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Der Israelit · 1886-01-04 · Heft 1 (4.1.1886) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 1 (4.1.1886)
Date
1886-01-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Schüler Mendelssohns waren es. welche die Opposition gegen die Uebersetzung verschuldeten, die schnell genug nichts Besseres zu thnn hatten, als mit dem traditionellen Judenthum zu brechen, . und da man fürchtete, daß durch diese Uebersetzung, welche ganz besonders auf Bcttieb dieser Schüler in die Ocffentlichkeit gebracht wurde, diese die Führerschaft in der Judenheit ün sich reißen könnten, darum wurde diese Uebersetzung der Gegenstand des Widerspruchs. > Zweierlei ist cs überhaupt, das für Mendelssohn verhängnißvoll wurde; erstens sind es seine Schüler, die an die Geistesgröße Mendelssohn's nicht hinanragend, sie kaum begreifend, Unverstandenes in sich ausnahmen und mit ihrem Brnchstückswissen eine Bahn einschlugen, die Mendelssohn niemals gewollt bat, deren größter Gegner er zu sein, er durch sein ganzes praktisches Leben bekundete. So wenig hatte er, der auf talmudischcm Boden stehende Jude, der bcm Bckehrungsrufe Lavatcrs mit Energie und kaustischem Witze entgcgcntrat, mit den Veilletäten des zerfahrenen Fricdlandcr, feines Hauptfchülers, zu thun, der bereit war die Taufe anznnehmen, wenn man ihm den Glauben an die Göttlichkeit des Stifters der christlichen Religion erlasse, wie mit neuerdings hervorgettetenen Vereinigungen, die unter der Fahne von „Mendelssohn-Vereinen" sich zur Aufgabe stellen, in ihrem Organ alles zu verhöhnen, was an ein religiöses Leben im Sinne von Bibel und Talmud erinnert. Zweitens war cs Mendelssohn's unbegrenzteGutmüthigkeit und schlechte Menschenkenntniß, die seinem Andenken Abbruch that. Menschen zweifelhaften oder vielmehr unzweifelhaft unsittlichen Eharakters, wie Abba Glosk und Jsaac Satnow konnten sich an ihn hcrandrängcn nnd dadurch seinen Namen verunglimpfen. Wir müssen Mendelssohn von seiner „Schule" trennen, von denen, die sich unberechtigter Weife als seine „Schule" betrachteten und als solche sich ausgaben. Wer den großen Abfall, der sich nach Mendelssohn in der Berliner Judenheit zeigte, als eine Folge der Thätigkcit des Berliner Philosophen erklären wollte, der versteht jene Zeit nicht. Der Voltärianismus, der unter dem Schutze Friedrichs d. Gr. die gebildeten Elasten Berlins durchsetzt hatte, war auch in die jüdischen Kreise eingedruugen, und es darf vielmehr angenommen werden, daß ohne Mendelssohn der Abfall ein noch viel größerer geworden wäre. Mendelssohn's Persönlichkeit war doch eine so mächtige, daß noch nach seinem Tode, als die Massentansep in Berlin cmslngen epidelnisch zu werden, er Bielen als derjenige dastarrd, der eö zeigte, wie man als frommer Jude theilnchmen könne an der Bildung der Zeiten, und wie mau als frommer, oder wie man heute sagen würde, als mtthodoxcr Jude, Wigenschaft und Judenthum vereinigen und sich die Achtung feiner christlichen Mitbürger erwerben könne. „Unter den Linden" in Berlin erhebt sich daS prachtvolle Denkmal Friedrich d. Gr. Rauchs ge» übte Künstlerhand hat hier vor dem erstauutm Beschauer das Zeitalter des genialen Begründers von Preußens Größe hkngezaubert, alle die Großen jener Zeit, die Ritter des Schwertes und die des Geistes grüßen uns überragt von der coloffaleuReiterstatuedes „alten Fritz", vom mittleren Socke! des Monumentes herab. Wenn heute Leben in alle diese starren Körper führe, und sie von Piedesral herunter stiegen, da würde Lessing vergeblich feinen besten Freund suchen, er würde Mendelssohn nicht finden. Er würde den Kopf schütteln und sich frage», ob denn wirklich schon fast hundert Jahre verstrichen waren von der Zeit ab, da er seinen „Nathan" geschrieben bis zu dem Augenblicke, da man in der Mettopole des großen preußischen Staates das ftidericianeische Zeitalter im Bilde zu verherrlichen sich entschloß. Mendelssohn's Geist würde zu den Bekümmerinffen seines Freundes lächeln; er würde ihm zuffüstern: „Ruhig, lieber Freund, ich war im meinem Leben nie nach Auszeichnung begierig, was sollte es mich kümmern, wenn man nach meinem Tode mein Bild nicht ausstellt? Eines weiß ich, ich habe nicht umsonst gelebt, und ich werde nicht vergeben sein." Auch wir können uns dabei beruhigen , sein Andenken bleibt im lebendigen Herzen der Menschen bewahrt. Hundert Jahre schon lebt er nicht mehr aus Erden, aber soweit die deutsche Zunge klingt, und noch weit darüber hinaus wird heute Mendelssohn's Name genannt. Sollen wir als Juden nun vielleicht nachholen, was am Friedrichsmonument in Berlin versäumt ist? Man geht jüdischerseits damit um, Mendelssohn ein Standbild zu errichten: wem heute sein Geist hermcdcrstiegc, ec würde in seiner mildfteundlichen Art sprechen: „Nicht doch:- ich habe mein ganzes Leben lang wissentlich nicht ein Gebot jüdischen Gesetzes oder jüdischer Sitte übertreten; eure Absicht, mein Andenken durch ein Standbild zu ehren, ist ja gewiß gut, aber die Ausführung bfefer Absicht wäre nicht gut; was ich in meinem Leben, weil gegen das jüdische Gesetz verstoßend, nicht gebilligt haben würde, damit glaubt ihr doch nicht, mich nach meinem Tode ehren zu können. Gönnet mir den Ruhm, daß mein Andenken zu bewahren es nicht des tobten Steines oder Erzes bedarf, gönnet mir den Rubin auch ohne Standbild unsterblich auf Erden zn sein."

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