Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1885)
- Date
- 1885-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1738 mcinbe ist ML' osn (Cacham Sassun.) Selbstverständlich hat dabei jede Synagoge ihren eigenen Cantor, so. wie sie auch ihren eigenen Chacham besitzt. Die Gcinein.de unterhält' auch, damit das Licht der Gotteslehre in unserer Mitte nicht verlösche, eine nirar (Jeschibah), die zur Zeit von circa zweihundert Hörern, von denen viele schon bejahrte Männer und Familienväter sind, besucht wird. Hier in Bagdad ist es nämlich nichts Ungewöhnliches, daß ein Kaufmann oder ein Handwerker, blos aus Liebe zur Thora und ohne jede materielle Absicht, täglich mehrere Stunden, oft sogar auch ganze Nächte, dem Studium und der Erforschung der Gotteslehre widmet und sucht er dann rasch das Bet-Hamidrasch ans, da er dort nicht nur die uöthigcn Bücher und die Beleuchtung, sondern auch die erforderliche Ruhe findet, die er zu Hause im streife seiner Familie nicht finden kann. Oberhaupt der Jeschibah ist Chacham Joffes Chajim, ein wahrer □•-in -ipiyi yyo, der den Ruf eines großen Talmudgelehrten hat. Nebst vielen Kinderschnlen befindet sich hier alich eine Talmud-Thora, in der au fünftausend arme Kinder, unter denen sich indcß auch viele reiche befinden, ihren Unterricht erhalten. Die Schüler daselbst erhalten zugleich auch auf Ge-. meindckostcn ein Mittagsbrod, das indetz aus Brod und Datteln besteht. Hie und da, besonders bei freudigen Familiengelegenheiten, Pflegt dann ein wohlhabendes Gemeindemitglied den Schülern der Talmud-Thora ein förmliches Mittagsessen vorsetzen zu lassen. Die Alliance Jsraelite unterhält hier gleichfalls eine Schule in ihrem eigenem in der Mcchalet Es-skul (Schulgasse) gelegenen Hause. Dircctor dieser Schule ist Herr Israel Luria aus' Salonichi, der zugleich auch die französische Sprache vorträgt. Herr Moritz Cohn aus London docirt die englische und Herr Sassun die arabische Sprache, während das Türkische von einem Offizier der hiesigen Militärschule vorgetragen wird. Fast in jeder Synagoge hier befindet sich eine Gallerie, die für die Frauen bestimmt ist und daher mw miy (Frauenabtheilung) genannt wird. Der Almemer (En- Miuber) steht in der Mitte der Synagoge und rings um demselben läuft eine Bank Tebah (ra*n) genannt, welche für die Vorsteher und Chachamim der Synagoge bestimmt ist. Die Synagogen werden hier durchwegs mit Sesamöl beleuchtet, die Straßen der Stadt und des Judeuviertels dagegen mit Petroleum. Jeden Samstag Nachmittags wird in den Synagogen in arabischer Sprache gepredigt und sind auch Frauen zugegen. Am Neujahrsfeste und Versöhnungstage tragen auch wir weiße Kleider, aber keineswegs die Sterbegewänder, sondern einen weißen Kaftan, weiße Beinkleider n. s. w. Ein Mal im Jahre tritt der große Ausschuß der Gemeinde zusammen, um eine An'cha (nany), Schakung der Gemeindemitglieder, vorzuzunehmen, d. h. zu bestimmen, wie hoch sich der Beitrag eines Jeden zu den Gemeindclasten zu belaufen habe. Tie Gemeinde hebt auch von jedem Stück Vieh, das geschlachtet wird, eine Abgabe ein, so z. B. von einem Schafe fünf Piaster (eine Mark) von einem Huhn fünf Paras (vier Pfennig) u. s. w. rr<oi nlern werden hier, da dieselben im Oriente nur spärlich Vorkommen, fast nie geschlachtet. Die jüdischen Fleischbänke befinden sich insgesammt im Judeuviertel und werden von einigen dazu bestimmten Chachamim überwacht. Den Juden hier ist, was im Lccidente nicht bekannt sein dürfte, die Bigamie gestattet, doch erst nur dann, wenn man von seiner Frau nach neunjähriger Ehe keine männliche Nachkommen erhalten konnte. Was die politische Stellung der Juden hier anbclangt, so läßt dieselbe nichts zu wünschen übrig, da sie dieselben Rechte und Freiheiten wie die übrige Bevölkerung genießen. M a r o c c o. Mogador. Die hiesige jüdische Gemeinde befindet sich in größter Aufregung. Die von dem verstorbenen Sir Moses Montefiore vor etwa zwanzig Jahren bei dem damaligen Sultan erwirkten Erleichterungen in der traurigen Lage der maroccanischen Juden, sind vom Sultan, kurz darauf, als er vernommen, daß Montefiore gestorben, aufgehoben worden. Während bis jetzt die Inden ungehindert ihren Geschäften im arabischen Stadttheile nachgehen konnten, sind sie fortan wieder gezwungen, barfuß zu gehen und ihre Schuhe in der Hand zu tragen. Die Folgen dieser Verordnung sind, daß das Leben und Vermögen der Juden gefährdet sind. Eine Versammlung jüdischer Kaufleute hat beschlossen, die Vertreter der auswärtigen Mächte um ihre Intervention zur Aufhebung der Verordnung anzugehen. F e n i JJI e t o u. Mefiaöittttrl. 15rzählung von Friedrich Rott. „Nun, wie gefällt Ihnen Mrs. Trefoil?u fragte Hermann, als sie auf dem Heimweg nebeneinander einherschritten. Eduard blickte den Freund verwundert an. „Wie mir Mrs. Trefoil gefallt?