Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1886)
- Date
- 1886-01-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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scheu zur Wohnung an. Und Gott gab dem Menschen eine Gefährtin, die Er auS ihm selbst gebildet hatte. So war Alles Herrlichkeit, Freude und Lust, bis daß Gott diesem wonnigen Zustande ein Ende mit Schrecken herbeiführte. Durch das dem ersten Menschenpaare aufgelegte Verbot, an dessen Uebertretung der Tod geknüpft wurde, hatte Gott selbst die Möglichkeit gegeben, alt die gespendete Herrlichkeit dem Menschen zu entziehen, wie cs in der That auch geschah. „Herr der Welt, fragen die Engel, „warum hast Du den erstes Menschen ein Verbot aufgelegt, an dessen Uebertretung Du den Tod geknüpft hast?" Die Frage der Engel ist eine zwiefache: 1) Warum hat Gott überhaupt dem ersten Menschen ein Verbot aufgelegt, und 2) warum hat Er an die Uebertretnng desselben den Tod geknüpft? Der Mensch ist gleichsam ein Mittelglied zwischen den Thicrcn und den Engeln; gleich den Thieren gehört er der irdischen Welt an, gleich den Engeln der geistigen. Vor Beiden besitzt er einen großen Vorzug. Er ist der Herr der Mrde, und durch seinen Geist zwingt er die größten und stärksten Thierc, ihm zu gehorchen und seinen Zwecken zu dienen. Auch den Engeln ist er in einer Beziehung überlegen. Ihm ward das köstliche Geschenk der Freiheit, das die Engel nicht erhalten haben. Diese rein geistige Wesen können nicht wählen; sie können nur das thun und vollbringen, was ihnen aufgelegt wird. Ter Mensch aber ist frei geschaffen, ist frei, und diese Freiheit verleiht ihm die Fähigkeit, sich geistig zu entwickeln und sich in diesem vergänglichen Leben vorzubcreiten für ein ewiges, glückliches Dasein. Deßhalb hat Gott den elften Menschen ein Verbot ansgelegt, damit sie ihre Freiheit erproben. Da sie aber die Probe nicht bestanden hatten, da sie nicht vermocht hatten, sich auf der geistigen Höhe zu erhalten und das zu meiden, was Gott ihnen verboten, so wäre ein ewiges Leben zur entsetzlichen Qual geworden, so mußte der Tod eine Wohlthat werden. Wenn der Mensch trotz seiner Sündhaftigkeit hätte ewig leben müssen — er wäre nicht im Stande gewesen, die große Last des ihm immer beschwerlicher werdenden Daseins zu ertragen. Aber nicht allein das. Der sündige Mensch, der nicht für den Verlust seines Leben? zu zittern nöthig hätte, würde immer mehr in Sünde und Laster verfallen; denn das Hanptmittel, um den bösen Trieb zu bändigen, ist der Gedanke an den Tod. Unsere Weisen folgern dieses Heilmittel gegen die Sünde ans dem oben angeführten Aussprüche Davids: „Erzittert (in dem Gedanken an den Tod) und ihr werdet nicht sündigen; in euren Herzen in 22 stillen Rächten, auf euren Lagerstätte» führt euch die Vorstellung vor Augen, daß eiue Zeit des Schweigens kommt, eine Kit, m welcher der Körper sich nicht mchr bewege» kau». Nach diese» Erwägunge» werde» wir de« Ausspruch der Weisen im Midrasch verstehe». Da der allgütige Gott den zu einem Volke gewordeueu Söhnen Israel's die Thora zu offenbaren beginnt, fragen die Engel: Herr der Welt, einst hast Du' dem ersten Menschen ein einziges Gebot verliehe»; er hat cs übertreten, und der Tod kam in die Welt. Und nun beginnst Du, ihnen 613 Gebote zu geben? — Und der allgütige Gott antwortet den Engeln: Nicht habe ich den Menschen das köstlichste Gut, die Freiheit, vorenthalten, und weil sie frei sind, können sie sündigen, und weil sie sündige» können, ist ihnen der Tod die größte Wohlthat und der Gedanke an den Tod das beste Mittel, de» sündigen Trieb zu überwinden. Wohl soll ihnen sein das irdische Leben ein immerwährender Kampf. Wer aber in diesem Kampfe obsiegt, der erringt das ewige Leben, das zu gewinnen Meinen Kindern durch die Gesetze und Vorschriften der Thora ermöglicht wird. — Es ist also der Tod nur ein Uebergang zur Erlangung des ewigen Lebens, und wir vertrauen dem allgüttgen Gotte roo by ron der uns über den Tod hinweg zur ewigen Seligkeit führen wird. Die Thora aber ist r^n crn yy na Derlei», der Baum des Lebens, des. ewigen Lebens für Alle, die fest an ihr halten. Daß Adam, nach dem Sündenfalle, von dem Baume des Lebens im Garten Eden nicht essen durfte , war ihm, wie wir oben auseinandergefetzt, eine Wohlthat, eine von Gott fürsorglich gewährte Gnade. Der Baum des Lebens aber, den Gott mit nm c2b n:n beginnend, Seinem Volke beschieß, das ist der Baum des wahrhaften Lebens, dessen köstliche Früchte das Mittel sind, die ewige Seligkeit zu erlangen. — . ... . Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutsch l an d. Berlin» 25. Dezember. Der D. I. G. B. hat zum Gedenktage Moses Mendelssohns die bekannte Iugendschrift von Ferd' Schmidt, über den jüdischen Weisen, in verbesserter Aussage erscheinen lassen, welche wir allen bestens empfehlen können. Der Preis beträgt «5 Pf., Exemplare versendet das Bureau des D. Z. G. B.