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Der Israelit · 1885-12-31 · Heft 102 (31.12.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 102 (31.12.1885)
Date
1885-12-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1736 Namen des ewigen Wesens, des Gottes unserer Väter gewirkt wird. Man wagt es, sich unserem Lehrer Moscheh an die Seite zu stellen und merkt nicht, das; man anstatt zur Befreiung, unser Volk zur Verletzung des ewigen Gottcsgcsetzcs geführt hat. Das ist der große Unterschied zwischen der Sendung Moses und den Neformbcstrebungcn unserer Zeit. Zeitungsnachrichten und Correspoudenze». Deutschland. Mainz, im Dezember. Eine unserer geachtetsten Mitbürgerin, Frau Amalie Cassel, feiert am 1. Januar n. I. das seltene Fest ihrer 40jährigen Thätigkeit als Hebamme. — Welch' ein Leben der unermüdlichsten, aufopferndsten Thätigkeit muß hinter Jemanden liegen, der während 40 Jahren in mehr als 5400 Fällen in eifrigster und liebevoller Hingebung diesem schweren Beruf gerecht geworden ist! Dieser Thätigkeit entspricht auch die Verehrung und Anerkennung, welche Frau Cassel bei der ganzen hiesigen Bevölkerung, insbesondere aber bei der jüdischen Einwohnerschaft genießt. Wir . beglückwünschen diese thätige Frau,' welche trotz ihres Alters (67 Jahre) ihren Beruf in Rüstigkeit und Unermüdlichkeit erfüllt, zu diesem Jnbclfcstc hcrzlichst. Möge ihr noch eine lange Reihe von Jahren bcschiedcn sein, ihre Thätigkeit in Glück und Gesundheit fortzusetzen! Aus Bayern. Unsere Königliche Regierung ist, das muß man rühmend anerkennen, stets bestrebt, den Bedürfnissen unserer Glaubensgenossen ebenso, wie denen aller übrigen Staatsangehörigen, in gerechter und billiger Weise Rechnung zu tragen, und Dank der dem Princip der Parität durchaus gerecht werdenden Praxis, die bei uns zu Lande schon lange gang und gebe ist, können die Israeliten unseres Vaterlandes in keiner Weise über Zurücksetzung oder Beeinträchtigung ihrer Rechte des religiösen Bekenntniffes wegen Nager,. Umsomehr muß es Wunder nehmen, daß eine Angelegenheit bis jetzt noch nicht geordnet ist, deren Mangel tief empfunden wird und die daher dringend der Erledigung bedarf, das ist nämlich die Versorgung der Wittwen und Waisen der Rabbiner. Die israelitischen Elementarlehrcr sind in dieser, wie in allen anderen Beziehungen, den christlichen Lehrern völlig gleichgestellt. Auch die Verpflichtung eines Beitrages zur Besoldung der Rabbiner hat der Staat dadurch schon längst anerkannt, daß er denselben ein Minimalgehalt garantirt, rcsp. das, was an dem von Seiten der Gemeinde oder des Distriktes gewährten Gehalte bis zu dem von der Negierung festgesetzten Minimalgehalte fehlt, aus Staatsmitteln darauf legt. Dagegen ist bis heute noch nicht das Geringste geschehen, um den Hinterbliebenen eines Rabbiners irgend ein Einkommen oder eine Unterstützung zu sichern. Die Gemeinde und der Distrikt sind zu keiner Zahlung verpflichtet; es ist durchaus nur guter Wille, wenn sie dcu Hinterlassenen ihres verstorbenen Seelenhirten ein Gehalt bewilligen, und der Staat hat in diesem einem Punkte bis jetzt sich inconsequent gezeigt und eine Ungleichheit bestehen lassen, indem die Wittwen und Waisen der protestantischen Geistlichen aus Staatsmitteln eine Dotation empfangen, während die der Rabbiner gar nichts zu beanspruchen haben. Vom Standpunkte des Rechts aber, wie von dem der Humanität ist eine baldige Abstellung dieses Mißstandcs sehr geboten, und es ist gewiß eine besondere Begründung hicfür nicht nöthig. Das Amt eines Rabbiners ist ja selten oder fast nie so einträglich, daß cs einem solchen möglich wäre, die Zukunft seiner Familie in materieller Hinsicht für den Fall seines frühen Ablebens zu sichern. Und wie, sollten da noch länger unsere Rabbiner gezwungen sein, mit banger Sorge um Weib und Kinder an die Zukunft zu denken, und sollten diese, wenn ihnen der Ernährer entrissen ist, dem blinden Zufall des Geschickes überlassen und ganz von der Gnade barmherziger Menschen abhängig sein? Bei der.Kgl. Regierung bedarf es gewiß nur der Anregung, damit diese Angelegenheit bald eine günstige Entscheidung finde; möge diese Anregung nicht lange auf sich warten lassen. An uns ist es hier den Impuls zu geben, besonders aber an den Rabbinern selbst; mögen alle bayerischen Rabbiner sich zum Zwecke einer Petition an die Königliche Negierung recht bald vereinigen, und die Bemühungen werden sicherlich vom besten Erfolge gekrönt sein. — Frankfurt a. M., 28. Dez. Gestern fand hier die Generalversammlung der .Religionsgesellschaft statt, welche sehr zahlreich besucht war und in welcher der Vorstand über das mit Ende September abgelaufcne Geschäftsjahr berichtete. — Aus diesem Berichte erlauben wir uns einiges mitzutheilen. Es wurde konstatirt, daß alle Anstalten der Religionsgesellschaft wie Schule und Synagoge, Fleischhallen n. s. w. sich in erfreulicher Wirksamkeit nnd Prosperität befinden, und daß die erstere sich die Anerkennung als eine der besten Schulen Frankfurts erworben hat. Der zweite Theil des Bades ist fertiggestcllt nnd mit dem ersten ver-

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