Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 102 (31.12.1885)
- Date
- 1885-12-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1735 ferner äußeren Form ganz und gar und fast bis zur Unkenntlichkeit umgestaltend, doch dem alten jüdischen Geiste unserer Vater entsprungen. Trotz der Aenderungen bleibe ja das Wesen des Judenthums intact, bekenne sich der Zeitgeist zur altjüdischen Gottesanschanung von dem einen ewigen Wesen. — Das spricht sich so leicht und schön, als wäre es die einfachste Wahrheit. Moscheh erhielt auf seine an Gott gerichtete Frage, was er dem Volke Israel sagen solle, eine doppelte Antwort: Das immer seiende, auch unter den verschiedensten und entgegengesetztesten Eigenschaften sich zeigende Wesen schickt mich zu Euch. Ferner sollte er sagen: Der Gott Euerer Väter k. schickt mich zu Euch, „das ist mein Name auf ewig und das meine Erinnern» g für alle Ge schlechter." Nur wer sich berufen kann auf den Gott unserer Vater, wie diese Ihn erkannt, und wie diese Ihm gedient; nur wer den Gott unserer Väter bei uns in Erinnerung bringt; der darf als Bote Gottes zu uns kommen, nur unter diesem Namen und in Berufung und Nückerinnerung des Gottes Abrahams, Jsaks und Jakobs, kann sich Jemand als Befreier und Erlöser uns vorstellen. Kam und kommt auch der Zeitgeist im Namen des Gottes unserer Väter V Lernst er sich ans das alte Gesetz unserer Väter? Freiheit will er uns bringen, Befreiung von dem alten Gesetzesbunde, den Gott mit unseren Vätern geschloffen, Freiheit in allen unseren Handlungen, freie Anschauungen, wie sie gerade das lebende Geschlecht hat, Freiheit zum unbeschänkten Genüsse, Freiheit, sich selbst die Gesetze der Moral zu geben, Freiheit unseren Leidenschaften, kurz eine Freiheit, die unsere hehre, reine Gottesanschauung, welche den ganzen Menschen, selbst in den gewöhnlichsten Lebensäuberungen seinem Gotte unterstellt, in eherne Ketten schlägt. Sehen wir uns die Freiheit an, welche der Zeitgeist uns gebracht hat! Und wenn Einer da ist, der da mit Recht behaupten und beweisen könnte, die Gottesanschauung und der Gottesbegriff von heute wäre reiner, besser und vollkommener, der Zeitgeist hätte in Wahrheit das heutige Menschengeschlecht besser und edler gemacht, es mehr hingcleukt, auf sein sittliches Wohl Bedacht zu nehme»; die Menschen verfolgten heute höhere, idealere Ziele: wer das in Wahrheit behaupten kann, der dürfte sich als Freihettsboten des Gottes unserer Väter ausgeben. So lange aber dem Materialismus allerwärts alle Kräfte geweiht werden, der Materialismus als das Hauptstreben und Hauptziel hingestellt wird, da mag zwar unter der Herrschaft des Zeitgeistes manches Schöne, Kunstvolle und auch manches Gute vollbracht werden, das ihm gedankenlos ausschließlich zugeschrieben wird; aber ein. solcher Geist darf nimmermehr im Namen des höchsten Geistes zu uns kommen, ein Geist des Wahnes, des Jrrthnms kann nimmermehr der höchsten und einen Wahrheit dienen, und die unter der Aegide des Zeitgeistes vom Väterglauben abgesallenen Inden unserer Zeit können nimmermehr als die Vertreter des Gottes unserer Väter, im Namen dieses Gottes sich ansgeben, da sie ja auch die Gemeinschaft mit ihrem Volke und seinem Gottesgesetze aufgeben, ja selbst jede Erinnerung daran aus uns bannen, jedes Band lösen wollen, das uns damit verknüpft .-in -\nb H3i rm nbyb wn; Gott spricht, nur wer da kommt im Namen des Gottes Abrahams, Jsaks und Jakobs, der kömmt in meinem Namen; nur die Erinnerung an die Vergangenheit, die Zusantmengehörigkeit mit ihr ist die wahre Erinnerung, und das zwar zu allen Zeiten. Und das ist der einfache Prüfstein für die Echtheit der göttl. Sendung, und das ist die einzig giltige Beglaubigung, daß man dem Judenthnme diene, zur Hebung und Förderung des Judenthums beitrage, uns Freiheit und Erlösung bringe, wenn man sich auf unsere Väter bezieht, uns in der Erinnerung an diese zu Gott führt. Darum spricht Gott ferner zu Moscheh: Wenn du den Kindern Israel s 0 dich vorstellst, so werden . sie Dir Glauben schenken. Wenn heute die Apostel der Freiheit, wie sie im Judenthnmc aufgetreten, Anhänger und Gläubige gefunden haben, so geschah das wohl weniger ans lleberzengnng von der gepredigten Wahrheit, sondern die Zeitverhältnisse haben da am meisten mitgewirkt und weil die Freiheit, die sie bringen wollten, überhaupt in uns Menschen ihr Wort erhebt nach dem bekannten Bibelworte: „Denn der Trieb des Menschenherzens ist nach dem Bösen gerichtet von Jugend an." Und diesem sogenannten Freiheitstriebe verdankt die Neuzeit den Erfolg in Bezug auf die Schwächung der religiösen Zustände, ihm allein ist der Abfall vom Väterglauben zuzuschreiben und nicht der siegenden Allgewalt des herrschenden Zeitgeistes, ttnd welches die großartigen Erfolge sind, die man so laut ansposannt als Errungenschaften der Neuzeit, das zeigt sich klar und deutlich genug. Mehr als alle Phrasen von Aufklärung, von reinerer und erhabener Gottesanschauung spricht der.Geist der Verneinung alles Höheren, der heute zum „guten Ton" gehört bei so vielen Juden und zeigt, daß so die Wahrheit nicht sprechen kann, daß auf diesem Wege nicht im