beträchtliche Summe ausgesetzt, deren Zinsen in Beträgen von je 100 Mark alljährlich an hiesige achtbare, hilfst bedürftige Personen zu verthcilen sind. Vor wenigen Tagen wurden durch diese bedeutenden Gaben elf Einwohner der Stadt erfreut. Krolischin, 27. Dezember. Die allgemein beliebte, junge Gemahlin unseres verehrten Rabbiners Herrn Dr. B an eth ist heute an den Folgen einer schweren Entbindungskrankheit in dem blühen-' den Alter von 24 Jahren verstorben. Die Dahingcschiedene war eine Tochter des ersten Cantors an der israel. Synagogengemeinde Adaß-Jisroel zu Berlin, des Herrn I. Olitzki. Das Haus der Verblichenen war eine Stätte ererbter, „altjudischcr^. Frömmigkeit und ein Zufluchtsort für die Armen und Bedrängten. Alle, welche es wissen, mit welch heißer Liebe unser Rabbiner an der Auserwählten seines Helzens hing, die er als Zögling des Rabbinerseminars zu seiner Lebensgefährtin sich erkoren, und es wissen, welche innigen Bande frohen Glückes das junge Ehepaar umschlungen, werden die schwere Wunde ermessen, die hier der Tod geschlagen hat. Die Trauerknnde hat in unserer Stadt unter den Bckenncrn aller Confessionen allgemeine schmerzliche Theilnahme wachgcrufen, die Beerdigungsfeierlichkeitcn werden ein ergreifendes Zeugniß hiervon ablegen. Möge der Herr den schwergeprüften Gatten und die Eltern der Verblichenen, welche tieferschüttert an der Todtenbahrc ihrer geliebten Tochter stehen, in ihrem tiefen Schmerze trösten! n":swn. 5rrotoschin, 20. Dezember. Kaum jemals hat unsere Stadt ein crgreifcnKres und imposanteres Schauspiel gesehen, als heute die Beerdigung der jugendlichen Gemahlin unseres Rabbiners. Nachdem im Trauerhause eine ganze Reihe von Deputationen der verschiedensten Vereine und Körperschaften ihr Beileid ausgesprochen, setzte sich der lange, fast unübersehbare Eondukt in Bewegung. Die Spitzen der Eivil- und Militärbehörden, die Schnldircltorcn, der Landrath, die Geistlichkeit aller Eonfcssionrn. und viele Hunderte vou Bürger» unserer Stadt nahmen am Zuge Theil. Als dieser das Militärgcbäude passirre, zog die Wache auf, um mit gesenktem Gewehr der fchcideudcu Todtm zu salutircu. Fünf Rabbiner ftrrachen auf dem Friedhöfe. Zunächst ergriff der fchwcrgcbeugte Gatte, Herr Dr. Baneth, das Wort, um seinem nameuloicn Schmerze einen erschütternden Ausdruck zu leihen. In herrlichen, ergreifenden Worte» suchte sodann Herr Rabbiner Dr. S ilberberg aus Pleschen ihm Trost zu spenden. Ihm reihten sich aisfernere Redner an Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld, der auf die Trauerkunde hm aus Posen herbeigeeitt war, sowie die Herren Rabb. Tr. E o h n aus Wrescheu und Dr. Bloch aus Jarotschin. Am offenen Grabe rief Dr. Baneth unter heißen Thränen der Trauerverfammlung seiner entschlafenen' Gattin noch einige Worte innigster Liebe zu, und der Hügel wölbte sich über der Verblichenen, die nach kurzem irdischen Glücke zum ewigen himmlischen Frieden hingehen sollte. — W... Norde«, 3. Januar. In der hiesigen Synagogengcmeinde wurde gestern das 25jährige Amtsjubiläum des Synagogenvorstehers Herr« -Schulen gefeiert. Schon am Vorabend des Festes brachte der Synagogengesangverein, dessen Ehrenmitglied der Jubilar ist, demselben ein Ständchen, nach welchem der Vorsitzende des Vereins, Herr Oberlehrer Levy, die Ansprache hielt. Am andern Tage begaben sich Vorstand und Repräsentanten der Gemeinde init den Beamten derselben in die Wohnung des Jubilars, woselbst im Aufträge der Gemeinde durch den obengenannten Herrn Oberlehrer Levy das Ehrengeschenk — ein silberner Pocal — mit einer passenden Ansprache, welcher das Psalmwort: Danket dem Herrn, denn er ist gütig rc. zu Grunde lag, überreichte. Auch der Eantor, Herr Israel, überraschte am Freitagabend den Jubilar dadurch, daß er mtt einem Solisten aus dem Ehor: Zaddik katomor jifroch u. s. w. (von Lewandowsky) beim Gottesdienste in vortrefflicher Weise sang. Die eigentliche gottesdienstliche Feier fand gestern statt und war gleichzeitig mit der erhebenden Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs und der Gedächtnitzfeier für Moses Mendelssohn verbunden. Nicht unerwähnt bleibe, daß auch der Herr Landrabbiner Dr. Buch holz — Emden — in einem längere» Andachts- und Gliickwuttschschreibtn an dem Feste thettnahm, 1« welchem derselbe dem Jubilar mtt dem

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