Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1886)
- Date
- 1886-01-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gelutha nahestehender, angesehener Manu in Bagdad die Schmach, daß in einer Zeit, wo äußeren und inneren Feinden gegenüber ein Zusammenhalten so dringend geboten war, aus kleinlichen, persönlichen Motiven die Männer entzweit sein sollten, die zusammen zu wirkend berufen waren. Es gelang ihm eine Versöhnung zwischen Beiden hcrbctzuführen, Saadiah übernahm auf's neue das Amt, während er Einkünfte dcm. früher vom Resch Gelutha ernannten Nachfolger überwies. Nach dem Tode des Rcsch Gelutha und seines Sohnes rächte sich Saadiah an seinem bittersten Feinde dadurch, daß ersich des Enkels desselben väterlich annahm und für seine Erziehung sorgte. Er starb 942 im 50. Lebensjahre. Die literarische Thätigfeit Saadiah's erstreckte sich auf alle Gebiete. Sein immenses talmudisches Wisse hatte er mit allen Geonim gemein. Eharakleristisch für & t sind zunächst seine polemischen Schriften gegen die Karäer, die wir allerdings nur ans deren Erwiederungen kennen, die aber alle Schwäche und Inkonsequenzen irZ ^r^ismus in schonungsloser Weise btoslegen. Zur Vermessung einer richtigen Auffassung und Würvr-nmg des In-- dcnthnms schrieb dann Saadiah seruc./irakische Ncbcrschung der Bibel, in welcher er, dem Dorbilde der D'Dinn folgend, zugleich erklärte und mißversiändlichc Auffassungen zurückwies, und counnentirte^ mehrere biblischen Schriften. Ganz besonders wichtig aber war sein Werk rojrn hüien, welches während des Konfliktes mit dcm Nesch Gelutha entstand und den Beweis liefert, wie wenig damals sein Gemüth durch Schwermuth betriebt war und wie cs, gleich allen großen und erhabenen Naturen, sich in den lichten Höhen des Gedankens über alles Leid der Außenwelt zu erheben wußte. In diesem Werke verfolgte Saadiah die Aufgabe, alle die Zweifel und irrigen Auffassungen seiner Zeit zu widerlegen, und geht hierbei von dem Gedanken aus, daß die geoffenbarte Wahrheit mit den Wahrheiten der Vernunft übereinstimmen und daß die Offenbarung das Mittel sei, um die Menschen vor Jrrthümmern zu bewahren. In glänzender Weise führt Saadiah diesen Gedanken durch, begründet den > jüdische Glauben und die jüdischen Pflichten gegen alle Anfechtungen und eröffnet dcn Neigen der Neligionsphilosophen, die ein Stolz des Iudenthrnns sind. Aber rieben dcm Nuhmeskranze des Forschers und Denkers war auch die Palme des Dichters Saadiah nicht versagt. Bon seirrcn Poesien ist in unseren Ritus eine übergegangen, die heute noch durch ihre einfache Sprache den Beter zur tiessten Andacht hinreißt, die nnn am m'y, deren Gedankcngang Redner kurz skizzirte. „Die Hoffnung Saadiah's auf das Ende des Exils,* so schloß er „hat sich bis jetzt nicht erfüllt, gäft ein Jahrtausend der Verfolgung und der Zkoch ist seitdem über die Häupter Israels hinwcggcschritteu, aber die Leidcnsnacht war ihm keine Nacht und wird ihm kerne Nacht sein, solange es fest beharrt auf der Bahn Saadiah's, auf der Bahn. der Sittlichkeit, der Erkenntniß, des Glaubens.* Die Versammlmig, die von dem hochmtereffauteu Vortrag geradezu begeistert war, dankte dem Redner durch lebhaften Beifall.; Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Ungarn. Die Pakser jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlssten. Ihr Rabbiner. b^p'iTi i?sr 'n pton ist im Alter von 84 Jahren' am l l. ros gestorben. Ein Schüler des Landrabbiners Bauet in Nikolsburg und ein tdVt* pmiD des t»"sr “sid cnn, wirkteer 44 Jahre hindurch segensreich als Rabbiner in Pask. Trotz der großen Kälte eilten aus allen Gegenden seine vielen Freunde zu seinem Leichenbegängnisse herbei: Herr Rabbiner Szofer aus Budapest, seine drei Schwiegc^fyhne,. die Rabbiner zu Halasch, Zenta und Daja, BezrrKrabbiner Goitcin aus Hagyeß, M. Pollak, Rabbiner der orthod. Gemeinde in Bonyad und Dr. I. H. Reich waren anwesend. Nicht weniger als zehn Leichenreden wurden an seiner Bahre gehalten, die alle die hohe Tugenden des Verstorbenen betonten.' Als sein Nachfolger im Amte wird einer seiner Schwiegersöhne bezeichnet. nM2Miusun Rumänien Vor Kurzem wurden aus dem rumänischen Dorfe Hireschtmar 11 jüdische Familien ausgewiesen. Sie mußten trotz der bittern Kälte zum Wanderstabe greifen, ihr Weinen und Flehen nützte ihnen nichts. Im Aufträge der Behörde erschienen Dauern mit ihren Fuhren vor den Wohnungen der Ausgewiesenen, luden alle Habseligkessen auf und führten dieselben bis außerhalb des Dorfes, wo alle Gegenstände ans die freie Straße geworfen wurden. Unter den aus so grausame Weise Vertriebenen befanden sich 11 Kinder, 15 Frauen, mehrere Greise und kranke Männer. Einer ver Ausgewiesenen lag im Krankenbette nach einer an ihm vollzogenen Operation. Trotzdem die Aerzte bezeugten, daß der Kranke keine Bewegung machen darf, wurde er mit den Andern unbarmherzig aus dem Dorfe gejagt. Auch ein am Typhus schwer erkranktes Kind wurde nicht verschont. ■ —ft**"* «4ka6*iäBKs HIIÜW. D