Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1885)
- Date
- 1885-12-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1742 das am Tigris im Laude der Assyrier lag' Hier verlebte Abraham seine Jugend und Jünglingszeit und hier führte er auch Sara als Gattin heim. Noch heute bezeichnen die Bewohner Orfahs, die durchwegs Araber sind — es leben nur wenig Juden daselbst — ein kleines hinfälliges Banernhäuschen außerhalb des Städtchens, als das GeburtshauscAbraham's und nennen es daher Beit- El-HEHalil (Haus des Gottesfreundes)." Ob es noch dasselbe Haus ist, in dem Abraham geboren ward, lägt sich mm nicht mehr scsi behaupten; jedenfalls aber ist dasselbe schon etliche hundert Jahre alt und selbst, wenn Abraharn in demselben nicht geboren wurde, so verdient cs doch unsere Pietät, weil es das älteste Baudenkmal in dessen Geburtsort ist. Heute gehört dieses Häuschen einem arabischen Hirten, der dasselbe wohl hoch in Ehren hält, aber nicht im Stande ist, es auch gegen den Zahn der Zeit, der unter der heißen Orientsonne die Bauten schneller abnagt, als im Abcndlande, zu schnvcn, du ihm die pecuniären Mittel dazu fehlen. Auch die in Orfah und dessen Umgegend lebenden wenigen Inden, die sehr gottcsfürchtig, aber auch eben so arm sind, vermochten bisher nicht die nöthigen Mittel aufznbringcn, um diese Stammburg des jüdischen Volkes zu erwerben und renoviren lassen zu können. Auch fehlt ihnen, da sie schlichte Bauern sind, jeder Sinn und jede Pietät für historische Denkmäler. Nur noch einige Jahre und dieses Hänschen wird gänzlich, wie die Bewohner Orfahs versichern, ein Schutt- und Trümmerhaufen sein. Mögen daher die Archeologen des Abendlandes, bevor noch das letzte Denkmal im Geburtsorte Abraham's verschwunden ist, demselben ihre Aufmerksamkeit znwenden und es wenigstens durch einen hiesigen Photographen anfnchmen lassen. — Ans Bassorah wird mir mitgetheilt, daß vier jüdische Kaust ente aus der am persischen Meerbusen gelegenen arabischen Handelsstadt El-Ehatif vor einigen Tagen mit einer arabischen Karawane nach dem Innern der arabischen Halbinsel abgcrcist sind, um, wenn möglich, in das Land der Wahabiten (einer mächtigen mohamedanischcn Secte, die in Mohamed keinesfalls einen Propheten, sondern nur den weisen Lehrer erkennen will und die deshalb von den übrigen Moslims zumal von den Arabern und Türken, fortwährend angefeindet und verfolgt wird) einzudringen und mit der Bevölkerung daselbs Handelsverbindungen anzuknüpfen. Sie gedenken sogar ihre Reise bis Derajeh, der Hauptstadt des Wahabitenrciches, auszndehnen, und dort ihre Waaren in einem Laden feilzubieten. Es ist diesen muthigen Geschäftsleuten eine glückliche Reise und auch der beste Erfolg zu wünschen, den» nur so dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß sie uns nähere und ausführliche Nachrichten über die jüdischen Stämme, die angeblich zwischen der nordarabischen Provinz HcdschaS und dem Wahabitengebiete wohnen sollen, mitbringcn werden. Da diese vier jüdischen .Laufleute auch während ihrer Reise mit ihren Geschäftsfreunden in Basiorah in brieflichem Verkehre bleiben werden, so wird man bald in letzterer Stadt im Besitze von Nachrichten über den Fortgang dieser jüdisch - commercielleu Forschunsreisc sein, und werden diese Nachrichten dann sogleich von mir an den „Israelit" weiterbefördert werden, damit er sie zur Kenntniß rfcua irnx ho, aller nuferer Brüder in der Diaspora bringe. Jammerschade ist nur, daß diese jüdischen Forschungsrcisendcn nicht auch einige Kenntnisse der mathematischen und physischen Geographie besitzen, da sie so der Wissenschaft große Dienste hätten leisten können. Das zwischen der Hafenstadt El - Chatif und Derajeh gelegene Gebiet ist nämlich noch heute nicht genau beschrieben und bekannt und selbst die Pforte, welche doch behauptet, dieses Gebiet oder wenigstens der östliche Theil davon, sei ihr unterworfen, besitzt keine verläßliche Karte von dieser Gegend. F e u i l l e t o u. Zerusakem vvr 50 Jahren und jetzt! I. Jerusalem vor 50 Jahren. Ilm den schnellen Aufschwung, welchen Jernsalem von Jahr zn Jahr nimmt, zu coustatiren, hat man nicht nöthig in die längst vergangene Zeit zurück zn greifen und sie mit der Gegenwart zn vergleichen; es genügt, wenn man 30—50 Jahre zurnckblickt; seit 50 Jahren hat sich Jerusalem in jeder Beziehung wunderbar verändert. Vor 50 Jahren war die Stadt wüst; nur wenige Häuser waren gut erhalten, die übrigen waren Trümmerhaufen und unbewohnt; innerhalb der Stadtmauern gab es ausgedehnte Weideplätze; die Straßen waren nngepflastert und dienten als Ablagernngsort für allen Nnrath. Die Bevölkerung war sehr spärlich und entbehrte jeder Liebe zur Arbeit wie des Unternehmungsgeistes. Einen größeren Handel als den mit den Bauern der umliegenden Dörfer trieb man nicht. Nur die kleine jüdische Gemeinde pflegte einen häufigeren Verkehr mit Europa; denn ihre Mitglieder