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Der Israelit · 1886-01-04 · Heft 1 (4.1.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 1 (4.1.1886)
Date
1886-01-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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AettrmgSvLchrrchtea «vd Correfposve»^«. De ai 7 ch l a üb. granffnri a. M., 17 Dezember. Verflossenen Mittwoch Abend hiett im Verein für jüdische Geschichte u. Literatur Herr Dr!Hl Hcinemaun aus dem Cyclus der VorttSge über die Juden in den Landern des Islam einen dritten Vortrag, der R. Saab Za h Ga on und sei ne Zeit behandelte. Große und tiefgehende Gahrungen innerhalb des jüdischen Lottes kennzeichnen die Zeit des R. Saadjah Gaon, Gährungeu der mannigfaltigstcn Art, die aber im Grunde alle gegen die Fortentwickelung und den Fortbestand des traditionellen Judenthums gerichtet waren und die sehr an die Bervegungen erinnern, welche unser Jahrhundert schon dnrchgemacht hat, innerhalb welcher wir uns aber noch theilweisc befinden. Die wichtigste Bewegung dieser Epoche fand ihren Ausdruck im Karäerthum, dessen Entstehung und Wesen Redner in kurzen und sehr treffenden Worten schilderte. Aeußere Grunde waren es, die zunächst diese Bewegung in's Leben riefen. Anan, aus dem Hause der Exilarchen stammend, war bei der Bewerbung um die Würde des Resch Gelutha von den Rabbinen, die dem Ernst seiner religiösen Gesinnung mißtrauten, gegen seinen jüngeren Bruder zurückgesetzt worden und suchte, dadurch erbittert, seinem! Ehrgeiz durch Gründung einer Sekte Befriedigung zu verschaffen. Die uuchamcdanische Welt wurde damals durchwühlt von dem Streite über die Gültigkeit der Sunna, d. h. der auf Muhamed zurückgeführten, aber nicht in dc.n Koran aufgenommenen Traditionen. Das' mag denn dem Anan der erste Impuls gewesen sein, die Berufungsworte: „hie Schrift! hie Tradition!" auch in das Judenthum zu übertragen und die mündliche Lehre, an welcher, seitdem die Sekte der Saduzäer aus der Geschichte geschwunden, niemand innerhalb des Judenthums zu rütteln oder zu zweifeln gewagt hatte, anzugrcifcn. Freilich zeigt der weitere Fortgang des Karäerthums auf's Deutlichste, daß die Tradition, nach dem so überaus treffenden Beispiele Hillel's, der Schlüssel znm Alphabet der heiligen Schrift, daß ohne sie die Schrift ein Buch mit sieben Siegeln ist. Wenn das Karäerthum mit einigen der Gesetze, die zu ihrer Ausführung der mündlichen Lehre bedürfen, z. B. mit dem der Tephilin, brach, so mußte cs dafür, ganz im Gegensatz zu seinem Prinzip, z. B. hinsichtlich der Schlachtgcsetzc, die rabbinischc Tradition in vollen! Umfange annchmcn. Der Mangel einer festen Autorität erzeugte ferner bei den Karaeru hmfichttich aller Punkte des religiösen Lebe7?s< die weitgehendsten Spaltungen und Zerklüftung^ und nach und nach gerieth das Karäerthum in dm Zustand der Erstarrung, in welchem es uns heute bei dm geringen Ueberrrsten der Sekte im südliches Rußland und in der Krim entgegentritt. DochZ^M war damals, als die innerm Schäden noch nicht so deutlich hervorgetreten waren, die neuentstandene Sette dem rabbinischen Judenthum eine große Gefahr. Zugleich aber drohte auch die griechische Philosophie, welche sich bei Muhamedancra und Juden Eingang verschafft hatte, die ganze jüdische Weltanschauung zu untergraben. Die späteren griechischen Philosophen hatten zwar den Jrrthum deS Poly- - theismus erkannt, aber sie hatten in dem einen göttlichen Wesen, das auch sie anerkannten, nicht einen. Schöpfer in unserem Sinne, sondern einen Wettbildner gesehen, der aus einem gleich ihm ewigen Stoffe das All' geformt habe. Diese falsche Anschauung hatte auch unter den Inden vielfache Verbreitung gestruden. Ja, auch die Anschauung anderer griechischen Philosophen, die aus dem Boden der heuti- - gen Materialisten stattden, begegnen uns bereits in jenen Zetten, und eine tendenziöse Bibettritik ~ versuchte schon damals den Glauben an die Wahrheit unseres heiligen Schristthums wankend zu machen. Und wenn nun im Gegensätze hierzu Andere jedes Nachdenken über religiöse Fragen ausschloffen und wohl gar nach dem Bvrbilde muhamcdanischer Theologen alle Anttopomorphismen der heiligen Schrift wörtlich auffaßten, so widerstritt auch dies dem Geiste des wahren Judenthums aufs Aeußerste. Da ttat nun R. Saadiah den Josef in die. Geschichte der Juden ein. Geboren 892 in Fajme in r Egypten, hatte er sich frühzeittg hohes talmudischeS Wissen'ungeeignet und durch seine schriftstellerischen Arbeiten sich einen solchen Ruf gegründet, daß er, soweit wir wiffen, der einzige Nichtbabylonier, an die Spitze der altberühmten Hochschule von Surah berufen wurde, die allerdings in letzter Zeit durch Pumpadithah verdunkelt war. Seine schöne und erfolgreiche Wirksamkeit an derselben wurde bald gestört durch einen Konflikt mit dem Resch Gelutha. Derselbe forderte von ihn! die Zustimmung zu einem Urtheil, welches Saadiah's Ansicht nicht entsprach. Saadiah verweigerte dieselbe und ließ sich weder durch Bitten noch durch Drohungen bestimmen, denn „das Gericht sei Gottes Sache". In Folge hiervon kam es zum deftigen Kampfe zwischen Resch Gelutha und Gaon. Der Kalif trat zuletzt auf Seite des Ersteren, und Saadtuh mußte sogar einige Zeit in der Verborgenheit znbt tilgen. Da aber erkannte ein der^Sekte des Resch

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